10.09.2026 • Topstory

Top Player Konvergente Sicherheit: Francis Cepero, CEO von Primion

GIT SICHERHEIT trifft führende Unternehmen und Köpfe der Sicherheitsbranche. In diesem Interview sprechen wir mit Francis Cepero, CEO von Primion, über aktuelle Herausforderungen und zukünftige Entwicklungen.

Porträtfoto einer Person in dunklem Sakko und hellblauem Hemd vor hellem...
Francis Cepero, CEO von Primion: 8.000 temporäre Mitarbeiter, passgenaue Zugriffsrechte – das System richtet sich nach den Geschäftsprozessen und nicht die Prozesse nach dem System
© Primion

Sicherheitssysteme waren früher klar getrennt: Zutritt, IT und Betrieb liefen in eigenen Silos. Heute sind selbst Klimaanlagen vernetzt – und damit angreifbar. Francis Cepero, CEO von Primion, erklärt im Interview mit GIT SICHERHEIT, warum konvergente Sicherheit zur strategischen Notwendigkeit geworden ist, wie Identitäten Prozesse steuern und weshalb digitale Souveränität für Unternehmen immer wichtiger wird.

GIT SICHERHEIT: Herr Cepero, Sie sprechen häufig von konvergenter Sicherheit als strategischer Notwendigkeit. Was hat sich in den letzten Jahren so grundlegend verändert, dass Unternehmen Sicherheit nicht mehr in getrennten Einheiten denken können?

Francis Cepero: Zunächst einmal hat sich die Vernetzung radikal verändert. Heute ist selbst die Klimaanlage vernetzt und von außen steuerbar. Auch die Sauerstoffversorgung im Krankenhaus ist elektronisch kontrollierbar. Zutrittssysteme sind digital, Videoüberwachung hängt im Netzwerk, Maschinensteuerung ebenso. Sobald all diese Systeme verbunden sind, entsteht eine gemeinsame Angriffsfläche. Das sind keine separaten Disziplinen mehr. Die ISO 27001 beschreibt im entsprechenden Abschnitt klar, dass diese Bereiche zusammengeführt werden müssen – zu einem ganzheitlichen Informations- und Sicherheitskonzept.

Worin liegt konkret das Risiko der alten Fragmentierung zwischen IT-Sicherheit, physischer Sicherheit und Betrieb?

Francis Cepero: Wenn Sie Endgeräte schützen, ist das gut. Wenn Sie Türen schützen, ist das gut. Aber entscheidend ist die Identität. Ein Mitarbeiter darf nur die Maschinen bedienen, für die er qualifiziert ist und nur während seiner Schicht. Selbst wenn er Passwörter hätte, darf er außerhalb dieser Zeit keinen Zugriff haben. Die Integration dieser Identitätslogik über alle Systeme hinweg – das ist der Kern von Converged Security.

Wie übersetzt sich diese Entwicklung in die Strategie von Primion? 

Francis Cepero: Unsere Mission lautet: vorbeugen, schützen, bewahren. Wir beraten Unternehmen, analysieren Sicherheitskonzepte, erstellen neue und integrieren in bestehende Strukturen. Wir wollen nicht alles herausreißen und neu bauen, sondern Werte erhalten. Primion ist ein Integrator: Wir binden Geräte verschiedenster Hersteller ein und verbinden physische Sicherheit, IT- und OT-Sicherheit zu einem holistischen Konzept.

Im Zentrum steht aber weiterhin die Tür, der Zutritt...? 

Francis Cepero: Natürlich kommen wir aus der physischen Sicherheit. Aber wir erweitern das Konzept: Identitäten gelten nicht nur für Personen, sondern auch für Maschinen und Assets. So lassen sich Beziehungen zwischen diesen Identitäten abbilden. Sicherheit wird damit nicht nur Compliance, sondern ein Effizienzfaktor. Ein Unternehmen ist besser, wenn es sicher ist.

Können Sie ein konkretes Beispiel nennen, wo Converged Security im Alltag echten Mehrwert schafft?

Francis Cepero: Einer unserer Kunden, ein großer Logistiker mit 14.000 Mitarbeitern nutzt ein System, das sich dynamisch an Schichten und Funktionen anpasst. 8.000 temporäre Mitarbeiter erhalten genau die Zugriffe, die sie für ihre Aufgaben brauchen – nicht mehr und nicht weniger. Das Sicherheitskonzept passt sich den Geschäftsprozessen an, nicht umgekehrt.

Und ein Beispiel aus einem ganz anderen Sektor?

