27.02.2026 • Topstory

Wie Unternehmen mit X meas Freimessungen, Leckageprüfungen und Emissionsmessungen effizienter und rechtskonform durchführen

Mit Sven Schmellenkamp, Product Manager Digital Solutions bei Dräger, spricht GIT SICHERHEIT über die cloudbasierte Software X‑meas, die als intelligenter Assistent Gefahrstoffmessungen digitalisiert, standardisiert und sicherer macht. Das System unterstützt Unternehmen bei Freimessungen, Leckage- und Emissionsmessungen, optimiert Abläufe und reduziert Dokumentationsaufwand. Im Interview erklärt Schmellenkamp, wie X‑meas Effizienz und Prozesssicherheit in anspruchsvollen Arbeitsumgebungen deutlich steigert.

Ein Tablet zeigt eine digitale Karte mit einer GPS Position, gehalten von einer...
In X-meas definieren Standort (z. B. per GPS) und Messprofile, was dort wie gemessen werden muss
© Drägerwerk AG & Co. KGaA
Eine Person in einem dunkelblauen Firmenpoloshirt steht vor einem modernen Bürogebäude
Sven Schmellenkamp, Product Manager Digital Solutions bei Dräger
© Drägerwerk AG & Co. KGaA

GIT SICHERHEIT: Herr Schmellenkamp, mit X-meas hat Dräger im vergangenen Jahr eine Software auf den Markt gebracht, die Sie auf Ihrer eigenen Homepage als „intelligenten Assistenten für alle Messaufgaben“ bezeichnen. Was kann man sich konkret darunter vorstellen und wie kam es zum Namen „X-meas“?

Sven Schmellenkamp: Die Cloudsoftware X‑meas unterstützt etwa bei Freimessungen vor dem Betreten potenziell gefährlicher Bereiche, bei Leckage- oder Emissionsmessungen. Die Software sorgt dafür, dass diese Messungen präzise und zeitsparend durchgeführt werden und die Ergebnisse sofort interpretiert vorliegen.
Bei Dräger steht das „X“ traditionell für Vielseitigkeit oder das Unbekannte – wie auch bei unseren bekannten X‑am Gasmessgeräten. Das „meas“ steht für „measurement“, also Messung. Zusammen entsteht X-meas.

Welche Herausforderungen bei der Gefahrstoffmessung haben zur Entwicklung von X‑meas geführt und welchen Bedarf adressiert die Lösung genau?

Sven Schmellenkamp: Sicherheitsrelevante Gefahrstoffmessungen sind heute nahezu immer Teil von Arbeitsfreigaben oder Risikobewertungen. Unsere Kunden stehen vor der Herausforderung, diese Messungen vollständig, korrekt, rechtssicher und ohne zusätzlichen Aufwand zu dokumentieren – und sicherzustellen, dass zur richtigen Zeit am richtigen Ort mit dem passenden Messmittel gearbeitet wird. Genau hier setzt X‑meas an: Wir verbessern die Prozesssicherheit und steigern gleichzeitig die Effizienz – und das möglichst geräuschlos im Primärprozess unserer Kunden.

Eine Person arbeitet an einem Laptop und dokumentiert Daten, während mehrere...
Die Dokumentation entsteht in X-meas automatisch während der Anwendung. Mit Abschluss einer Messung sind alle relevanten Informationen vollständig, rechtssicher erfasst und protokolliert
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Welchen konkreten Mehrwert bietet X‑meas für Unternehmen? Und können Sie das an einem Beispiel praktisch demonstrieren?

Sven Schmellenkamp: In Unternehmen müssen oft zahlreiche Gefahrstoffe an unterschiedlichen Einsatzorten gemessen werden. Dafür ist nicht immer ein standardisiertes Messgerät ausreichend. Gasanalysten müssen daher das jeweils richtige Messmittel korrekt auswählen und anwenden. X‑meas verhindert Fehlanwendungen – etwa den Einsatz ungeeigneter Geräte oder falsch durchgeführte Messungen.
Ein Messergebnis besteht nicht allein aus den erfassten Messwerten, sondern immer aus deren Interpretation im Kontext, etwa dem Zustand eines Behälters oder Schachts, mögliche Korrosion an einem Flansch, Umgebungsbedingungen und weiteren Faktoren. X‑meas erfasst diese Informationen strukturiert und interpretiert sie.

Ein praktisches Beispiel: Während einer Anlagenabstellung (Turnaround) wurden innerhalb von 52 Tagen 5.752 Freimessungen geplant, disponiert und für die Arbeitsfreigabe genutzt – durchgeführt durch 10 Gasanalysten, koordiniert über rund 60 beteiligte Personen. Dank des smarten Auftragsmanagements von X-meas waren keine zusätzlichen Abstimmungen notwendig. Gasanalysten sehen ihre Aufträge direkt in der X-meas-App auf ihrem Tablet oder Smartphone, arbeiten diese effizient ab und stellen die Messergebnisse in Echtzeit digital zur Freigabe bereit. Manuelle Übertragungen entfallen vollständig durch die vernetzte Cloudanbindung.
Das Ergebnis: über 60.640 Minuten, also mehr als 1.000 Stunden Zeitersparnis.
 
