01.04.2026 • Topstory

Blåkläder im Interview: Wie Eigenproduktion, Materialinnovationen und nachhaltige PSA den Markt verändern

Die Anforderungen an moderne Workwear und PSA steigen – ebenso wie der Druck auf Lieferketten, Materialinnovationen und nachhaltige Produktionsweisen. Blåkläder gehört zu den Unternehmen, die diese Entwicklungen seit Jahren aktiv mitgestalten. Im Gespräch gibt Jan Gundermann Einblicke in die Strategien, Entscheidungen und Trends, die seine Branche prägen: von Eigenproduktion und Zertifizierungsprozessen über neue Materialqualitäten bis hin zu internationalen Impulsen und der Rolle familiengeführter Strukturen. Ein Interview, das zeigt, wie vielschichtig der Weg zu funktionaler und verantwortungsvoller Arbeitskleidung heute ist.

Portrait Jan Gundermann, lächelnd mit kurzem, blondem Haar, dunkler Brille und blauem Anzug
Jan Gundermann, Managing Director Germany, Blåkläder Deutschland
© Blåkläder

GIT SICHERHEIT: Herr Gundermann, zur DNA von Blåkläder gehört es, möglichst viel der Wertschöpfung selbst zu kontrollieren – u. a. durch eigene Werke in Asien und kurze, transparente Lieferketten. Wieviel Prozent der Waren entstehen aus Eigenproduktion und welche Vorteile bietet das für Ihre Kunden?

Jan Gundermann: Rund 95 % unserer Produkte fertigen wir in eigenen Werken in Asien. Auch unser komplettes Schuhsortiment stammt aus eigener Produktion. Darauf sind wir besonders stolz, denn wir haben uns bewusst gegen Lohnfertigung entschieden. Wir wollen wissen, unter welchen Bedingungen produziert wird, welche Materialien eingesetzt werden und wie jeder einzelne Prozessschritt aussieht.
Für unsere Kunden zahlt sich das in mehrfacher Hinsicht aus. Zum einen sichern wir eine sehr hohe Warenverfügbarkeit, weil wir Kapazitäten langfristig planen und steuern können. Zum anderen gewährleisten wir eine gleichbleibend hohe Qualität. Wer bei uns bestellt, weiß, was er bekommt, völlig unabhängig von Saison oder Marktlage. In Zeiten fragiler Lieferketten ist diese Stabilität ein entscheidender Vorteil.

Ihre Produktionsstandorte sind u. a. Step by Oeko‑Tex zertifiziert; einzelne Werke wurden sogar nach LEED ausgezeichnet. Welche Voraussetzungen mussten für diese Zertifizierungen vorliegen?

Jan Gundermann: Die Zertifizierungen spiegeln sehr gut wider, wie wir Produktion verstehen. Bei LEED, also dem international anerkannten Standard für nachhaltige Gebäude, müssen grundlegende Standards erfüllt sein. Dazu gehört, dass sich ein Projekt an einem festen Standort befindet, klar definierte Projektgrenzen einhält und bestimmte Mindestanforderungen an Größe und Infrastruktur erfüllt. Darüber hinaus spielen Kriterien wie Energieeffizienz, Ressourcenschonung und nachhaltige Bauweise eine zentrale Rolle.
Die Step-by-Oeko-Tex-Zertifizierung geht noch stärker auf die Produktionsprozesse selbst ein. Sie bewertet unter anderem das Chemikalienmanagement, die Umweltleistung eines Standorts sowie soziale Verantwortung und Qualitätsmanagement. Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeitenden sind ebenfalls ein zentrales Kriterium.
Für uns sind solche Zertifizierungen wichtig, weil sie unsere eigenen Ansprüche an eine verantwortungsvolle Produktion objektiv überprüfbar machen. Sie stellen sicher, dass ökologische Standards, sichere Arbeitsbedingungen und transparente Prozesse in unseren Produktionsstätten dauerhaft eingehalten werden.

Auf der A+A 2025 hat Blåkläder u. a. die Weiterentwicklung seiner Multinorm-Orange-Gewebe vorgestellt. Woher kam der Impuls für diese Weiterentwicklung und welche konkreten Vorteile bietet das neue Gewebe mit Blick auf die Nachhaltigkeit?

Jan Gundermann: Der Impuls kam aus dem Markt. Unsere Händler und Endkunden haben eine steigende Nachfrage nach leistungsfähigeren, gleichzeitig komfortablen Multinorm-Lösungen signalisiert. Solche Rückmeldungen geben den Impuls zur Produktentwicklung.
Mit der neuen Qualität 1524 ist uns ein deutlicher Schritt nach vorn gelungen. Das Material zeigt in Trageversuchen kein Fäden ziehen und bleibt dadurch länger optisch und funktional intakt. Der erhöhte Polyesteranteil ist mit einer Flammschutzfunktion kombiniert. Gleichzeitig ist das Gewebe für Industriewäsche nach EN 15797 zugelassen und erfüllt die E2-Anforderungen im Bereich geschmolzenes Eisen und Stahl. Mit einem Gewicht von 315 Gramm pro Quadratmeter verbindet es Robustheit mit hohem Tragekomfort. Genau diese Balance entscheidet darüber, ob Schutzkleidung im Alltag akzeptiert und gerne getragen wird.

Blåkläder ist seit 1959 familiengeführt. Wie prägt diese Eigentümerstruktur Ihre Langfrist‑Entscheidungen – etwa bei Lagerhaltung/Bevorratung, Investitionen in Werke oder bei „Nein“-Entscheidungen zugunsten von Langlebigkeit statt kurzfristigem Umsatz?

