21.08.2026 • Topstory

Die Zukunft der PSA: Herausforderungen durch PFAS-Verbot, Nachhaltigkeit und neue Marktanforderungen

Neue Normen, Nachhaltigkeitsanforderungen und tiefgreifende Veränderungen im Arbeitsmarkt prägen die Entwicklung der PSA-Branche. Sven Holst, CCO von HB Protective Wear, spricht über Markttrends, Komfort versus Schutz, Recyclinggrenzen, PFAS-Regulierung und die Frage, wie sich Schutzbekleidung in den kommenden Jahren verändern wird.

Podcast „SicherMacher“: Zwei Personen mit Headsets im Studio sprechen mit...
Sven Holst, CCO bei HB Protective Wear (rechts), Dr. Timo Gimbel und Dr. Steffen Ebert vom Team GIT SICHERHEIT (links)
© GIT SICHERHEIT/Wiley

GIT SICHERHEIT: Herr Holst, zum Einstieg: Können Sie unseren Leserinnen und Lesern kurz Ihren Werdegang und Ihre Rolle bei HB Protective Wear vorstellen?

Sven Holst: Sehr gerne. Ich bin seit 15 Jahren bei HB Protective Wear und innerhalb der Geschäftsführung für Markt, Kunde, Produkt, Prozesse und Qualitätsmanagement verantwortlich. Insgesamt bin ich seit über 30 Jahren in der Branche unterwegs, habe bei einem textilen Dienstleister begonnen, dort eine klassische Vertriebslaufbahn durchlaufen und später in der Geschäftsführung eines Marktbegleiters gearbeitet.

Wie beurteilen Sie die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung im PSA- und Schutzbekleidungsmarkt?

Sven Holst: Unsere Wirtschaft stottert seit geraumer Zeit, und das wirkt sich unterschiedlich auf verschiedene Branchen aus. Wir sind breit aufgestellt, daher gibt es Bereiche, die gut laufen, und andere, die schwieriger sind. Insgesamt merken wir, dass der Markt langsamer wird und Entscheidungen länger dauern. Auch der Arbeitsmarkt spielt eine Rolle: Jeder Arbeitslose mehr bedeutet auch weniger Bedarf an Arbeits- und Schutzkleidung. Trotzdem bleibt der PSA-Markt im Vergleich zur klassischen Workwear stabiler und bietet weiterhin Wachstumspotenzial.

Welche Herausforderungen sehen Ihre Kunden heute besonders im Bereich Arbeitsschutz und Schutzbekleidung?

Sven Holst: Schutzbekleidung ist immer auch ein Instrument zur Mitarbeiterbindung und Identifikation. Gleichzeitig stehen Ergonomie und Komfort im Fokus – aber immer in Verbindung mit ausreichendem Schutz. Die Herausforderung besteht darin, höheren Komfort zu bieten, ohne beim Schutz nachzulassen. Nachhaltigkeit spielt ebenfalls eine Rolle, auch wenn das Thema in den letzten Monaten aufgrund wirtschaftlicher Belastungen etwas an Priorität verloren hat.

Ein spannender Punkt ist die Nachhaltigkeit von Mischgeweben. Ist das nicht ein Widerspruch, wenn man über Recycling spricht?

Sven Holst: Absolut. Leichtere Materialien mit gleichem oder höherem Schutz entstehen nur durch das Kombinieren verschiedener Fasern. Das ist aus Recyclingperspektive kontraproduktiv. Man könnte provokativ sagen, dass wir aus Nachhaltigkeitssicht auf dem falschen Weg waren. Multi-Norm-Produkte aus vier oder fünf Fasern lassen sich heute nicht recyceln. Deshalb liegt der Fokus auf Langlebigkeit: Produkte müssen viele Jahre halten, reparierbar sein und industrieller Pflege standhalten. Das ist aktuell der nachhaltigste Ansatz.

Wo sehen Sie Wachstumsmöglichkeiten im PSA-Markt – und speziell für HB?

Sven Holst: Energieintensive Industrien werden sich verändern, aber durch Energiewende und E-Mobilität entstehen neue Märkte mit neuen Anforderungen. Gerade im Bereich PSA für E-Mobilität gibt es noch viele ungelöste Herausforderungen – ein spannendes Feld für Innovationen. Auch für HB gibt es Potenziale in Branchen, in denen wir bisher weniger präsent sind.

Welche Innovationen und Entwicklungen stehen bei HB derzeit im Fokus?

Sven Holst: Wir arbeiten an Lösungen für extreme Wetterbedingungen, denn körperliche Arbeit bei Hitze stellt neue Anforderungen. Individualisierung und Personalisierung werden wichtiger, auch zur Mitarbeiterbindung. Zudem setzen wir stark auf Langlebigkeit und Flexibilisierung in der Produktion: kleinere Lose, weniger Lagerware, bedarfsorientierte Fertigung. Ressourcen müssen künftig deutlich effizienter genutzt werden.

Wie wird sich der PSA-Markt in den nächsten fünf Jahren entwickeln?

Sven Holst: Der Arbeitsmarkt und der Generationenwechsel werden großen Einfluss haben. Nachhaltigkeit wird uns weiter antreiben, auch wenn PSA aufgrund technischer Anforderungen oft Sonderregelungen braucht. Smart Textiles werden kommen, aber auch hier gibt es Zielkonflikte mit Nachhaltigkeit. Zudem wird die Sicherheit in Lieferketten ein zentrales Thema der nächsten Jahrzehnte.

Ein besonders aktuelles Thema ist PFAS. Wie beurteilen Sie die Folgen eines möglichen Verbots?

Sven Holst: Das grundsätzliche Verbot dieser Ewigkeitschemikalien ist richtig. Aber für PSA stellt es uns vor massive Herausforderungen, weil es für einige Schutzbereiche keine Alternativen gibt – etwa Feuerwehr, Chemikalienschutz oder Polizei. Wir arbeiten mit Verbänden an Ausnahmeregelungen, um Zeit zu gewinnen. Langfristig wird das Verbot kommen, und die Branche muss Lösungen entwickeln. Für viele Alltagsprodukte gibt es Alternativen, aber im PSA-Bereich oft nicht. Das wird ei0ne große Aufgabe.

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