Wie funktioniert das Messstellen‑Management in der Praxis und wie lassen sich klare und überprüfbare Vorgaben für einzelne Messorte definieren?

Sven Schmellenkamp: Unsere Kunden kennen ihre Messstellen. X‑meas ermöglicht es, jede Messstelle mit Informationen zu verknüpfen – beispielsweise mittels QR‑Code oder GPS‑Koordinate. So wird sichergestellt, dass Gasanalysten am korrekten Ort messen.
Das Messstellenmanagement ist hierarchisch aufgebaut und umfasst bis zu fünf Ebenen. Standort und Messprofile definieren, was dort wie gemessen werden muss. Beispiel: Ein Abwasserschacht wird per GPS identifiziert. X‑meas erkennt, dass dieser Schacht tiefer ist als andere, weist auf benötigtes Equipment hin und fordert mehrere Teilmessungen für die Freigabe an.

Eine Person in Schutzkleidung und Helm führt in einer Industrieanlage eine...
Messdaten können bei X-meas anonymisiert archiviert und weiter analysiert werden
© Drägerwerk AG & Co. KGaA

In welcher Weise reduziert X‑meas den Dokumentationsaufwand, und welche typischen Arbeitsschritte werden dadurch vereinfacht oder automatisiert?

Sven Schmellenkamp: Die Dokumentation entsteht automatisch während der Anwendung. Mit Abschluss einer Messung sind alle relevanten Informationen vollständig, rechtssicher erfasst und protokolliert, das entsprechende PDF‑Dokument steht sofort zum Download bereit. Darüber hinaus können Messdaten anonymisiert archiviert und weiter analysiert werden, um Trends oder Sicherheitsrisiken frühzeitig zu erkennen.

In welchen Lizenzmodellen ist X‑meas verfügbar, und für welche Anwendergruppen oder Branchen eignen sich die jeweiligen Ausbaustufen? 

Sven Schmellenkamp: Aktuell bieten wir drei Pakete an:

  • Detect: Für Organisationen mit wenigen Nutzern, die nur gelegentlich und ungeplant messen, jedoch rechtskonform dokumentieren müssen – etwa kommunale Abwasserbetriebe oder kleine Unternehmen.
  • Assist: Mit umfassendem Standortmanagement und der Möglichkeit, individuelle Mess‑ und Standortprofile anzulegen.
  • Enterprise: Enthält zusätzlich das Auftragsmanagement für Planung und Disposition sowie die Möglichkeit, mehrere betriebliche Einheiten mit individuellen Rollen und Rechten abzubilden.

Damit decken wir die Anforderungen sehr unterschiedlicher Branchen ab und können jederzeit individuelle Pakete anbieten.

Wie gestaltet sich die Integration in bestehende Systeme: Ist X‑meas browserbasiert, welche Schnittstellen stehen zur Verfügung und wie läuft die Einbindung vorhandener Geräte ab – auch wenn nicht ausschließlich Dräger‑Geräte genutzt werden?

Sven Schmellekamp: X‑meas ist eine cloudbasierte Lösung. Die App – verfügbar in den Appstores – ist die Schnittstelle für die Gasanalysten. Sie nutzt Smartphone‑Funktionen wie GPS, Kamera und Bluetooth. Dräger‑Messgeräte werden per Bluetooth gekoppelt, sodass Messwerte fehlerfrei übertragen werden.
Auch analoge Messmittel wie Prüfröhrchen können eingebunden werden: Die Werte werden dann manuell erfasst, das Röhrchen per Foto dokumentiert. So lassen sich praktisch alle Messgeräte einbinden. Selbst einfache Hilfsmittel wie ein Zollstock zur Pegelmessung können integriert werden.
Das „Cockpit“ als Browser‑Anwendung richtet sich an Administratoren, Anlagenleiter, Messtechniker und Arbeitssicherheitsverantwortliche. Die Integration in externe ERP‑, Arbeitsplanungs‑, Freigabe- oder Gefährdungsbeurteilungssysteme ist flexibel umsetzbar. Dadurch entstehen die größten Effizienzgewinne: „Ich plane nichts bereits Geplantes noch einmal in X‑meas.“

X-meas als Software-Tool basiert auf einem Cloudsystem. Wie gewährleistet Dräger bei X-meas die Sicherheit der Daten? 

Sven Schmellenkamp: Cybersecurity und Datenschutz gehören für Dräger zur täglichen Arbeit. In der Medizin- und Sicherheitstechnik verarbeiten wir seit vielen Jahren sensible Daten. Für unsere SaaS‑Lösungen setzen wir auf ein ganzheitliches Sicherheitskonzept mit modernen Cloud‑Security‑Standards, verschlüsselter Datenübertragung, strengen Zugriffsregeln und durchgängigem Sicherheits‑Engineering. Die Maßnahmen erfüllen nachweislich hohe Sicherheitsanforderungen, technisch wie organisatorisch.

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Drägerwerk AG & Co. KGaA

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