Perimeter Protection Kongress feiert gelungene Premiere
Der Perimeter Protection Kongress fand am 22. und 23. April 2026 erstmals im Messezentrum Nürnberg statt. Unter dem Titel „Die neue Dimension – der digitale Zwilling in der Perimetersicherung“, powered by Verband für Sicherheitstechnik e. V. (VfS) brachte das Connected Event der Fachmesse Perimeter Protection knapp 200 Teilnehmer zusammen.

Experten aus Industrie, Planung und Betrieb diskutierten aktuelle sicherheitspolitische Entwicklungen, technologische Innovationen und neue strategische Ansätze rund um die Perimetersicherung in 3D. Ergänzt wurde das Kongressprogramm durch eine begleitende Table-Top-Ausstellung, in der 15 Unternehmen ihre Lösungen und Systeme präsentierten und den fachlichen Austausch vertieften.
Mit Blick auf aktuelle regulatorische Entwicklungen und die veränderten sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen eröffneten Carsten Feddern, Geschäftsführer des Verbands für Sicherheitstechnik, und Peter Ottmann, CEO der NürnbergMesse Group, den Perimeter Protection Kongress.
Carsten Feddern betonte die strategische Relevanz des neuen Formats und erklärte: „Vor dem Hintergrund der kürzlichen Veröffentlichung des KRITIS-Dachgesetzes sowie den damit nach wie vor verbundenen Unsicherheiten bei den Betreibern Kritischer Infrastrukturen hätten wir keinen besseren Zeitpunkt für den Perimeter Protection Kongress finden können.“ Angesichts zunehmender internationaler Konflikte und steigender Sabotagegefahren reiche der zweijährige Turnus der Fachmesse Perimeter Protection nicht mehr aus.
In der Branche bestehe ein klarer Bedarf an kontinuierlichem Austausch zu aktuellen sicherheitstechnischen Lösungen, den der Kongress gezielt adressiere. Diese Dynamik habe auch die NürnbergMesse dazu veranlasst, ihre sicherheitsrelevanten Veranstaltungen künftig in einem strategischen Sicherheitscluster zu bündeln, so Peter Ottmann. „Dieses Sicherheitscluster wird aus der Enforce Tac – Leitmesse für Sicherheit und Verteidigung, der it-sa Expo&Congress – Fachmesse rund um IT-Sicherheit sowie der Perimeter Protection – der internationalen Fachmesse für Perimeterschutz gebildet und stärkt die ganzheitliche Betrachtung von Sicherheitsthemen über alle Ebenen hinweg“, verkündete CEO Peter Ottmann.
Physische Sicherheit Bestandteil des KRITIS-Dachgesetzes
Einen zentralen Punkt der inhaltlichen Diskussionen bildete das KRITIS-Dachgesetz, das im März 2026 nach einem bereits seit 2024 vorliegenden Referentenentwurf verabschiedet wurde. Als sektorübergreifendes Regelwerk schließt es eine bislang bestehende Regulierungslücke und erweitert den Blick auf den Schutz Kritischer Infrastrukturen deutlich.
Während es mit Regelwerken wie NIS-2 bereits konkrete Vorgaben für die Cyber-Sicherheit gab, bezieht das KRITIS-Dachgesetz nun ausdrücklich auch die physische Sicherheit mit ein. „Cyber-, IT- und physische Sicherheit müssen zusammen diskutiert werden“, betont Carsten Feddern in seinem Kongress-Beitrag „KRITIS-DachG: Aktueller Stand und Ausblick“.
Das Dachgesetz umfasst insgesamt zehn Sektoren, für die jeweils eigene Schwellenwerte in separaten Rechtsverordnungen festgelegt werden. Diese Sektoren sind stark voneinander abhängig, während zugleich die Fragilität komplexer Systeme weiter zunimmt. Ziel des KRITIS-Dachgesetzes ist es daher, die Resilienz Kritischer Infrastrukturen systematisch und nachhaltig zu stärken.
Herausfordernd ist jedoch, dass die zugehörigen Rechtsverordnungen bislang noch nicht vorliegen, die gesetzlichen Fristen für vom KRITIS-Dachgesetz betroffene Unternehmen aber bereits laufen. Unternehmen sind deshalb gefordert, frühzeitig aktiv zu werden, da Überprüfungen angekündigt sind und erfolgen werden.
Unterstützung erhalten sie dabei vom VfS, der mit einem praxisnahen KRITIS-Leitfaden Orientierung bietet und diesen über seine Website zur Verfügung stellt. Der Leitfaden empfiehlt Unternehmen, zunächst ihre Betroffenheit zu prüfen, darauf aufbauend eine Gap-Analyse durchzuführen, einen Resilienzplan zu entwickeln und frühzeitig den Kontakt zu den zuständigen Behörden aufzubauen. Denn, so der VfS ausdrücklich: „Resilienz ist keine einmalige Maßnahme, sondern ein kontinuierlicher Prozess – das KRITIS-Dachgesetz schafft hierfür den verbindlichen Rahmen.“
Perimetersicherung in 3D
Ein weiterer zentraler Fokuspunkt und zugleich namensgebendes Thema des Kongresses ist die Perimetersicherung in 3D, die zunehmend zu einem zentralen Zukunftsthema der Sicherheitsbranche wird. Unter dem Leitmotiv des „Digitalen Zwillings“ geht es darum, physische Infrastrukturen ganzheitlich digital abzubilden und sicherheitsrelevante Informationen über alle Ebenen hinweg zusammenzuführen.
Im Unterschied zu klassischen, zweidimensionalen Sicherheitskonzepten ermöglicht der 3D-Ansatz eine vernetzte Betrachtung von Gelände, Gebäuden, technischen Systemen und Prozessen über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Damit schafft die Perimetersicherung in 3D die Grundlage für belastbare Simulationen, vorausschauende Planung und eine integrierte Verbindung von physischer, IT- und Cyber-Sicherheit – ein Ansatz, der in anderen Industrien bereits etabliert ist und nun gezielt auf die Anforderungen der Sicherheitsbranche übertragen wird.
Entscheidend sei, bereits vor dem Start der Digitalisierung Klarheit darüber zu schaffen, welche Informationen tatsächlich benötigt werden, erläutert Thomas Kirmayr vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP in Valley in seinem Beitrag „SMARTe Datenmodelle für eine digitalisierte Liegenschaftsverwaltung“. Erst auf dieser Basis sollten Daten systematisch erhoben und integriert werden, um gezielte Datenmodelle und damit digitale Zwillinge zu entwickeln, die langfristig nutzbar sind und nicht durch unnötige Daten überlastet werden.
Neben dem KRITIS-Dachgesetz und der Perimetersicherung in 3D standen weitere zentrale Themen wie Cloud-Technologien, BIM-basierte Planung, biometrische Verfahren, NIS-2-Richtlinie sowie die Verzahnung von Cyber-, IT- und physischer Sicherheit im Fokus des Kongressprogramms.
„Wir haben mit dem Perimeter Protection Kongress eine Plattform geschaffen, die strategische Fragestellungen der Perimetersicherheit mit praxisnahen Lösungen verbindet“, erklärt Executive Director Benedikt Weyerer und zieht ein positives Resümee: „Die erfolgreiche Premiere bestätigt unseren Ansatz, Messe und Kongress als vernetztes Gesamterlebnis weiterzuentwickeln.“


















