KRITIS-Gesetz zu Freigeländesicherung: Was Betreiber jetzt tun müssen
Mit dem KRITIS-Dachgesetz hat die Bundesregierung einen zentralen Baustein zur Stärkung der physischen Sicherheit kritischer Infrastrukturen geschaffen. Die lang erwartete Regelung verpflichtet Betreiber nun, ihre Anlagen auch jenseits der IT gegen Angriffe zu schützen – ein Paradigmenwechsel, der die Sicherheitsbranche in Bewegung setzt. Was das konkret bedeutet, erklärt Sam Berlemann, Geschäftsführer der Berlemann Torbau GmbH.
Viele Betreiber wussten, dass ein Gesetz kommen würde – doch wie groß die Auswirkungen tatsächlich sind, zeigt sich erst jetzt. Für Sam Berlemann ist klar: „Es ist eine sehr gute Nachricht, dass die physische Resilienz endlich denselben Stellenwert bekommt wie die IT-Sicherheit.“ Der Schutz der Außenhaut, die sichere Organisation des Geländes und die robuste Auslegung von Anlagenkomponenten gelten ab sofort als unverzichtbare Elemente eines umfassenden Sicherheitskonzepts.
Physische Sicherheitslücken rücken in den Fokus
Ein Blick auf vergangene Ereignisse untermauert diese Notwendigkeit. Der Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz hat eindrücklich gezeigt, wie anfällig kritische Prozesse sein können und welche Folgen ein physischer Angriff haben kann. „Der Handlungsbedarf war offensichtlich“, so Berlemann. „Das KRITIS-Dachgesetz sorgt endlich für klare Prioritäten.“
Zwischen Pflicht und Pragmatismus: Wo die Branche jetzt steht
Doch so klar die Richtung ist – das Gesetz lässt den Betreibern bewusst Spielraum. Es definiert keinen Katalog starrer Maßnahmen, sondern verpflichtet zu einer individuellen Risikoanalyse. Betreiber müssen sich nun drei zentrale Fragen stellen:
- Wo befinden sich die potenziellen Schwachstellen?
- Welche Bereiche der Anlage sind für den Betrieb besonders kritisch?
- Welche Angriffszenarien sind wahrscheinlich – und mit welchen Folgen?
Berlemann betont: „Nicht jede Kläranlage muss wie ein Hochsicherheitsgefängnis geschützt werden. Es geht darum, angemessen zu handeln.“ Der Weg zur physischen Sicherheit sei ein kontinuierlicher Prozess, kein einmaliges Projekt.
Perimeterschutz: Vom Zaun bis zur intelligenten Sensorik
Eine der stärksten Hebelwirkungen entfaltet gut geplanter Perimeterschutz. Berlemann Torbau hat dafür ein klar strukturiertes Programm entwickelt, das in verschiedene Sicherheitslevel gegliedert ist.
Level I umfasst robuste, engmaschige Sicherheitsstabgitter, die je nach Bedarf mit angespitzten Überständen ergänzt werden können. Höhere Level setzen auf abgewinkelte Stabgitter, spezielle Aufnahmen für Stachel- oder NATO-Draht und weitere mechanische Verstärkungen für den physischen Übersteigschutz.
Doch allein mit Mechanik ist es nicht getan. „Wird der Zaun überwunden, kann ein Angreifer sich oft lange unbemerkt bewegen“, erklärt Berlemann. Deshalb plädiert er für integrierte Lösungen: Mechanische Barrieren kombiniert mit aktiver Sensorik zur Übersteig- und Durchbruchsdetektion. Diese erkennt Manipulationen in Echtzeit und alarmiert sofort.
Entwickelt werden die Sensorkomponenten von der Schwesterfirma PeriNet GmbH – abgestimmt auf die mechanischen Systeme, skalierbar und individuell anpassbar auf die spezifische Umgebung.
GIT Business Partner: Sicherheitszäune
INOVA Sicherheitszaunanlagen von Berlemann schützen Windparks, Flughafenbereiche, Kritische Infrastrukturen oder auch militärische Einrichtungen. Weiterführende Infos zum Thema Sicherheitszäune gibt es direkt auf der Webseite von Berlemann.
Zugänge als neuralgische Punkte
Der Zaun ist häufig im Fokus – ein weiterer kritischer Baustein der Freigeländesicherung sind jedoch auch Tore, Schranken, Durchfahrten: „Besonders schützenswerte Objekte haben häufig auch besondere Anforderungen an die Objektzugänge wie Schiebe-, Falt- und Drehflügeltore. Diese Anforderungen können sowohl mechanischer als auch steuerungstechnischer Art sein“, erläutert Sam Berlemann – und führt weiter aus: „Wir rechnen mit einem deutlichen Anstieg an Sonderlösungen.“ Betreiber erwarten nicht nur stabile Tore, sondern auch vernetzte Systeme, die sich nahtlos in bestehende Sicherheitsarchitekturen einfügen.
Gute Nachrichten: Vieles lässt sich nachrüsten
Ein häufig geäußerter Irrtum lautet, man müsse komplette Zaunanlagen austauschen, um KRITIS-konform zu werden. Berlemann widerspricht energisch: „Das stimmt so nicht. Viele Bestandsanlagen können wirtschaftlich sinnvoll aufgerüstet werden.“
Dazu zählen beispielsweise:
- Erhöhung oder Abwinkelung vorhandener Zäune
- Ergänzung um Stachel- oder NATO-Draht
- Nachrüstbare Zaun- und Wanddetektionssysteme – oft schon ab ca. 20 Euro pro Laufmeter
Die meisten Betreiber profitieren von pragmatischen, modularen Lösungen, die Sicherheit und Wirtschaftlichkeit zusammenbringen. „Unsere Erfahrung zeigt: Mit intelligenten Erweiterungen lassen sich Schutzwirkung und Resilienz erheblich steigern – ohne finanzielle Hürden, die Projekte ausbremsen würden.“
Fazit: Die Chance zur neuen Sicherheitskultur
Mit dem KRITIS-Dachgesetz beginnt für Betreiber eine Phase der Neuorientierung – nicht aus Pflicht, sondern aus strategischem Vorteil. Wer frühzeitig investiert, stärkt Betriebssicherheit, minimiert Risiken und erfüllt regulatorische Anforderungen lange vor dem Stichtag.
Und die Hersteller? Sie erleben eine Branche im Wandel. „Wir sehen ein wachsendes Bewusstsein für ganzheitliche Sicherheitskonzepte“, sagt Sam Berlemann. „Mechanik und Elektronik greifen heute ineinander. Genau diese Kombination wird künftig entscheiden, wie resilient kritische Infrastrukturen wirklich sind.“