Jan Gundermann: Als familiengeführtes Unternehmen denken wir nicht in Quartalszahlen, sondern in Generationen. Diese Perspektive prägt unsere Entscheidungen. Wir investieren in unsere Werke, in Lagerkapazitäten und in die Weiterentwicklung unserer Produkte, ohne dabei kurzfristigen Renditeerwartungen zu folgen.
Das Eigentümerverständnis ist stark im operativen Geschäft verankert. Man kennt die Anforderungen der Händler ebenso wie die Bedürfnisse der Anwender. Investitionen sind deshalb immer auf das Kerngeschäft ausgerichtet und langfristig angelegt. Stabilität und Verlässlichkeit sind für uns keine Schlagworte, sondern Grundlage unseres Handelns.

Viele der Marktteilnehmer im Workwear- und PSA-Bereich treiben die Markenbildung auf dem deutschen und europäischen Markt stark voran. Wie positioniert sich Blåkläder in diesem Wettbewerb? 

Jan Gundermann: Unsere Positionierung ergibt sich aus unsrem Werteverständnis. Qualität und Langlebigkeit stehen an erster Stelle. Unsere Produkte sind für anspruchsvolle Arbeitsumfelder konzipiert und müssen dort dauerhaft bestehen.
Gleichzeitig legen wir großen Wert auf Funktionalität. Ergonomische Schnitte, Stretch-Materialien oder verstärkte Nähte sind elementarer Bestandteil unserer Entwicklung. Nachhaltigkeit verstehen wir als logische Konsequenz aus Qualität und Verantwortung. Design dient nicht als Selbstzweck: Es geht uns um attraktive Lösungen, die Individualität ermöglichen. Jede unserer Kollektionen bietet eine Vielzahl an Farbkombinationen, sodass Unternehmen und Träger genau die Lösung finden, die funktional überzeugt und zugleich zur eigenen Identität passt.
Wir richten uns an professionelle Anwender mit hohen Anforderungen – im Handwerk ebenso wie in Bau, Industrie, Automotive, Service oder Logistik. Auch der Bereich Women’s Workwear gewinnt zunehmend an Bedeutung, weil sich die Arbeitswelt spürbar verändert.

In Skandinavien ist Blåkläder im Bereich PSA in einer marktführenden Position. Internationalisierung ist daher ein wichtiger Baustein, um als Unternehmen weiter zu wachsen. Welche Märkte sind hierbei besonders von Interesse und welche Vorteile bietet die Internationalisierung z. B. den Kunden in Deutschland?

Jan Gundermann: Wir sind in 27 Ländern auf drei Kontinenten aktiv und beobachten die internationalen Märkte sehr genau. Aktuell richten wir ein besonderes Augenmerk auf den SOD-Markt, also die Region „South of Denmark“, sowie auf Nordamerika mit Kanada und den USA. Gleichzeitig verlieren wir unsere etablierten Heimatmärkte nicht aus dem Blick.
Die internationale Präsenz bringt wertvolle Impulse. Erfahrungen aus unterschiedlichen Branchen und Regionen fließen in unsere Produktentwicklung und unsere Prozesse ein. Dieses gebündelte Know-how kommt letztlich allen Kunden zugute, auch denen in Deutschland. Internationalisierung bedeutet für uns nicht nur Wachstum, sondern auch kontinuierliches Lernen.

Ebenfalls auf der A+A 2025 hat Blåkläder mit dem ToolRig eine Taschenlösung vorgestellt, die in den skandinavischen Ländern seit vielen Jahrzehnten zum Alltag des Handwerks gehören, in Deutschland bisher aber kaum Einzug gehalten haben. Was ist das Kundennutzen‑Versprechen und wie sieht der Roll‑out in Deutschland aus?

Jan Gundermann: In Deutschland startet der Rollout Ende des ersten Quartals, unter anderem mit einer Präsentation auf der Holz-Handwerk-Messe. Die Warenverfügbarkeit ist für Mai vorgesehen.
Das System ermöglicht eine flexible Positionierung der Taschen rund um den Körper und schafft so mehr Ergonomie und Effizienz bei der täglichen Arbeit. Gleichzeitig lassen sich die Module auch außerhalb der Kleidung einsetzen, etwa im Fahrzeug oder an der Werkbank. ToolRig versteht sich als durchdachte Systemlösung, die Arbeitsabläufe erleichtert und körperliche Belastungen reduziert.

Wohin entwickelt sich der Workwear‑/PSA‑Markt in Deutschland & Europa aus Ihrer Sicht? Und welches Positionierungs‑Statement geben Sie Blåkläder für die nächsten drei Jahre mit?

Jan Gundermann: Der Markt ist derzeit anspruchsvoll und stark umkämpft. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an Qualität, Nachhaltigkeit und Lieferfähigkeit deutlich. Unternehmen suchen verlässliche Partner, die nicht nur Produkte liefern, sondern langfristige Lösungen anbieten.
Unser Ziel ist es, weiter zu wachsen und unsere Rolle als einer der international führenden Anbieter im Bereich Workwear und PSA konsequent auszubauen. Dabei bleiben wir unserem Grundverständnis treu: kompromisslose Qualität, kontrollierte Wertschöpfung und eine klare Verantwortung gegenüber Kunden, Mitarbeitenden und Umwelt.

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