Lünendonk-Studie: Digitale Souveränität wird zur Top-Priorität
Um Risiken zu reduzieren und digitale Souveränität zu stärken, gewinnen vor allem souveräne Hyperscaler-Modelle mit einem lokalen EU-Betreiber, in Deutschland ansässige IT-Dienstleister für Managed Infrastructure und deutsche Cloud-Provider, an Bedeutung. Die Ergebnisse basieren auf der aktuellen Lünendonk-Studie „Digitale Souveränität: Vom Risiko zur Resilienz“, die Status quo und Prioritäten digitaler Souveränität bei Unternehmen in der DACH-Region aufzeigt.
Europäische Unternehmen sehen ihre Abhängigkeit von US-Cloud-Anbietern zunehmend als strategisches Risiko. 83 Prozent der Unternehmen halten es sogar für ein realistisches Szenario, dass ein Cloud-Provider den Zugang zu kritischen IT-Services einseitig einschränken oder abschalten könnte – ein sogenannter Kill Switch. Dennoch haben nur 57 Prozent der Unternehmen eine Exit-Strategie für den Wechsel des Cloud-Providers und fast die Hälfte hat somit keinen Plan B für den Ernstfall.
Digitale Souveränität ist für 36 Prozent der befragten Unternehmen bereits heute von sehr hoher Relevanz. 96 Prozent erwarten, dass ihre Bedeutung selbst bei einer Entspannung der geopolitischen Lage und einer Verbesserung der transatlantischen Beziehungen in den kommenden drei Jahren weiter steigt.
Zentrale Treiber für digitale Souveränität sind hohe Abhängigkeiten von einzelnen IT- und Cloud-Providern sowie die Notwendigkeit, die Resilienz – insbesondere in Krisensituationen – zu stärken, um sich vor Zugriffsblockaden oder einem „Kill Switch“ zu schützen und extraterritoriale Datenzugriffe zu verhindern.
Historisch gewachsene Systemlandschaften, begrenzte Transparenz über Datenbestände und ganzheitliche Prozessketten, komplexe Multi-Cloud-Strukturen und steigende regulatorische Anforderungen machen digitale Souveränität jedoch zu einem komplexen, strategischen Transformationsvorhaben. „Digitale Souveränität duldet keinen Aufschub! Reines Problembewusstsein genügt nicht. Unternehmen müssen jetzt den Mut aufbringen, Abhängigkeiten aktiv abzubauen, auch wenn dies unbequem und kostspielig ist“, sagt Tobias Ganowski, Senior Consultant bei Lünendonk & Hossenfelder und Studienautor.
Souveräne Hyperscaler-Modelle und deutsche Anbieter gewinnen an Bedeutung
Beim Thema Cloud besteht weiterhin eine hohe Abhängigkeit zu Hyperscalern, jedoch werden zunehmend souveräne Alternativen geprüft. 55 Prozent der befragten Unternehmen stufen souveräne Cloud-Angebote der Hyperscaler mit lokalem EU-Betreiber sowie in Deutschland ansässige IT-Dienstleister für Rechenzentren, Colocation und Managed Infrastructure als sehr relevant ein. Cloud-Provider aus Deutschland entwickeln sich zu Superscalern und folgen mit 48 Prozent. Hyperscaler mit souveränen Angeboten haben für 36 Prozent der Unternehmen eine sehr hohe Relevanz.
Multi-Cloud-Architekturen gewinnen daher an Bedeutung: 42 Prozent der Unternehmen haben bereits eine Multi-Cloud-Architektur, weitere 46 Prozent planen deren Aufbau – um Abhängigkeiten zu reduzieren und Back-up-Kapazitäten für kritische Geschäftsprozesse vorzuhalten.
„Anforderungen unterscheiden sich je nach Branche und Anwendungsfall. Klassische Hyperscaler-Angebote sollen nicht ersetzt, sondern gezielt um souveräne Alternativen ergänzt werden, um regulierte und souveränitätskritische Szenarien abzudecken. Die Zukunft der IT ist daher hybrid und differenziert“, erklärt Mario Zillmann, Senior Partner bei Lünendonk & Hossenfelder.
Europäische Cloud-Anbieter: Infrastruktur ja, Plattform-Services nein
Laut Studie sehen 93 Prozent der Unternehmen europäische Cloud-Anbieter auf Infrastrukturebene als durchaus konkurrenzfähig mit den Hyperscalern. Bei Plattform-, KI- und Ökosystemleistungen bestehen jedoch deutliche Defizite. Entsprechend halten aktuell nur 3 Prozent der befragten Unternehmen europäische Cloud-Anbieter für wettbewerbsfähig gegenüber den Hyperscalern. Auch der Blick nach vorn bleibt skeptisch: Für 2030 erwarten lediglich 2 Prozent einen funktionalen Gleichstand.












