KI-gestützte Transkription in der Justiz: Nahezu lückenlose Dokumentation durch Netzwerkkameras
In der Justiz und insbesondere in Strafverfahren und deren Hauptverhandlungen bietet Digitalisierung auf Basis von KI-Lösungen die Möglichkeit, zahlreiche Prozesse effektiver und effizienter zu gestalten. Bestes Beispiel: Die Dokumentation von Hauptverhandlungen. Hier werden aktuell nur Notizen gemacht, keine Wort-für-Wort-Protokolle. Wenn später Fragen geklärt werden müssen und das Verfahren weiterverarbeitet wird, sorgt dieses Vorgehen für erheblichen Mehraufwand, da als Informationsquellen nur die Notizen und das Gedächtnis der Richter und Anwälte verwendet werden können.

Eine Alternative bieten die media-4-cast GmbH und Axis Communications mithilfe einer KI-gestützten Transkriptions-Software sowie Mikrofonen und Netzwerkkameras, die das Geschehen während der Hauptverhandlung automatisch erfassen. Schreibkräfte sparen durch diese Kombination viel Zeit – bis zu 80 Prozent – bei der Protokollerstellung und -nachbearbeitung. Das Protokoll wird zudem präziser und umfassender, da die Transkription zu 99,5 Prozent korrekt ist.
Die Transkriptionen sind als Index hinterlegt, sodass schnell und effizient nach bestimmten Äußerungen gesucht werden kann, ohne dass dafür das schriftliche Protokoll durchblättert werden muss. Insbesondere mit Blick auf das bis zum Jahr 2030 in Kraft tretende Hauptverhandlungsdokumentationsgesetz (DokHVG) erleichtert eine KI-gestützte Transkription die Arbeit der Gerichte erheblich. Die Software der media-4-cast GmbH ist bereits von Gerichten in Deutschland, Österreich und Luxemburg abgenommen und genehmigt.
Netzwerkkameras für ein vollständiges Bild der Verhandlung
Die Netzwerkkameras von Axis Communications kommen dort zum Einsatz, wo die Software an ihre Grenzen stößt, beispielsweise bei kurzen Antworten unter drei Wörtern, bei denen eine Sprecherzuordnung schwierig ist. Hier unterstützen die Kameras durch die zusätzliche visuelle Komponente die Sprecherzuordnung und das Erfassen von nonverbaler Kommunikation, wie Nicken oder Kopfschütteln bei „Ja“ oder „Nein“. So entsteht eine vollständige, umfassende Sicht auf den Verhandlungsverlauf.
Üblicherweise kommen dafür fest installierte Dome-Kameras der AXIS M32-Serie mit Blick auf den Zeugenstand sowie eine flexibel bewegbare Kamera wie die AXIS M5526-E hinter dem Richter zum Einsatz. Da Datenschutz und die Wahrung der Privatsphäre vor Gericht essenziell sind, kann der Richter mithilfe einer simplen Bedienkonsole bestimmen, ob eine Videoaufzeichnung erfolgen soll und diese jederzeit für eine „Nur Audio“-Aufnahme pausieren. Außerdem können die entstehenden Protokolle nur innerhalb eines sicheren, nicht mit dem Internet verbundenen Netzwerk bearbeitet werden.
Bereits erfolgreich im Einsatz
Die Lösung wurde bereits erfolgreich im tatsächlichen Gerichtsalltag erprobt: Im Jahr 2024 organisierten zwei Juristenverbände eine Präsentation sowie einen Live-Test der Lösung, um ihre Funktionalität und Alltagstauglichkeit zu testen. Dafür wurde eine Hauptverhandlung im Strafrecht simuliert, an der mehrere Beamte des Bundesministeriums der Justiz und führende Vertreter der Verbände teilnahmen.
Das technische Setup, bestehend aus der Multi-Capture V4-Software der media-4-cast GmbH, Netzwerk-Kameras von Axis Communications, DSP-Systemen (Digitale Signalprozessoren), Tischmikrofonen und der Offline-Desktoplösung für die KI-gestützte Transkription wurde zunächst allen Teilnehmenden Schritt für Schritt erklärt. Ein besonderer Fokus lag dabei auf benutzerfreundlicher Bedienbarkeit.
Die simulierte, 42-minütige Verhandlung wurde dann so alltagsnah und für die eingesetzte Technik so herausfordernd wie möglich gestaltet, inklusive lauter Zwischenrufe, parallellaufender Gespräche, leiser Stimmen und Dialekte. Das Ergebnis: Die KI-Transkription, die auf Basis der Aufnahmen entstand, überzeugte selbst anfängliche Kritiker. Viele der Teilnehmenden waren hinsichtlich der Möglichkeit, eine Verhandlung nahezu lückenlos zu dokumentieren, und hinsichtlich der Qualität der Transkription beeindruckt.
Weiterführende Informationen sind auf der Website von Axis verfügbar.
















