VSW-Sicherheitstag 2026: Strategien für Resilienz und Krisenvorsorge
Beim VSW-Sicherheitstag 2026 auf Schloss Waldthausen bei Mainz diskutierten Vertreter aus Politik, Sicherheitsbehörden, Wissenschaft und Wirtschaft über aktuelle Bedrohungslagen und wirksame Strategien zur Stärkung der Resilienz. Unter dem Leitmotiv „Komplexe Risiken – Klare Strategien“ standen hybride Bedrohungen, Krisenvorsorge, Cyberresilienz und der Faktor Mensch im Mittelpunkt.

Politische Perspektiven auf die Sicherheitslage
Nach der Begrüßung durch Peter H. Bachus, Präsident des VSW Hessen-Rheinland-Pfalz-Saarland, eröffneten die beiden Innenminister Achim Schwickert aus Rheinland-Pfalz und Reinhold Jost aus dem Saarland den fachlichen Teil der Veranstaltung. Beide betonten die wachsenden Herausforderungen durch eine zunehmend komplexe Sicherheitslage. Dabei verwiesen sie auf die enge Verzahnung von staatlicher Sicherheit, Wirtschaftsschutz und gesellschaftlicher Resilienz.
Schwickert hob die besondere Rolle von Rheinland-Pfalz mit seinen zahlreichen Standorten der Bundeswehr und der US-Streitkräfte hervor. Angesichts wachsender Krisen- und Konfliktszenarien müssten Behörden und Unternehmen noch enger zusammenarbeiten. Informationen über Bedrohungen oder IT-Sicherheitsvorfälle müssten schneller ausgetauscht werden. Gleichzeitig gelte es, sich auf mögliche Ausfälle kritischer Infrastrukturen und Kommunikationssysteme vorzubereiten.
Auch Jost verwies auf veränderte Rahmenbedingungen. Grenzen zwischen inneren und äußeren Bedrohungen würden ebenso verschwimmen wie die Trennlinien zwischen öffentlicher Sicherheit und Wirtschaftsschutz. Zugleich verlagere sich Radikalisierung zunehmend in digitale Räume. Sicherheit müsse deshalb heute deutlich umfassender gedacht werden als noch vor wenigen Jahren.
Hybride Bedrohungen und Krisenvorsorge
Einen Einblick in die aktuelle Gefährdungslage aus Sicht des Verfassungsschutzes gab Delia Dunkel, Vizepräsidentin des Landesamts für Verfassungsschutz Hessen. Sie beschrieb die zunehmende Bedeutung hybrider Bedrohungen, bei denen Desinformation, Cyberangriffe und gesellschaftliche Einflussnahme ineinandergreifen. Ziel solcher Kampagnen sei häufig die langfristige Untergrabung des Vertrauens in demokratische Institutionen und Sicherheitsorgane.
Wie sich Krisen konkret auf Unternehmen und Gesellschaft auswirken können, zeigte Carsten Baeck anhand seiner Erfahrungen während eines großflächigen Stromausfalls in Berlin. Sein Bericht verdeutlichte, wie schnell digitale Kommunikationswege ausfallen können und wie wichtig organisatorische Vorbereitung, Krisenkommunikation und funktionierende Notfallstrukturen sind.
Mit Blick auf die europäische Sicherheitslage analysierte Ferdinand Gehringer mögliche Szenarien eines Spannungs- oder Verteidigungsfalls. Deutschland würde in einer solchen Lage eine zentrale Rolle als logistische Drehscheibe der NATO übernehmen. Der Vortrag machte deutlich, dass resiliente Infrastrukturen und eine frühzeitige Vorbereitung auf Krisenfälle zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Unternehmen zwischen Technik und Faktor Mensch
Im Themenfeld Unternehmenssicherheit stand insbesondere die Frage im Mittelpunkt, wie Organisationen ihre Widerstandsfähigkeit stärken können. Jens Greiner zeigte, dass traditionelle Krisenmanagementstrukturen auch im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz und digitaler Lageführung unverzichtbar bleiben. Moderne Technologien könnten Krisenstäbe unterstützen, aber nicht ersetzen.
Einen besonders praxisorientierten Beitrag lieferte Alexander Bose mit seinem Vortrag „Nur für den Fall ...“. Er erläuterte, wie insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen ihre Cyberresilienz mit überschaubarem Aufwand stärken können. Klare Verantwortlichkeiten, vorbereitete Notfallabläufe und die Nutzung bestehender Angebote des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik gehörten dabei zu den wesentlichen Empfehlungen.

Zum Abschluss richteten Prof. Dr. Hektor Haarkötter und Michael Willer den Blick auf den Menschen als zentralen Sicherheitsfaktor. Während Haarkötter die wachsende Bedeutung von Desinformation und Medienkompetenz thematisierte, zeigte Willer, dass menschliches Verhalten bei einem Großteil erfolgreicher Angriffe eine entscheidende Rolle spielt. Willers abschließender Vortrag verdeutlichte, dass technische und organisatorische Maßnahmen erst im Zusammenspiel mit einer gelebten Sicherheitskultur ihre volle Wirkung entfalten. Resilienz bedeute daher auch, Fehler schnell zu erkennen, zu melden und ihre Folgen wirksam zu begrenzen.
Ausblick auf 2027
Der VSW-Sicherheitstag 2026 machte deutlich, dass Resilienz heute zur Schlüsselkompetenz für Staat, Wirtschaft und Gesellschaft geworden ist. Wirksame Krisenvorsorge kann nur im Zusammenspiel von Behörden, Unternehmen, Wissenschaft und Sicherheitsorganisationen gelingen. Neben den Vorträgen bot die Tagung Raum für den fachlichen Austausch über aktuelle Risiken und konkrete Lösungsansätze. Der nächste VSW-Sicherheitstag findet 2027 in der MEWA Arena in Mainz statt und wird erneut aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen für den Wirtschaftsschutz aufgreifen.
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