Axis setzt auf KI, Cybersecurity und Plattformen: Die Zukunft der vernetzten Sicherheit
Axis hat sich vom reinen Netzwerk-Kamera-Pionier zu einem Anbieter integrierter Sicherheitsplattformen entwickelt. Maximilian Galland, Sales Manager DACH, spricht über diesen Wandel, die Bedeutung eigener Chipsätze, KI auf der Edge, Cybersecurity-Regulatorik, neue Sensortechnologien und die Frage, wie Video, Zutritt und Audio künftig zusammenwachsen. Ein Blick in die Zukunft der vernetzten Sicherheit.

GIT SICHERHEIT: Herr Galland, schön, dass Sie bei uns sind. Stellen Sie sich und Ihre Rolle bei Axis bitte kurz vor.
Maximilian Galland: Sehr gerne. Ich bin seit etwas über vier Jahren bei Axis und verantworte den Vertrieb für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Wir arbeiten im Two-Tier-Modell mit Distribution, Channel-Partnern und Endkunden. Zusätzlich haben wir ein Team, das TGA-Planer und Planungsbüros unterstützt – Architects & Engineers. Unser Ziel ist es, Projekte und Kunden in der gesamten DACH-Region bestmöglich zu begleiten.
Axis war lange klar als Kamerahersteller positioniert. Heute sprechen Sie von integrierten Sicherheitslösungen. Wie hat sich diese Rolle verändert?
Maximilian Galland: Wir feiern dieses Jahr 30 Jahre Axis IP-Video. 1996 haben wir mit der Neteye 200 die erste Netzwerk-Kamera auf den Markt gebracht. Seitdem hat sich viel getan. Video bleibt unser Kerngeschäft, aber die Anforderungen der Kunden haben sich seitdem fortlaufend verändert. Heute geht es darum, eine Plattform aus Hard- und Software aus einer Hand bereitzustellen, die Integrationsaufwand reduziert und eine zentral steuerbare Sicherheitsinfrastruktur ermöglicht. Unser Videomanagementsystem Axis Camera Station ist dabei das Herzstück. Gleichzeitig bleiben wir offen: Wir wollen keinen Lock-in, sondern ein Ökosystem, das auch andere VMS- oder Gefahrenmanagementsysteme einbindet.
Axis ist einer der wenigen Hersteller, die eigene Chipsätze entwickeln. Warum?
Maximilian Galland: Das stimmt. Unser System-on-Chip Artpec, aktuell in der 9. Generation, ist ein zentraler Baustein. Er optimiert die Bildqualität und ermöglicht KI-Anwendungen direkt auf der Edge. Es gibt nicht viele Hersteller, die eigene Chipsätze entwickeln – das ist eine große Aufgabe. Aber sie erlaubt uns, Hardware und Software perfekt aufeinander abzustimmen. Wenn die Kamera ein optimiertes Bild liefert, kann KI oder Forensik viel besser arbeiten. Wenn die Hose grau erscheint, weil die Lichtverhältnisse schlecht sind, kann ich nicht nach einer roten Hose suchen. Der eigene Chip gibt uns die Kontrolle über Bildqualität, KI-Performance und Effizienz. Und nicht zuletzt ermöglicht uns der eigene, inhouse entwickelte Chip, unsere Cybersicherheitsstrategie konsequent umzusetzen. Diese orientiert sich von Beginn an am Secure-by-Design-Ansatz und ist damit fest in unserer Produktentwicklung verankert.
Woran arbeitet Axis aktuell besonders?
Maximilian Galland: KI wird zum Standard. Prozesse sollen automatisiert werden, Analysen ebenfalls. Wir erweitern unser Sensorportfolio fortlaufend: Video wird durch Radar, Thermal und weitere Technologien ergänzt. Auch Zutritt und Audio spielen eine immer größere Rolle. Dazu kommen Themen wie Cybersecurity, Nachhaltigkeit und Total Cost of Ownership. Wir wollen Lösungen anbieten, die technologisch stark sind und gleichzeitig effizient betrieben werden können.
