10.04.2024 • TopstoryVIP

VIP-Interview: Timo Seibert, Euro 2024

GIT SICHERHEIT im Interview mit Timo Seibert, Head of Safety & Security and Medical bei der Euro 2024 GmbH.

Timo Seibert, Head of Safety & Security and Medical bei der Euro 2024 GmbH
Timo Seibert, Head of Safety & Security and Medical bei der Euro 2024 GmbH

In jeder Ausgabe Ihrer GIT SICHERHEIT bitten wir wichtige Personen, Entscheider, Menschen aus der Sicherheitsbranche, zum VIP-Interview.

Im Interview unserer April-Ausgabe:
Timo Seibert, Head of Safety & Security and Medical bei der Euro 2024 GmbH

  • Studium zum Diplom-Verwaltungswirt/Polizeikommissar
  • 2000–2004 Beweissicherungs- und ­Festnahmeeinheit (BFE)/MEK-Personenschutz, Hessische Polizei
  • 2005–2011 Leiter Vorstandsschutz & ­Ermittlungsdienst, Fraport AG
  • 2011–2013 stellv. Leiter Investigations & Vorstandsschutz, Deutsche Lufthansa AG
  • 2013–2019 stellv. Leiter Prävention & ­Sicherheit, Abteilungsleiter Veranstaltungssicherheit, Deutscher Fußball-Bund e.V.
  • 2019–2021 Senior Spezialist Veranstaltungs-, Vorstands- und Aufsichtsrats­sicherheit, Commerzbank AG
  • Seit 2021 Head of Safety & Security and Medical, Euro 2024 GmbH

 

Ihr Berufswunsch mit 20 war:
Eigentlich wollte ich immer Hoteldirektor oder Anwalt werden. Nach dem Abitur habe ich mich dann für die Polizeilaufbahn entschieden.

Was hat Sie dazu bewogen, eine Aufgabe im Bereich Sicherheit zu übernehmen?
Nach meinem Studium bei der Hessischen Polizei war ich dort in verschiedenen Bereichen und Funktionen tätig, wobei ich die Polizei bereits nach acht Jahren, zuletzt als Polizeioberkommissar, verlassen habe, um den Weg in die private Sicherheitswirtschaft einzuschlagen. Ich bereue es nicht, sowohl die behördliche als auch die private Seite in der Sicherheit kennengelernt zu haben. Insbesondere die Zeit bei der BFE und im Personenschutz bei der Polizei waren für mich super spannend und abwechslungsreich.

Welche sicherheitspolitische Entscheidung oder welches Projekt sollte Ihrer Meinung nach schon längst umgesetzt sein?
Die Vorbereitungen der EM 2024 haben mir gezeigt, dass insb. im Bereich Gewerberecht (Stichwort §34a GewO) Theorie und Praxis weit auseinander liegen. Nach wie vor hält man daran fest, dass für gewisse Tätigkeiten im Stadion nur ein sog. „Bewacher“ zum Einsatz kommen darf. Der Großteil der im Stadion arbeitenden Veranstaltungsordner führt keine klassischen Sicherheitsaufgaben durch, sondern Ordnertätigkeiten. Diese Mitarbeitenden sind größtenteils nebenberuflich tätig und nicht bereit, sich 40 Stunden bei einer IHK in eine Unterrichtung zu setzen, in der sie nichts für ihren Einsatz im Stadion lernen. Es gibt gute Qualifizierungsalternativen wie QuaSOD, ein Qualifizierungsportal des DFB, welches wir um ein Euro-Modul erweitert haben. Hier fehlt jedoch die Anerkennung durch die lokalen Genehmigungsbehörden. Dies haben wir auch gemeinsam mit dem DFB und der DFB Euro GmbH in der Stellungnahme zum Referentenentwurf des „Sicherheitsgewerbegesetzes – SiGG“ hinterlegt.

