Die Leitstelle von morgen auf der Interschutz 2026
Integrierte Leitstellen für Feuerwehr, Rettungsdienst und Bevölkerungsschutz sehen sich mit immer komplexeren Aufgaben konfrontiert, die weit über das klassische Alarmieren von Einsatzkräften hinausreichen. Auf der Interschutz 2026 wird deutlich, wie sich Leitstellen technologisch und organisatorisch weiterentwickeln.

„Kommunikations- und Leitstellentechnik gehört deshalb zu den Schwerpunktthemen der Weltleitmesse“, sagt Interschutz-Projektleiter Thilo Horstmann, Deutsche Messe AG. „Eine große Rolle spielt dabei die Einbindung von Künstlicher Intelligenz (KI). Moderne Leitstellen müssen große Informationsmengen in Echtzeit bewerten, unterschiedliche Akteure koordinieren und dabei auch mit technischen Störungen, Personalmangel und steigenden Erwartungen der Bevölkerung umgehen.“
Auf dem Smart Public Safety Hub in Halle 16 zeigen innovative Partner aus dem öffentlichen Sektor anhand intelligenter Systeme und unter Einsatz modernster Technologien, wie in fünf Minuten ein gemeinsames Lagebild entsteht. Einsatzkräfte müssen im Ernstfall schnell und umsichtig handeln können und zeitgleich mit allen relevanten Informationen versorgt sein. Das gelingt heute nur, wenn die interdisziplinäre Vernetzung verlässlich funktioniert und digitale Hilfsmittel verfügbar sind. Unternehmen wie Eurocommand und Esri sind hier beispielgebend.
Schon jetzt setzen Leitstellen zunehmend auf KI gestützte Assistenzsysteme, wie auch der Fachverband Leitstellen e. V. bestätigt, der auf der Interschutz in Halle 16 über seine Arbeit informieren wird. Derartige Assistenzsysteme unterstützen künftig Disponenten beispielsweise bei der Ergänzung der standardisierten Notrufabfrage, der Erkennung kritischer Schlüsselwörter im Notrufgespräch, bei der Bewertung von Einsatzlagen oder der Priorisierung von Einsatzstichworten.
Bei aller Technik steht aber auch in Zukunft der Mensch im Mittelpunkt, betonen die Fachleute – ein Aspekt, den auch die Interschutz vermitteln möchte. Zukunftstechnologien sollen Disponenten entlasten, nicht ersetzen. Ergonomische Arbeitsplätze, intelligente Benutzeroberflächen und digitale Assistenzsysteme tragen dazu bei, Stress zu reduzieren und die Entscheidungsqualität zu erhöhen, betonen die Akteure.
„Der klassische Telefonnotruf wird ergänzt durch neue Kommunikationskanäle“, erläutert Marc Gistrichovsky, Vorsitzender des Fachverbands Leitstellen. „Über den sogenannten ‚Next Generation 112‘ müssen künftig Fotos, Videos oder Textnachrichten in Echtzeit an die Leitstelle übermittelt werden. Einsatzkräfte erhalten so bereits vor dem Eintreffen ein besseres Lagebild. Ergänzt wird das mit der automatischen Standortübermittlung sowie perspektivisch mittels Daten aus Fahrzeugen, Wearables oder medizinischen Devices.“
Leitstellen sind Bestandteil der kritischen Infrastrukturen. Mit großem Interesse blicken die Experten deshalb auch auf die aktuellen Lösungen der Aussteller für Szenarien wie Stromausfälle, Cyberangriffe oder Großschadenslagen. „Redundante Systeme, sichere Cloud-Lösungen, Notstromversorgung, ein performantes Informationssicherheitsmanagement und autarke Kommunikationswege sorgen dafür, dass Leitstellen auch in Ausnahmesituationen handlungsfähig bleiben“, betont Marc Gistrichovsky.
Erste FEU Leadership-Konferenz auf der Interschutz 2026
Mit der ersten FEU Leadership Konferenz während der Interschutz 2026 in Hannover möchte die Federation of European Fire Officers am 3. und 4. Juni 2026 europäische Feuerwehrchefs in einem Premieren-Konferenzformat zusammenbringen. Die Organisation erwartet mehr als 350 Führungskräfte aus Feuerwehren und Katastrophenschutzbehörden aus Europa und der Welt. Die Veranstaltung orientiert sich am Interschutz–Leitthema „Safeguarding Tomorrow“ und verfolgt das Ziel, eine führende europäische strategische Plattform für diejenigen zu schaffen, die die Zukunft europäischer Feuerwehren und des Bevölkerungsschutzes gestalten.
Angesichts einer Verdichtung unterschiedlicher Belastungen – darunter hybride Bedrohungen, geopolitische Instabilität, digitale Verwundbarkeiten, extreme Klimaereignisse und steigende Erwartungen von Bürgern – war der Bedarf an klarem, zukunftsgerichtetem Führungshandeln noch nie so groß.
An den zwei Konferenztagen bringt die FEU hochrangige Vertreter der Europäischen Kommission, der NATO, nationaler Feuerwehr- und Bevölkerungsschutzbehörden sowie internationale Führungspersönlichkeiten aus den Feuerwehren der Vereinigten Staaten, Australiens, Singapurs und weiterer internationaler Länder zusammen, um zu beleuchten, wie sich europäische Feuerwehr- und Bevölkerungsschutzbehörden weiterentwickeln müssen, um in einer zunehmend disruptiven Welt handlungsfähig, widerstandsfähig und strategisch ausgerichtet zu bleiben.













