12.02.2026 • Topstory

Wie digitale Fußvermessung und DGUV-konforme Einlagen Ausfallzeiten reduzieren – und Sicherheit im Betrieb stärken

Fußfehlstellungen und lange Belastungszeiten zählen zu den häufigsten Auslösern für Schmerzen und Muskel Skelett Erkrankungen in Unternehmen – mit deutlichen Folgen für Ausfalltage und Produktivität. Digitale 3D Fußvermessung und DGUV konforme orthopädische Einlagen können den Zugang zu wirksamer Prävention erleichtern und Betriebe bei Gesundheit und Arbeitssicherheit spürbar entlasten. Im Interview mit GIT SICHERHEIT GetSteps Co Gründer Vincent Hoursch, warum Fußgesundheit ein zentraler Hebel für Unternehmen ist und wie GetSteps den Versorgungsprozess neu definiert.

Person trägt einen schwarzen Hoodie mit dem GetSteps Logo in einem hellen Flur
Um sicherzustellen, dass die Schutzwirkung eines Sicherheitsschuhs auch nach der orthopädischen Anpassung erhalten bleibt, schreibt die DGUV Regel 112-191 ein Baumusterprüfung von orthopädischer Einlage und Sicherheitsschuh als Einheit vor
© GetSteps GmbH
Person trägt einen schwarzen Hoodie mit dem GetSteps Logo in einem hellen Flur
Vincent Hoursch, Co-Grümder und Geschäftsführer von GetSteps
© GetSteps GmbH

GIT SICHERHEIT: Herr Hoursch, was waren die Beweggründe von Annik Wolf und Ihnen GetSteps 2019 zu gründen? Und wie würden Sie die Mission von GetSteps umschreiben?

Vincent Hoursch: Als langjährige, überzeugte Einlagenträger waren wir selbst frustriert vom klassischen Beschaffungsprozess: Zunächst ein Arzttermin, dann die Abdrucknahme und schließlich die Abholung der Einlagen - drei Vor-Ort-Termine, die sich oft nur schwer mit regulären Arbeitszeiten vereinbaren lassen. Wir haben uns damals gefragt: Geht das nicht auch deutlich einfacher? So entstand 2019 GetSteps. Wir sind zunächst mit einem Online-Angebot für Privatkundinnen und -kunden gestartet, später kamen unsere Aktionstage „Happy Feet Days“ hinzu – Vor-Ort-3D-Fußvermessungen für den Mittelstand und die Großindustrie mit Fokus auf die DGUV-konforme Versorgung von Sicherheitsschuhen. Unsere Mission ist dabei unverändert: Wir wollen den Zugang zu hochwertigen, orthopädischen Schuheinlagen vereinfachen und Menschen mit jedem Schritt ein schmerzfreieres und glücklicheres Leben ermöglichen. GetSteps verstehen wir dabei weniger als Produkt-, sondern vor allem als Prozessinnovation.

Warum ist das Thema „Fußgesundheit“ gerade für Unternehmen von zentraler Bedeutung?

Vincent Hoursch: In Deutschland tragen rund 12 Millionen Menschen – etwa 20 Prozent der Bevölkerung – orthopädische Schuheinlagen. Sie gehören damit zu den am häufigsten verordneten Hilfsmitteln gegen Fuß-, Knie- und Rückenschmerzen. Muskel- und Skeletterkrankungen sind gleichzeitig für jeden fünften Fehltag verantwortlich. Besonders relevant ist das Thema dort, wo Mitarbeitende täglich lange stehen oder gehen müssen – wie etwa in der Produktion oder Logistik, Denn hier ist die Belastung besonders hoch. Unsere Füße sind die Basis unseres Körpers: Eine Fehlstellung wirkt sich über den gesamten Bewegungsapparat aus. Wenn Mitarbeitende nicht ausreichend unterstützt werden, zeigt sich das nicht nur in Schmerzen, sondern auch in steigenden Ausfallzeiten und sinkender Leistungsfähigkeit. Fußgesundheit ist daher ein zentraler Hebel für Arbeitsschutz, Gesundheit und Produktivität im Unternehmen.

Lässt sich sagen, dass Unternehmen hier im Zweifel am falschen Ende sparen? 

