01.06.2026 • Topstory

USA-Reisen: Neue ESTA-Regeln, Grenzkontrollen & Datensicherheit. Jetzt Tipps für sichere Geschäftsreisen lesen!

Die USA gehören zu den wichtigsten Zielen für Geschäftsreisen deutscher Unternehmen. Doch die Rahmenbedingungen für Einreise und Aufenthalt verschärfen sich. International SOS, seit 2026 Mitglied beim BVSW, weiß, worauf sich Reisende einstellen müssen und wie die Vorbereitung gelingt. Ein Beitrag von Wolfgang Hofmann, Regional Security Manager Germany & Austria bei International SOS.

Die gute Nachricht vorweg: Die Sicherheitslage in den USA hat sich im Vergleich zur Zeit vor Donald Trumps zweiter Präsidentschaft nicht wesentlich verändert und das Land gilt nach wie vor als sicheres Reiseziel. Zwar gab es zuletzt immer wieder Proteste, doch deren Ausmaß entspricht vergleichbaren Ereignissen in der Vergangenheit, etwa den Unruhen im Zusammenhang mit dem Tod von George Flyod im Jahr 2020.

ESTA-Verfahren: Digitale Vergangenheit im Fokus

Mann mit kurzen Haaren, grauem Anzug und gestreifter Krawatte
Wolfgang Hofmann, Regional Security Manager Germany & Austria bei International SOS
© Mario-Andreya / BVSW

Was sich allerdings zukünftig verändern wird, sind die Einreisebedingungen in die USA. Grundsätzlich haben Reisende dafür zwei Möglichkeiten: Entweder nutzen sie das ESTA-Verfahren (Electronic System for Travel Authorization) oder sie beantragen ein B1/B2-Visum.

Die verpflichtenden Angaben beim ESTA-Verfahren sollen künftig auch Social-Media-Profile, Telefonnummern und E-Mail-Adressen umfassen, teilweise rückwirkend bis zu zehn Jahre. Das Ziel dabei ist, die digitale Vergangenheit der Einreisenden zu durchleuchten. In Kombination mit einer KI-gestützten Auswertung lässt sich aus diesen Angaben ein umfassendes Profil des Reisenden ableiten. Bereits heute enthält der ESTA-Antrag eine Abfrage der Social-Media Accounts, allerdings auf freiwilliger Basis. Ob diese Verschärfungen vor oder nach der Fußballweltmeisterschaft 2026 eingeführt werden, ist derzeit noch nicht entschieden. Wer für das Turnier in die USA reisen möchte und bereits einen FIFA-Pass besitzt, soll jedoch einen bevorzugten Termin für das Visum-Interview erhalten.

Umfassende Überprüfungen bei der Einreise

Das Visum-Interview oder der ESTA-Antrag sind allerdings keine Garantie für die Einreise. Die endgültige Entscheidung trifft immer der US-Grenzbeamte. Schon jetzt gibt es sehr intensive Sicherheitsüberprüfungen an der Grenze. Diese begründen sich auf eine sogenannte „Presidential Action“, die bereits am 20. Januar 2025 veröffentlicht wurde. Darin werden die US-Grenzbeamten aufgefordert, alle Ausländer so umfassend wie möglich zu überprüfen und zu kontrollieren – insbesondere diejenigen, die aus Ländern oder Regionen stammen, in denen Sicherheitsrisiken festgestellt wurden.

Zwar zählen Länder, die am ESTA-Verfahren teilnehmen, nicht zu den Ländern mit besonderen Risiken. Aber die Verordnung hatte bereits Auswirkungen auf die Art und Weise, wie die Überprüfungen durchgeführt werden. Wichtig ist es vor allem, die Fragen im ESTA-Verfahren ehrlich zu beantworten, denn Unstimmigkeiten führen immer zu Rückfragen. Auch die Frage nach den zuvor bereisten Ländern spielt eine wichtige Rolle: Es gibt mehrere Länder, nach deren Besuch eine Einreise per ESTA-Verfahren ausgeschlossen ist. Zu diesen Ländern zählt seit dem 21. Januar 2021 auch Kuba, das allgemein ein beliebtes Reiseziel ist.