Ein Erfolg, den Sie kürzlich errungen haben, war:
Aktuell befinde ich mich in der „heißen“ Phase der Vorbereitung der EM 2024 in Deutschland. Seit Gründung der Euro 2024 GmbH, einem Joint Venture aus DFB und UEFA, gab und gibt es Meilensteine, die erreicht wurden und noch werden. Daran werden wir gemessen. Es sind mal kleine, mal große Zwischenschritte, die am Ende in einem hoffentlich erfolgreichen, spannenden und sicheren Turnier enden.

Worüber können Sie sich freuen?
Ich kann mich über viele kleine Dinge des Lebens freuen. Mal sind es familiäre Ereignisse, kleine liebe Botschaften der Kinder, ein gelungener Abend mit dem besten Freund, aber auch berufliche Erfolge führen sicherlich zur Freude bzw. Zufriedenheit, wobei hier für mich die private Freude definitiv entscheidender ist.

Welchen Urlaubsort können Sie empfehlen?
Ich mag sowohl die Nordsee als auch die Berge zum Skifahren. Mallorca ist ebenfalls eine Insel, die ich empfehlen kann, da sie einfach alles bietet, was man benötigt.

Welche Zeitschriften lesen Sie regelmäßig?
Ich lese gerne diverse Fachzeitschriften, wobei sich hier das Verhalten sicherlich sehr verändert hat und auch ich mir vieles digital anschaue. Ich muss aber gestehen, dass es nach wie vor schön ist, eine Tageszeitung in Papierform zu haben oder auch GIT SICHERHEIT als Produkt in den Händen zu halten.

Worüber machen Sie sich Sorgen?
Aktuell beschäftigt mich natürlich die gesamte geopolitische Lage und die diversen Konflikte und Kriege, die es gibt. Auch ich bin häufig an dem Punkt, nicht zu wissen, wie sich die aktuellen Situationen entwickeln. Dennoch muss das Alltagsgeschäft weiterlaufen und man muss positiv denken, auch wenn es ab und an schwer fällt. Es gibt viele berechtigte Fragen meiner Kinder rund um Kriege, die ich nur schwer beantworten kann. Und ich muss zugeben, dass ich inzwischen auch bewusst nicht immer die Nachrichten schaue und das macht mir schon Sorgen.

Die beste Erfindung im Bereich Sicherheit ist Ihrer Meinung nach:
Es ist keine Erfindung und hat auch nichts mit dem Berufsfeld Sicherheit zu tun. Für mich ist das Wichtigste das Wort und damit der persönliche Austausch und die Kommunikation untereinander.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung ist:
Da es aktuell die letzten Monate vor der EM in Deutschland sind, befasse ich mich sehr intensiv mit allen Sicherheitsthemen rund um die zehn Spielorte, aber natürlich auch mit der Sicherheitslage in Europa und der Welt. Dies findet eigentlich aktuell permanent statt, aber so ist das bei einem solchen Projekt. Umso wichtiger ist es, sich manchmal zu ­kleinen Auszeiten zu zwingen.
 



Weitere VIP-Interviews

Meist gelesen

Photo
11.03.2024 • TopstorySafety

Die Zukunft der Gefahrstofflagerung

„Cemo“ dieser Name steht seit über 60 Jahren für sicheres Lagern, Fördern und Dosieren. Doch gerade in der Gefahrstofflagerung ist durch den massiven Einsatz von Lithium-Akkus in praktisch allen Wirtschaftsbereichen vieles in den vergangenen Jahren in Bewegung geraten. Zugleich mangelt es gegenwärtig an einer übergreifenden und verbindlichen Norm, wenn es z. B. um die Prüfanforderungen für feuerwiderstandfähige Lagerschränke für abnehmbare Lithium-Ionen-Batterien geht. Ein Umstand, der nicht zuletzt auf Verbraucherseite für viel Unsicherheit sorgt. Daher hat GIT SICHERHEIT Eberhard Manz, Managing Director und Geschäftsführer, sowie Jonas Sigle, Produktentwickler bei Cemo zum Interview gebeten.