Interschutz 2026 im Zeichen der Zeitenwende
Der Countdown für die Interschutz 2026 geht in die Schlussrunde. Wenige Wochen vor Beginn der Weltleitmesse für Feuerwehr, Rettungswesen und Bevölkerungsschutz (1. bis 6. Juni 2026 in Hannover) haben die Veranstalter auf die wachsenden Herausforderungen für Einsatzkräfte in aller Welt hingewiesen. Unter dem Motto „Safeguarding tomorrow“ (die Zukunft schützen) werden 1.525 Aussteller aus 51 Nationen ihre Produkte, innovative Lösungen und Dienstleistungen auf 112.463 Quadratmetern Ausstellungsfläche präsentieren. Zugleich wirft die sechstägige Veranstaltung ein Schlaglicht auf die viel zitierte „Zeitenwende im Bevölkerungsschutz“. Eröffnet wird die Messe von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt.





„Die Interschutz ist mehr als eine Messe – sie ist der internationale Treffpunkt der Branche für Sicherheit in zunehmend unsicheren Zeiten“, sagte Dr. Jochen Köckler, CEO der Deutschen Messe AG, auf dem hannoverschen Flughafengelände, wo die Flughafenfeuerwehr einen Eindruck von der Leistungsfähigkeit moderner Großlöschfahrzeuge gab. Als einen wichtigen Schwerpunkt auf der Interschutz nannte Jochen Köckler die Zivil-Militärische Zusammenarbeit (ZMZ). „Damit wird sie mehr denn je auch eine politische Messe“, so Jochen Köckler. Die Zivil-Militärische Zusammenarbeit im Bevölkerungsschutz sei nicht mehr auf Ad-hoc-Unterstützung bei Katastrophen beschränkt, sondern werde vielmehr zu einem strategisch eingebetteten, dauerhaften und institutionell verankerten Element der nationalen und europäischen Sicherheitspolitik.
Das unterstrich auch Oberst im Generalstabsdienst Armin Schaus, Abteilungsleiter J9 (Zivil-Militärische-Zusammenarbeit), Operatives Führungskommando der Bundeswehr. „Unsere Sicherheit können wir nur gemeinsam gewährleisten. Hier müssen Staat, Wirtschaft und Gesellschaft eng und resilient zusammenstehen. Nur als Einheit schützen wir, was uns wichtig ist: unsere Freiheit und unsere Demokratie.“
Genauso wie Armin Schaus wies der Vizepräsident im DRK-Bundesverband, Jürgen Christmann, auf die veränderten Voraussetzungen hin. Das DRK, so teilte er mit, werde in Halle 23 erstmals ein großes, mobiles Krankenhaus präsentieren. „Aktuelle und geopolitische Bedrohungslagen machen deutlich: Wir müssen jetzt konsequent in Vorsorge, Selbsthilfefähigkeit und die Resilienz der Bevölkerung investieren. Verzögerungen können wir uns nicht leisten. Als Auxiliar der deutschen Behörden im humanitären Bereich und größte Hilfsorganisation Deutschlands tragen wir eine besondere Verantwortung im Bevölkerungsschutz. Gleichzeitig sind wir ein einsatzerfahrener Akteur der internationalen humanitären Hilfe. Auf der Interschutz präsentieren wir unter anderem unser mobiles Krankenhaus und zeigen, wie modernste Technik und hochkomplexe Logistik ein ‚Krankenhaus aus der Kiste‘ ermöglichen und wie sich der Klinikalltag unter Krisenbedingungen gestaltet“, sagte Jürgen Christmann.
Jochen Köckler hob die internationale Bedeutung der Messe hervor und betonte: „Die Zeitenwende endet nicht an Staats- und Landesgrenzen – sie zeigt sich im Alltag der Einsatzkräfte. Geopolitischen Spannungen, Klimawandel, Krisen, Katastrophen und hybriden Bedrohungen kann nur gemeinsam wirksam begegnet werden. Nur integrierte Systeme aus Feuerwehr, Rettungsdienst, Zivil- und Katastrophenschutz sind handlungsfähig.“
Ehemals reine Feuerwehrmesse
Jochen Köckler erinnerte zugleich an die Anfänge der Interschutz, die vor mehr als 70 Jahren unter dem Titel „Der Rote Hahn“ noch als reine Feuerwehrmesse ins Leben gerufen wurde und seit dem Jahr 2000 von der Deutschen Messe ausgerichtet wird. „Die Interschutz ist ihrem Markenkern – Feuerwehr – über die Jahre immer treu geblieben. Sie hat sich allerdings auch kontinuierlich weiterentwickelt, sich an den Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft orientiert und ist damit sowohl inhaltlich als auch in der Größe gewachsen. Für die diesjährige Messe deuten alle Vorzeichen darauf hin, dass es die größte Interschutz aller Zeiten werden kann“, freute sich Jochen Köckler. „Feuerwehren und Rettungsdienste sind längst zu hochkomplexen Krisenmanagern geworden, deren Anforderungen weit über Brandbekämpfung und medizinische Versorgung hinaus reichen“, resümiert Jochen Köckler.
