AWS European Sovereign Cloud startet: BSI unterstützt bei Ausgestaltung
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) unterstützt den US-Cloud-Anbieter Amazon Web Services (AWS) bei der Ausgestaltung von Sicherheits- und Souveränitätsmerkmalen seiner gestarteten European Sovereign Cloud (ESC): einer eigenständigen Cloud-Infrastruktur, die sich vollständig innerhalb der EU befindet und deren Betrieb physisch wie auch logisch von der globalen AWS-Instanz unabhängig sein wird.
Um mit digitalen Innovationen Schritt zu halten und gleichzeitig digitale Souveränität zu ermöglichen, verfolge das BSI eine Doppelstrategie. Erstens: Der europäische Markt und die hiesige Digitalindustrie müssten gestärkt werden. Zweitens: Außereuropäische globale Produkte müssten so angepasst und eingebettet werden, dass eine sichere und selbstbestimmte Nutzung möglich wird. Voraussetzung dafür seien im Bereich Cloud-Computing innovative Angebote, die als europäische Instanzen sowohl technisch als auch organisatorisch unabhängig betrieben werden, so BSI-Präsidentin Claudia Plattner.
„Die Zukunft der Hyperscaler in Europa sind daher Angebote wie die AWS European Sovereign Cloud. Als Cybersicherheitsbehörde Deutschlands freuen wir uns, dass wir zu deren Konzeption beitragen können. Wir werden die Umsetzung der Sicherheits- und Souveränitätsmerkmale eng begleiten“, so BSI-Präsidentin Claudia Plattner.
Europa brauche Zugang zu führender Cloud- und KI-Technologie. „Die Erweiterung der AWS Innovationen in Europa wird dabei helfen, das Wachstum unserer Kunden und ihre KI-Ambitionen voranzutreiben. Kunden wollen das Beste aus beiden Welten – sie möchten die komplette Palette der fortschrittlichen Cloud- und KI-Services von AWS nutzen können und gleichzeitig sicherstellen, dass sie strengste Souveränitätsanforderungen erfüllen können. Indem wir eine Cloud aufbauen, die in ihrer Technologie, ihrem Betrieb und ihrer Kontrolle vollständig europäisch ist, ermöglichen wir Organisationen, mit Zuversicht zu innovieren und dabei die vollständige Kontrolle über ihre digitalen Ressourcen zu behalten“, so Stéphane Israël, Managing Director AWS European Sovereign Cloud and Digital Sovereignty.
Um Souveränität faktisch zu gewährleisten, sollte die AWS European Sovereign Cloud aus Sicht des BSI technische und strukturelle Souveränitätsmerkmale kombinieren: Zu den wichtigsten Aspekten gehört dabei neben der technischen Unabhängigkeit von der globalen Partition ein technisch und organisatorisch eigenständiges Personal der europäischen Cloud-Infrastruktur, das den Regelbetrieb (einschließlich der kontinuierlichen Schließung von Sicherheitslücken) sicherstellt und ausschließlich aus EU-Bürgern zusammengesetzt ist.
Darüber hinaus ist es aus Sicht des BSI unabdingbar, durch technische Kontrollschichten zum einen zu verhindern, dass Nutzerdaten aus dem EU-Raum abfließen können, und zum anderen auszuschließen, dass eine externe Steuerung oder auch Abschaltung (sog. Kill-Switch) der Instanz vorgenommen werden kann. Dies betrifft auch Updates, die in die ESC eingespielt werden.
Im nächsten Schritt wird das BSI den Status der Entkopplungsfähigkeit und die Umsetzung u. a. der genannten Souveränitätsmaßnahmen prüfen und bewerten sowie zur weiteren Optimierung der Souveränitätsmerkmale der AWS ESC beitragen.
Im Laufe des Jahres wird das BSI auf Basis des EU Cloud Sovereignty Framework allgemeine Souveränitätskriterien für Cloud-Computing-Lösungen veröffentlichen. Diese Kriterien sollen als Grundlage für die Bewertung des Autonomiegrades von Cloud-Lösungen dienen und u. a. auch in Beschaffungsprozessen eingesetzt werden können.












