Wie ein mittelständisches Unternehmen Lieferengpässen und der Energiekrise begegnet

GIT SICHERHEIT im Interview mit Michael Zander, Projektmanager bei Zander, dem Spezialist für Sicherungs- und Steuerungstechnik im industriellen Maschinen- und Anlagenbau.

Michael Zander, Projektmanager bei Zander © Hermann Zander GmbH & Co. KG
Michael Zander, Projektmanager bei Zander © Hermann Zander GmbH & Co. KG

Wer zuverlässig und in überschaubaren Zeiträumen liefern kann, sichert sich einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Das gilt insbesondere für Branchen, die mit elektronischen Komponenten arbeiten und auf die Verfügbarkeit von Halbleitern angewiesen sind. Zusätzlich zu stockenden Lieferketten sind in den vergangenen Monaten die Energiepreise geradezu explodiert. GIT SICHERHEIT hat Michael Zander, Projektmanager bei der Hermann Zander GmbH & Co. KG, dem Spezialist für Sicherungs- und Steuerungstechnik im industriellen Maschinen- und Anlagenbau, zum Interview gebeten. 
 

GIT SICHERHEIT: Herr Zander, beschreiben Sie unseren Lesern doch kurz, wie sich die derzeitige wirtschaftliche Situation auf den industriellen Maschinen- und Anlagenbau auswirkt und mit welchen Fragen und Wünschen Ihre Kunden derzeit an Sie herantreten.

Michael Zander: Wir sehen keinen Einbruch in der Nachfrage nach unseren Standardkomponenten. Der Stau, der sich in Zeiten der Corona-Pandemie gebildet hat, scheint sich langsam aber sicher aufzulösen. Kaum scheint sich jedoch die Lage durch fallende Restriktionen der Pandemie zu ändern, werden wir mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Unsere Kunden suchen einen guten Servicepartner, der langfristig verlässliche Lieferdaten nennen kann. Interessant ist auch, dass unsere Neuentwicklungen vom Markt sehr gut angenommen werden und wir hier weiteres Wachstumspotential ausschöpfen. Unsere Kunden fragen gezielt nach unseren Neuerungen.


Mit welchen Herausforderungen wird Ihr Unternehmen aktuell besonders konfrontiert? Welche Produkte sind am meisten gefragt und mit welchen Lieferzeiten haben ihre Kunden zu rechnen?

Michael Zander: Die Lieferzeiten unserer Komponenten haben sich zum Positiven hin entwickelt, jetzt sehen wir uns jedoch mit steigenden Materialkosten und einer viel kürzeren Preisbindung konfrontiert.

Die Herausforderung liegt in neuen Preiskalkulationen, zu denen wir vom Markt gezwungen werden. Wir versuchen, die Preissteigerung im Rahmen zu halten, um unseren Kunden noch einen attraktiven Preis zu bieten. Ich denke, dies gelingt uns sehr gut und wir merken dies, da unsere Preise vom Markt auch gut angenommen werden. 

Die Lieferzeit unserer Standard Safety-Relais der SR-Baureihe liegt bei zwei Wochen. Für viele Produkte haben wir in weiser Voraussicht Komponenten frühzeitig beschafft. Dies schlägt sich in der guten Lieferperformance und in aktuell moderaten Preisen ebenfalls nieder. So haben wir viele unserer Relais, zum Beispiel unseren High Runner SR3C, gegenwärtig ab Lager verfügbar.


Wie gut sehen Sie sich in Anbetracht der trüben wirtschaftlichen Aussichten für die kommende Zeit aufgestellt, speziell in Hinsicht auf den kommenden Winter?

Michael Zander: Wir sehen natürlich, dass die Zahlen zum Wirtschaftswachstum nichts Gutes verheißen. Aber die letzten zwei Jahre haben auch gezeigt, dass wir als in Deutschland fertigender Mittelständler flexibel handeln konnten und uns diese Kernkompetenz auch ein Stück weit vom Wettbewerb abhob. Die steigenden Energiekosten werden sich natürlich wieder in steigenden Preisen unserer Zukaufteile widerspiegeln. Wir sind jedoch zuversichtlich, unsere Preisbindung lange halten zu können, um unseren Kunden weiterhin unsere Produkte auch zu moderaten Preisen anzubieten. 


Gibt es besondere Maßnahmen, die das Unternehmen Hermann Zander getroffen hat, um mit der derzeitig schwierigen Situation besser umgehen zu können?

Michael Zander: Wir haben unsere Lieferketten schon vor zwei Jahren grundlegend analysiert, um Abhängigkeiten frühzeitig so gering wie möglich zu halten. Dies war und ist für unsere Ingenieure und unsere Administration mit einem erheblichen Aufwand verbunden, hat sich aber ausgezahlt. Leider haben wir aktuell nur geringe Möglichkeiten auf die steigenden Energiekosten zu reagieren, aber auch hier sind wir zuversichtlich durch Einsparmaßnahmen den Kostendruck gering zu halten.  


Auch wenn derzeit der Blick in die Glaskugel mehr als vage und zumeist wenig erfreulich scheint, wollen wir zum Schluss einen Ausblick in die etwas fernere Zukunft wagen. Welche Entwicklungen erhoffen sie sich für die Deutsche Industrie im Allgemeinen und für Ihre Branche und Ihr Unternehmen im Besonderen?

Michael Zander: Der Umstand, dass wir sehr gut lieferfähig waren und weiterhin sind, hilft uns positiv in die Zukunft zu schauen. Wir nehmen dies als Anlass, in unser Unternehmen weiter zu investieren, um zu wachsen. Auch den steigenden Energiekosten begegnen wir mit entsprechenden Maßnahmen. Und energetisch wird unser gesamtes Unternehmen zukünftig auch durch großflächige Solaranlagen auf dem Gebäude unabhängig werden. Wir sind zuversichtlich, unsere Kunden mit unseren Produkten zu attraktiven Preisen und unter Einhaltung kurzer Lieferzeiten weiterhin auf dem bestehenden Niveau bedienen zu können. Hier bauen wir auf die gute und langfristig partnerschaftliche Zusammenarbeit mit unseren Kunden.

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