Das zeigt sich auch an den bisher rund 30 nationalen und internationalen Delegationen, die sich zur Interschutz angemeldet haben. Mit dabei sind beispielsweise der Europäische Feuerwehrverband und der Weltfeuerwehrverband CTIF. Darüber hinaus haben internationale Entscheider aus Feuerwehr, Rettungsorganisationen sowie aus Bevölkerungs- und Katastrophenschutzinstitutionen ihre Messebesuche angekündigt. Sie kommen beispielsweise aus Singapur (Feuerschutzverband Singapur), Taiwan, Südamerika (OBA: Südamerikanische bzw. panamerikanische Feuerwehr‑Organisation), Schweden (MSB: Schwedische Behörde für zivile Notfallvorsorge) und Dänemark (Danske Beredskaber: Verband der dänischen Notfall- und Einsatzdienste).
KI und Bevölkerungsschutz
Die Interschutz 2026 mache zudem deutlich, dass dabei die Künstliche Intelligenz (KI) eine immer wichtigere Rolle spiele. „Künstliche Intelligenz verändert den Einsatz – nicht als Ersatz für Menschen, sondern als Verstärker ihrer Fähigkeiten. Im Ernstfall kann KI auch die Retter selbst schützen“, sagte Jochen Köckler.
Sie könne Geschwindigkeit, Präzision und Sicherheit erhöhen. Entscheidend sei, wie verantwortungsvoll die KI eingesetzt werde. Neben den Themen KI und Bevölkerungsschutz gehören ferner die Auswirkungen des Klimawandels und Nachhaltigkeit zu weiteren Schwerpunkten. Die Interschutz 2026 werde Wege aufzeigen, wie Feuerwehr, Rettungswesen und Bevölkerungsschutz im Zeichen der Zeitenwende handlungsfähig bleiben. „Die Frage ist nicht, ob Krisen kommen – sondern wie wir bereit sind, sie gemeinsam zu bewältigen“, sagte Jochen Köckler.
Christoph Bahlmann, Direktor der Feuerwehr Hannover, beschrieb die Rolle der Kommunen im Bevölkerungsschutz: „Im Bevölkerungsschutz kommt der kommunalen Ebene eine zentrale Rolle zu. Zeitenwende im Bevölkerungsschutz heißt daher auch, die Kommunen als zentrale Ansprechstellen für ihre Bürger intensiv in die konzeptionelle Neuausrichtung des Bevölkerungsschutzes einzubinden sowie finanziell, personell und sächlich adäquat auszustatten. Die bestehende Lücke zwischen multiplen Anforderungen und derzeitigen Möglichkeiten im Bevölkerungsschutz muss durch Vernetzung und Vereinheitlichung weiter geschlossen werden. Hierfür bietet die Weltleitmesse Interschutz mit allen vertretenen Playern im Bevölkerungsschutz eine hervorragende Plattform.“
Umfangreiches Rahmenprogramm
Ein umfangreiches Rahmenprogramm ergänzt die Präsentation in den acht Messehallen und auf dem Freigelände. Auf einem Smart Public Safety Hub ist ferner die Zukunft der Einsatzleitung zu sehen. Wie immer steht auch Sportliches auf dem Programm: So messen sich beispielsweise bei den FireFit European Championships Feuerwehrfrauen und -männer aus der ganzen Welt. Actionreich wird es bei der dritten Ausgabe der Holmatro Rescue Challenge. Teams aus aller Welt treten während der Interschutz gegeneinander an, um einen eingeklemmten Patienten mit modernsten Rettungsgeräten innerhalb von 20 Minuten aus einem Fahrzeug zu befreien.
Die zweite Premiere auf der Interschutz 2026 ist der Höhenretter Pavillon. Der Name ist Programm – im Pavillon 34 unter dem Expo-Dach dreht sich an allen sechs Messetagen alles ausschließlich um das Thema Höhenrettung. Am Samstag, 6. Juni 2026, findet dort der nationale Leistungsvergleich der deutschen Höhenretter statt.
Aktionsgeladen wird es mit der S-Gard Safetytour. Sie läuft während der Interschutz an allen sechs Messetagen und bietet sämtlichen Einsatzkräften unter realistischen Bedingungen die Gelegenheit, ihre Fähigkeiten in praxisnahen Team-Trainings zu verbessern. Eine weitere Mitmachaktion sind die Lukas Crash Days auf der Interschutz – ebenfalls auf dem Freigelände. Sie sind ein medizinisch-technisches Hochleistungs-Hilfetraining für erfahrene Rettungskräfte und binden moderne Rettungstechniken in ihr Programm ein.
Interschutz-Forum
Neben der Praxis kommt auch die Theorie nicht zu kurz: Im Interschutz-Forum präsentieren Anbieter, Anwender, Wissenschaft und Politik die aktuellen Themen der Branche und diskutieren über Herausforderungen, Chancen, Lösungen und technologische Innovationen. Beispielsweise richtet die Föderation der European Fire Officers (FEU) ihre erste Leadership-Konferenz 2026 während der Interschutz aus. Vom 3. bis 4. Juni werden dazu etwa 300 europäische Führungskräfte aus Feuerwehr und Katastrophenschutz auf dem Messegelände in Hannover zusammenkommen.
„Die Interschutz ist auch deshalb so stark, weil viele Hände mit anpacken. Dazu gehören neben den ausstellenden Unternehmen die Partner Vfdb, DFV und der VDMA Feuerwehrtechnik, die ideellen Aussteller wie Feuerwehren, Rettungsdienste, technische Hilfsdienste und Katastrophenschutzorganisationen“, bedankte sich Jochen Köckler. Zu den Besuchergruppen gehören Delegationen aus aller Welt – die weitesten reisen nach bisherigem Stand aus Australien an.
Business Partner
Deutsche Messe AGMessegelände
30521 Hannover
Deutschland
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