Vincent Hoursch: Die Rechnung ist ganz einfach: Wenn wir nur einen halben Arbeitsunfähigkeitstag pro Einlagenträger reduziert bekommen, rentiert sich die Investition bereits wirtschaftlich für das Unternehmen. In Deutschland liegt der Wertschöpfungstagessatz pro Mitarbeiter in Industrieunternehmen zwischen 300 und 600 € - je nach Branche. Unsere Einlagen inklusive Vermessung und Beratung kosten 159 €. Einer unserer Ansprechpartner hat einmal zu mir gesagt: „Mitarbeitergesundheit kennt keine Sparprogramme.“ Da ist viel dran. Gezielte Investitionen in präventive Gesundheits- und Arbeitsschutzmaßnahmen sind gerade auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten unverzichtbar.

Die Kostenübernahme für orthopädische Einlagen erfolgt im Privaten in der Regel durch die Krankenkassen. Gibt es entsprechende Möglichkeiten zur Kostenübernahme auch im betrieblichen Umfeld und wie gestaltet sich diese? 

Vincent Hoursch: Im Bereich der Sicherheitsschuhe übernehmen die Krankenkassen keine Kosten für orthopädische Schuheinlagen. Grundsätzlich können die Kosten über Sozialversicherungsträger wie die Deutsche Rentenversicherung oder die Agentur für Arbeit beantragt werden. Für Unternehmen ist dies vermeintlich „kostenlos“, in der Praxis stoßen Mitarbeitende jedoch oft an Grenzen: Die Antragstellung ist komplex und die Bearbeitungszeiten liegen je nach Bundesland zwischen zwei und sechs Monaten. Problematisch wird es bei akuten Beschwerden – wie z. B. einem Fersensporn. Denn bis zur Genehmigung darf der Orthopädieschuhmacher die Einlagen nicht fertigen.

Die Kostenübernahme durch die Sozialversicherungsträger ist ein echtes Privileg in Deutschland, in der Praxis jedoch oft keine praktikable Lösung. Viele Anträge werden abgebrochen, und es gibt eine hohe Dunkelziffer nicht-zertifizierter Einlagen. Deshalb arbeiten wir ausschließlich mit Unternehmen zusammen, die den Mehrwert einer modernen Einlagenversorgung erkennen und bereit sind, in die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden zu investieren.

Person stellt den Fuß in ein Gerät zur digitalen 3D Fußvermessung
Nach dem 3D-Scan erhalten Mitarbeitende eines Unternehmens von GetSteps eine detaillierte Fußanalyse und bei Bedarf eine Empfehlung für Einlagen
© GetSteps GmbH

Angenommen, ein Unternehmen hat sich für eine Zusammenarbeit mit GetSteps entschieden: Wie genau gestalte sich dann die weitere Vorgehensweise?

Vincent Hoursch: Gemeinsam mit dem Unternehmen entwickeln wir eine individuelle Versorgungsstrategie. Unsere Empfehlung ist eine regelmäßige „Fußsprechstunde“ zu etablieren – je nach Anzahl der Sicherheitsschuhträgern monatlich, quartalsweise oder halbjährlich. Alternativ nehmen wir auch häufig an Gesundheitstagen teil.

Einer unserer Orthopädieschuhmacher kommt mit einem 3D-Scanner vor Ort ins Unternehmen und vermisst die Füße der Mitarbeitenden. Auf Basis des 3D-Scans prüfen wir herstellerübergreifend, ob der Sicherheitsschuh zum Fuß passt – neben der Schuhgröße achten wir insbesondere auf die richtige Schuhweite. Viele Beschäftigte tragen zu große Schuhe, obwohl ein Modell in Sonderweite ausreichen würde. Das erhöht insbesondere das Risiko von Stolperunfällen.

Im persönlichen Anamnesegespräch ermitteln wir den individuellen Bedarf. Falls erforderlich, empfehlen wir eine orthopädische Schuheinlage. Wichtig ist uns dabei, dass alle Mitarbeitenden Zugang zu unserem Service erhalten – nicht nur jene mit akuten Beschwerden. Nur so können wir auch präventiv tätig werden. Abschließend erhält das Unternehmen ein transparentes Angebot auf Basis der empfohlenen Anzahl orthopädischer Einlagen.

Was sind die häufigsten Fußfehlstellungen und wodurch werden diese in erster Linie verursacht?

Vincent Hoursch: Zu den häufigsten Fußfehlstellungen zählen der Senk-, Spreiz- und Knickfuß sowie deren Kombinationen. Diese Fehlstellungen entwickeln sich meist schleichend und haben unterschiedliche Ursachen.

Eine zentrale Rolle spielen ungeeignete oder schlecht passende Schuhe, eine unzureichende Unterstützung des Fußgewölbes sowie langes Stehen oder Gehen auf harten Böden. Auch Übergewicht, Bewegungsmangel, einseitige Belastungen im Berufsalltag und genetische Veranlagungen begünstigen die Entstehung von Fehlstellungen. Werden diese nicht frühzeitig erkannt und ausgeglichen, können sich die Beschwerden auf Knie, Hüfte und Rücken ausweiten. Auch Erkrankungen wie der Fersensporn treten in diesem Zusammenhang sehr häufig auf.