Francis Cepero: In der Produktion geht es oft um Compliance: Wer darf welche Maschine bedienen? Ist die Person qualifiziert? Ist die Zertifizierung aktuell? Wir motivieren Unternehmen, Sicherheit nicht als abstraktes Konzept zu sehen, sondern als Schutz für Menschen und Prozesse. Wir arbeiten zudem an virtualisierten Controllern und „Policy as Code“, um Berechtigungen flexibel und zeitlich begrenzt zu vergeben.

Mit wem sprechen Sie zuerst, wenn Sie Unternehmen von diesem Ansatz überzeugen wollen?

Francis Cepero: Es gibt zwei Wege: Entweder wir erklären Unternehmen proaktiv, wie die Systeme ineinandergreifen. Oder wir werden von Kunden hineingeführt – oft von Verantwortlichen, die Sicherheit als Wertschöpfungsfaktor verstehen. Sicherheit kann EBIT-relevant sein.

Kritische Infrastrukturen stehen besonders unter Druck. Wird Sicherheit durch die Vernetzung nicht unfassbar komplex?

Francis Cepero: Ja, es ist komplex. Die Angriffsfläche wächst exponentiell: IoT-Geräte, Fremdmitarbeiter, Endgeräte. Aber mit identitätsbasierten Systemen und Prinzipien wie Zero Trust lässt sich das kontrollieren. Wir kommen aus der physischen Welt, also wissen wir: Eine Tür muss nicht nur geschlossen sein, sie muss im Ernstfall verriegelt werden. Diese Logik übertragen wir auf digitale Identitäten.

Sie haben Physik studiert. Wie sehr hilft Ihnen Ihr technischer Hintergrund?

Francis Cepero: Sehr. Ich habe immer Technologieteams geführt – bei SAP, bei A1 in Österreich, jetzt bei Primion. Die technologische Welt verändert sich extrem schnell. Vor zwei Jahren war generative KI irrelevant. Heute können Angreifer mit KI hochstrukturierte Angriffe fahren. Tools wie Flipper Zero ermöglichen Netzwerkzugriffe in kürzester Zeit. Das muss man verstehen, um gute Sicherheitskonzepte zu bauen.

Kürzlich wurde bekannt, dass Anthropic seine KI für Nicht-US-Unternehmen einschränkt. Betrifft Sie das?

Francis Cepero: Nein. Primion sieht sich als europäisches Unternehmen. Wir wollen digitale Souveränität garantieren und keine Abhängigkeit von Hyperscalern oder extraterritorialen Gesetzen wie dem US Cloud Act. Deshalb sind wir auf eine europäische Cloud migriert. Kunden fragen das aktiv nach.

Wie flexibel sind Sie bei der Bereitstellung Ihrer Lösungen?

Francis Cepero: Sehr. Wenn ein Kunde eine europäische Cloud möchte, bekommt er sie. Wenn er global ist und eine amerikanische oder chinesische Cloud braucht, können wir das ebenfalls. Und wenn er alles On-premises im eigenen Rechenzentrum betreiben will, machen wir das auch. Wir wachsen mit unseren Kunden.

Wie tragen Sie das Thema Converged Security in die interne und externe Welt?

Francis Cepero: Wir schulen unsere Mitarbeitenden intensiv und zeigen neue Strukturen und Plattformen. Unser klassisches Portfolio – Zutritt, Zeit, Video, Besuchermanagement – wird durch starke Softwareplattformen ergänzt: Geräteintegration, Prozessintegration, Logistikprozesse, SAP-Anbindung. Wir wollen nicht nur Zutrittskontrolle liefern, sondern einen echten Mehrwert schaffen.

Q&A

Sie haben eine Frage an unseren Talk-Gast?
Fragen Sie direkt – schnell und unkompliziert:

Jetzt Frage stellen

Business Partner

Logo:

primion Technology GmbH

Steinbeisstr. 2-5
72510 Stetten am kalten Markt
Deutschland

Kontakt zum Business Partner







Videos

Videos auf GIT SICHERHEIT

Videos auf GIT SICHERHEIT

Jetzt alle entdecken: Messen, Talks, Produkt-Demos – die Videos auf GIT SICHERHEIT

SicherMacher

SicherMacher – der GIT-Talk mit den Marktführern

Die Köpfe hinter den Marktführern. Die Strategien von morgen. Die Themen, die die Sicherheitsbranche bewegen. Jetzt alle SicherMacher-Talks entdecken.

Top-Feature

Meist gelesen