Sicherheit für Energieversorger: Verteilte Anlagen schützen, Zutritte steuern, Betriebsfähigkeit sichern
Energieversorger zählen zu den Kritischen Infrastrukturen (KRITIS), weil sie für die Bereitstellung und Verteilung von Strom, Gas, Öl und Fernwärme verantwortlich sind. Störungen können weitreichende Folgen für Gesellschaft und Wirtschaft haben. Entsprechend hoch sind die Schutzanforderungen an Umspannwerke, Netztrafostationen, Pumpwerke und technische Betriebsräume.
Gerade außenliegende Anlagen in weitläufigen Versorgungsgebieten benötigen robuste Sicherheitstechnik, die auch in anspruchsvollen Umgebungsbedingungen funktioniert. Zugleich müssen Beschäftigte, Wartungsfirmen und weitere Partner genau auf die Bereiche zugreifen können, die sie für ihre Tätigkeit benötigen. Berechtigungen sollten sich daher differenziert vergeben und bei veränderten Zuständigkeiten schnell anpassen lassen.
Physische Resilienz rückt in den Fokus
Der regulatorische Rahmen verstärkt diese Verbindung von Technik und Organisation. Während die NIS2-Regulierung die Cybersicherheit und die physische Umgebung von IT-Systemen adressiert, schafft das KRITIS-Dachgesetz einheitliche Mindestanforderungen für die physische Resilienz kritischer Anlagen. Betreiber müssen deshalb auch prüfen, ob sich Zutrittsrechte jederzeit nachvollziehen, ändern und entziehen lassen.
Wo mechanische Schließanlagen an Grenzen stoßen
In gewachsenen Anlagen ist diese Kontrolle nicht selbstverständlich. Schlüssel wechseln den Besitzer, Aufgaben verändern sich und Standorte kommen hinzu. Geht ein mechanischer Schlüssel verloren, ist häufig unklar, ob er kopiert wurde und welche Türen sich damit öffnen lassen. Um das Sicherheitsniveau wiederherzustellen, kann der Austausch zahlreicher Zylinder notwendig werden – bei verteilten Liegenschaften ein erheblicher Aufwand.
Elektronische Schlüssel als Berechtigungsträger
Elektronische Schließsysteme wie eCliq der Marke Ikon von Assa Abloy setzen an dieser Schwachstelle an. Der physische Schlüssel bleibt erhalten, dient jedoch zugleich als elektronischer Berechtigungsträger. Zugänge können orts- und zeitbezogen vergeben, geändert oder zurückgenommen werden. Verlorene Schlüssel lassen sich deaktivieren, ohne Zylinder auszutauschen. Schließereignisse bleiben nachvollziehbar. Temporäre Rechte für Wartungsfirmen können auf bestimmte Zeitfenster und Bereiche begrenzt werden.
Für dezentrale Standorte konzipiert
Bei eCliq liefert eine Batterie im Schlüssel die Energie für den Schließvorgang. Die Zylinder benötigen weder eine eigene Stromversorgung noch eine Verkabelung. Das erleichtert die Nachrüstung und unterstützt den Betrieb auch bei Stromausfall. Unterschiedliche Zylindertypen ermöglichen, neben Türen auch Tore, Container, Maschinen oder Schaltvorrichtungen einzubeziehen. Entsprechende Ausführungen eignen sich zudem für witterungsexponierte und explosionsgefährdete Bereiche.
Sicherheitskonzept statt Einzellösung
Technik allein ergibt noch kein tragfähiges Sicherheitskonzept. Ebenso wichtig sind klare Zuständigkeiten, eine gepflegte Schlüsselorganisation und verbindliche Abläufe bei personellen Veränderungen. Schließanlage, Zutrittskontrolle, Tür- und Rettungswegtechnik sowie Schlüsselmanagement sollten aufeinander abgestimmt werden. So lässt sich die Zutrittsorganisation veränderten betrieblichen Anforderungen anpassen.
Praxiserfahrungen aus der Energieversorgung
Wie sich diese Anforderungen umsetzen lassen, zeigen die Referenzen im Whitepaper „Sicherheit für Energieversorger“ von Assa Abloy. E.ON nutzt eCliq für unterschiedliche Objekte und Nutzerprofile. Bei den Stadtwerken München umfasst Verso Cliq rund 11.000 Schließzylinder in etwa 5.000 Netztrafostationen; Berechtigungen können über Remote-Programmiergeräte aktualisiert werden. Weitere Beispiele, unter anderem der Stadtwerke Kiel, veranschaulichen den Einsatz in verschiedenen Sicherheitsstufen und Umgebungen.
Der Leitfaden verbindet die Einordnung von NIS2 mit Planungskriterien und Erfahrungen aus realen Anlagen. Eine kompakte Checkliste unterstützt Verantwortliche dabei, den Stand ihrer Schließtechnik zu bewerten und Schwachstellen zu erkennen.
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