Unsere Füße sind ursprünglich dafür ausgelegt, auf natürlichen, unebenen Untergründen zu gehen – Bedingungen, die im modernen Alltag kaum noch vorkommen. Orthopädische Einlagen unterstützen und entlasten den Fuß im Alltag. Um die Fußmuskulatur langfristig wieder zu stärken, empfehlen wir ergänzend regelmäßige Fußgymnastik, die jedoch ein hohes Maß an Disziplin erfordert.

Wie oft sollten orthopädische Schuheinlagen erneuert werden?

Vincent Hoursch: Orthopädische Einlagen sind Verschleißprodukte und sollten regelmäßig ausgetauscht werden - nicht nur aus medizinischen, sondern auch aus hygienischen Gründen. Die Lebensdauer hängt stark vom Einsatzbereich und der Belastung am Arbeitsplatz ab. Bei normalem Gebrauch empfiehlt sich ein Austausch etwa alle 12 Monate oder nach rund 800 km Laufleistung, da die medizinische Wirkung ansonsten nicht mehr vollständig gewährleistet ist. Diese Empfehlung entspricht auch den Richtlinien der gesetzlichen Krankenkassen.

Lassen sich die gleichen orthopädischen Einlagen, die beispielsweise für einen Schuh von Atlas gefertigt wurden, auch in den Sicherheitsschuh eines anderen Herstellers einlegen?

Vincent Hoursch: Nein. Orthopädische Einlagen gelten im Bereich der persönlichen Schutzausrüstung als Modifizierung des Sicherheitsschuhs. Die DGUV Regel 112-191 schreibt vor, dass Sicherheitsschuh und orthopädische Einlagen als Einheit baumustergeprüft sein müssen. Nur so ist sichergestellt, dass die Schutzwirkung des Schuhs auch nach der orthopädischen Anpassung erhalten bleibt.

Im Rahmen dieser Prüfung werden unter anderem die Resthöhe unter der Zehenkappe nach einer Stoßeinwirkung sowie die elektrische Leitfähigkeit (ESD) überprüft. Ob orthopädische Einlagen in einem Sicherheitsschuh verwendet werden dürfen und wie diese gefertigt sein müssen, legt der jeweilige Sicherheitsschuhhersteller fest.

Der Orthopädieschuhmacher stellt für jede Einlage eine schuhmarken- und modellspezifische EU-Konformitätserklärung aus. Daher kann eine Einlage nicht einfach in einen Sicherheitsschuh eines anderen Herstellers eingelegt werden. Wird dies dennoch getan, verliert der Sicherheitsschuh seine Zertifizierung.

3D Drucker fertigt eine dunkelgraue Schuheinlage
A+A 2025: A+A 2025: Auf dem Stand von Atlas stellte GetSteps seine Fähigkeiten im Bereich 3D-Druck vor. Ab Sommer 2026 ist der Start der Serienfertigung 3D-gedruckter Einlagen geplant
© GetSteps GmbH

Zum Abschluss noch einen Ausblick in die Zukunft. Welche Neuerungen plant GetSteps in 2026 und was sind die Ziele für die nahe Zukunft?

Vincent Hoursch: Ganz oben auf unserer Agenda steht das Thema 3D-Druck. Auf der A+A im November 2025 haben wir bereits erste Prototypen vorgestellt und unsere technologischen Fähigkeiten gezeigt. Aktuell führen wir einige Pilotprojekte durch und planen, das Angebot spätestens ab dem kommenden Sommer für alle Unternehmenskunden verfügbar zu machen.

3D-Druck ist für uns vor allem deshalb interessant, weil wir damit noch individueller auf die Bedürfnisse unserer Kunden und Kundinnen eingehen können. Gleichzeitig bietet die Technologie große Vorteile in puncto Nachhaltigkeit: Die Fertigung ist besonders effizient und die verwendeten Materialien sind zu 100 Prozent recyclebar. Darüber hinaus werden wir 2026 eine neue 3D-Fußvermessung Software auf den Markt bringen. Diese ermöglicht es auch unseren Handelspartnern, Happy Feet Days direkt vor Ort durchzuführen und so eine noch flächendeckendere Versorgung sicherzustellen.

Business Partner

Atlas Schuhfabrik

Frische Luft 159
44319 Dortmund
Deutschland

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