FVSB: Zuversichtlicher Blick nach vorn
50 Mitgliedsvertreter haben an der jährlichen Mitgliederversammlung im Verbandshaus des Fachverbandes Schloss- und Beschlagindustrie (FVSB) teilgenommen. Das vielfältige Programm stieß auf reges Interesse.

Auch wenn die Gesamtlage schon mal besser war, begrüßte Karl Kristian Woelm, der Vorstandsvorsitzende des Fachverbandes Schloss- und Beschlagindustrie, die Mitglieder mit Optimismus: „Die Zahl der Baugenehmigungen steigt, wenn auch auf einem niedrigen Niveau, der Öffentliche Bau wächst, besonders hochwertige Bauten wie beispielsweise Schulen stehen an und vermutlich werden einige Unternehmen von der Wehrertüchtigung im Land profitieren.“ Leider bliebe aber weiterhin der Wohnbau deutlich hinter den Bedarfsmengen zurück.
Sehr kritisch sieht er den Reformstau in unserem Land und die weiter zunehmende Bürokratisierung der Wirtschaft auf allen Ebenen, aber genau da setze die Verbandsarbeit an und unterstützt die Mitgliedsunternehmen maximal. „Hier im Fachverband wird sondiert, Informationen aufbereitet und bei kniffligen Themen externe Expertise eingeholt – das ist eine große Hilfe bei unserer täglichen Arbeit“, lobte Karl Kristian Woelm.
Dazu passte der erste Vortrag des Tages. Monika Menz, Rechtsanwältin der Kanzlei Nusser Franssen, referierte über den Cyber-Resilience-Act (CRA), der alle Produkte mit digitalen Elementen wie Datenschnittstellen betrifft. Der CRA verfolgt vor allem das Ziel, vernetzte Hard- und Software in der EU sicherer zu machen und Cybersicherheit bereits bei Entwicklung, Inverkehrbringen und Nutzung mitzudenken.
Für Hersteller bedeutet das vor allem: sichere Produktgestaltung, Risikobewertung, technische Dokumentation, Schwachstellenmanagement und Meldung relevanter Sicherheitsvorfälle. Dazu kommen Pflichten für Schwachstellenmanagement, Sicherheitsupdates über die vorgesehene Nutzungsdauer und Meldepflichten bei aktiv ausgenutzten Schwachstellen oder schwerwiegenden Vorfällen. Je nach Produkt ist außerdem ein Konformitätsbewertungsverfahren erforderlich, häufig mit EU-Konformitätserklärung und CE-Kennzeichnung.
Bereits seit Dezember 2024 ist die CRA in Kraft, am 11. September 2026 erfolgt die Meldepflicht. Ab dem 11. Dezember 2027 gilt die Verordnung für alle Hersteller. Zahlreiche Fragen aus der Teilnehmerrunde spiegelten den Informationsbedarf und das große Interesse am Thema wider.
Entspannter, aber nicht minder interessiert wurde das Referat von Max Reichert vom Verband der Messewirtschaft (AUMA) zum Thema „Messen im Zeitalter von KI: An der Schwelle zwischen Experiment und Integration“ verfolgt. Demnach spielt KI auf Messen zunehmend eine Rolle, aber die Implementierung stellt viele Aussteller noch vor Herausforderungen. Die letztjährige AUMA-Studie zum Thema ergab, dass mehr als 40 Prozent der Aussteller eine KI-Strategie planen, aber nur 8 Prozent bereits eine Strategie besitzen und umsetzen. KI wird bisher am häufigsten zur Unterstützung bei Texten, für Chatbots, zur Datenanalyse, für Besucherinteraktion, aber auch zur Automatisierung von Aufgaben und Marketingaktionen eingesetzt.
Messebesucher wünschen sich durch den KI-Einsatz überwiegend schnellere Informationsbereitstellung, Interaktion & Netzwerken, Planung des Messebesuches und innovative Erlebnisse. Diese Bedarfe sollten bei der Strategieplanung mit einbezogen werden, empfiehlt der Messeexperte.
Saubere Daten
An den AUMA-Vortrag schloss sich die Erläuterung von Julia Goerke von Sphera zum Thema LCA-Tool an. Der Fachverband wird seinen Mitgliedern bald das Werkzeug zur Vorbereitung von EPD kostengünstig zur Verfügung stellen können. Da der Verband die Anschaffungskosten übernimmt, bleibt den nutzenden Mitgliedern nur noch die Gebühren als Zahlungspflicht. Günstiger können Unternehmen ihren produktbezogenen CO2-Fußabdruck kaum ermitteln, und auch noch bei Bedarf eine EPD in kürzester Zeit aufsatteln.
Ergänzt wurden die Vorträge durch den Bericht von Hans Weissenböck, Generalsekretärs der ARGE, dem europäischen Schloss- und Beschlagverband. Die 13 Mitgliedsverbände mit einem Jahresumsatz von mehr als 10 Milliarden Euro haben ebenfalls mit Regularien zu kämpfen. Zu den wichtigsten Themen gehören dem bereits erwähnten CRA von allem CBAM (Carbon Border Adjustment Mechanism), das europäische CO2-Grenzausgleichssystem. Ferner ist ein dominierendes Thema die Construction Products Regulation (CPR), die mit dem Digitalen Produktpass (DPP) einhergeht.
Aufgrund der noch zu leistenden Arbeit ist nach Ansicht des Generalsekretärs eine DPP-Pflicht für CE-gekennzeichnete Schlösser und Baubeschläge nicht vor 2030/2031 zu erwarten. Dennoch riet er dazu, die verbleibende Zeit zu nutzen. Die Produktnormung (nach CPR-2024 mit DoPC), die Umweltproduktdeklaration (EPD) und digitale Produktinformationen (BIM) münden in den DPP und andere digitale Produktinformationen. Daher ist eine saubere Datenerhebung und -verwaltung äußerst wichtig.





