Gerätesicherheit und Datenschutz

US-Behörden sind berechtigt, elektronische Geräte bei der Einreise zu kontrollieren. Dies kann kooperativ erfolgen, indem der Reisende aufgefordert wird, das Gerät freizugeben, oder im Rahmen einer forensischen Untersuchung. Auch hier richtet sich das Augenmerk besonders auf die Social-Media-Akivitäten. Die Kontrollen finden stichprobenartig statt.

Unternehmen sollten systematisch prüfen, ob schützenswerte Informationen auf den Reisegeräten gespeichert sind, und überlegen, wie sie damit umgehen wollen. Die Daten zu verschlüsseln, könnte weitere Nachfragen zur Folge haben. Auch wird davon abgeraten, Datenträger nach „James-Bond-Manier" zu verstecken, etwa an vermeintlich sicheren Plätzen im Gepäck.

Die Auslagerung der Daten in eine Cloud-Umgebung ist eine praxistaugliche Alternative. Der Zugriff auf die Daten sollte ausschließlich über den Browser erfolgen und nicht über vorinstallierte Apps. Trotzdem ist zu berücksichtigen, dass das Risiko eines Datenabflusses damit allenfalls verlagert wird, denn schließlich erfolgt der Zugriff über einen amerikanischen Provider.

Teure Gesundheitsversorgung

Ein Aspekt, der bei USA-Reisen häufig unterschätzt wird, ist die Gesundheitsversorgung. Die ist in den Vereinigten Staaten zwar grundsätzlich leistungsfähig, kann aber schnell zu erheblichen Kosten führen. Spezialisierte Dienstleister können dabei helfen, eine angemessene Versorgung zu vertretbaren Kosten sicherzustellen. Größere Unternehmen sind in diesem Bereich in der Regel gut aufgestellt, während sich bei kleinen und mittelständischen Unternehmen immer wieder Lücken zeigen.

Darüber hinaus sollten alle USA-Reisenden ihren Impfstatus überprüfen. Der Masernausbruch des vergangenen Jahres, einer der größten seit drei Jahrzehnten in den USA, verdeutlicht, dass sich vermeintlich besiegte Krankheiten auch in Industrieländern schnell wieder ausbreiten können.  

Die USA - ein Land der (Wetter-)Extreme

Die geografischen und klimatischen Extreme des Landes – von Metropolen bis zur Wildnis, von Hitze bis zu Tornados und Hurrikanen – stellen zusätzliche Anforderungen an die Reisevorbereitung und das Krisenmanagement. Tatsächlich fällt die Fußballweltmeisterschaft 2026 in die Hurrikan-Saison. Solche extremen Wetterlagen kommen aber nie überraschend, ein Hurrikan beispielsweise baut sich über längere Zeit auf. Es ist daher empfehlenswert, regelmäßig einen Blick auf die Wettervorhersage zu werfen. 

Empfehlungen zur Reisevorbereitung

  • Reisende briefen: ESTA-Angaben gewissenhaft ausfüllen, insbesondere besuchte Drittländer.
  • Digitale Geräte: Festlegen, welche Daten auf den Geräten gespeichert werden dürfen. Sensible Informationen auslagern oder auf sicheren Remote-Zugang umstellen.
  • Verhalten trainieren: Mitarbeitende schulen, wie sie sich an der Grenzkontrolle zu verhalten haben – ruhig, kooperativ, höflich.
  • Dokumente: Neben den Reisepass auch Rückflugticket und Hotelbuchung bei der Einreise parat halten, gegebenenfalls auch ein Einladungsschreiben des Unternehmens.
  • Gesundheitsvorsorge strukturieren: Impfstatus prüfen, Versicherungsschutz für USA sicherstellen, bei Bedarf spezialisierte Assistance-Dienstleister einbinden.
  • Lagebeobachtung institutionalisieren: Wetterextreme, Protestgeschehen und regulatorische Änderungen kontinuierlich beobachten und in Reisegenehmigungsprozesse integrieren.

Auslandssicherheit – exklusiv für BVSW-Mitglieder

Der BVSW veranstaltet am 11. Juni 2026 auch einen Peer-Austausch generell zum Thema Auslandssicherheit. Auf der Agenda stehen Prävention, Krisenmanagement und Best Practices für internationale Geschäftsreisen und Auslandseinsätze. Veranstaltungsort ist das Lufthansa Aviation Training Center am Flughafen München.

Die Teilnahme ist für BVSW-Mitglieder kostenfrei und exklusiv.

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