Bleiben wir beim Thema Cybersecurity. Europa hat neue Regulatorik: KRITIS-DACH, NIS2, Cyber Resilience Act. Was tut Axis, um Security by Design sicherzustellen?
Maximilian Galland: Cybersecurity beginnt für uns lange bevor ein Produkt auf den Markt kommt – schon bei der Auswahl der Komponenten. Bereits bei der Auswahl der Komponenten achten wir auf höchste Sicherheitsstandards und vermeiden potenzielle Risiken in der Lieferkette. In der Entwicklung verfolgen wir konsequent den bereits erwähnten Secure-by-Design-Ansatz: Dazu gehören verschlüsselte Kommunikation, hardwarebasierte Sicherheitsmechanismen sowie der Schutz von Geräten, Daten und Identitäten über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg.
Ein zentrales Element jeder Axis-Lösung ist unser Axis Edge Vault. Dabei handelt es sich um ein hardwarebasiertes Sicherheitsmodul in der Kamera, das kryptografische Schlüssel und sensible Identitätsdaten zuverlässig schützt. Ergänzt wird dies durch Funktionen wie Secure Boot, signierte Firmware und abgesicherte Software-Lieferketten, um die Integrität unserer Produkte jederzeit sicherzustellen.
Ebenso wichtig ist für uns die langfristige Sicherheit im Betrieb. Deshalb bieten wir kontinuierliche Sicherheitsupdates und ein umfassendes Patch-Management, damit unsere Kunden auch über viele Jahre hinweg geschützt bleiben.
Seit Frühjahr 2025 tragen alle neuen Produkte das IT-Sicherheitskennzeichen des BSI. Mit aktuell mehr als 240 zertifizierten Produkten verfügt Axis über das mit Abstand umfangreichste entsprechend gekennzeichnete Portfolio in der Videosicherheitsbranche. Das unterstreicht unseren Anspruch, Cybersecurity nicht als Zusatzfunktion zu verstehen, sondern als integralen Bestandteil unserer Produktentwicklung.
Und wo sehen Sie die größten Schwachstellen auf Nutzerseite?
Maximilian Galland: Ganz klar: bei der Umsetzung. Wir können Fort Knox liefern – aber wenn ein schlechtes Passwort verwendet wird, hilft das beste Produkt nichts. Die größte Herausforderung liegt häufig nicht in der Technologie selbst, sondern in ihrer konsequenten Anwendung. Wir können unsere Produkte mit umfassenden Sicherheitsfunktionen ausstatten, aber grundlegende Maßnahmen wie starke Passwörter, regelmäßige Updates oder eine saubere Rechteverwaltung müssen auch auf Betreiberseite umgesetzt werden.
Cybersecurity ist eine gemeinsame Verantwortung entlang der gesamten Wertschöpfungskette – vom Hersteller über den Integrator bis hin zum Endanwender. Deshalb unterstützen wir unsere Kunden nicht nur mit sicheren Produkten, sondern auch mit Schulungen, Best Practices und Tools, die die sichere Inbetriebnahme und den sicheren Betrieb erleichtern. Letztlich kann eine Sicherheitslösung jedoch nur so stark sein wie ihre Umsetzung im täglichen Betrieb.
KI, Edge Computing, Cloud – welche technologischen Trends werden für Axis besonders wichtig?
Maximilian Galland: KI auf der Edge ist zentral. Wir erzeugen Metadaten direkt auf der Kamera, um Server und Netzwerk zu entlasten. Gleichzeitig bleiben wir offen für hybride Modelle, wenn Kunden Analysen lieber auf dem Server oder in der Cloud durchführen möchten. Unser Artpec-Chip ermöglicht KI-Anwendungen und optimiert die Bildqualität, insbesondere bei schwierigen Lichtverhältnissen. Dazu kommt der neue Videostandard AV1, der den Bandbreitenbedarf reduziert. Ereignisbasiertes Streaming statt kontinuierliches Streaming spart zudem Speicherplatz und Kosten. Außerdem arbeiten wir an neuen Sensortechnologien wie Global-Shutter-Sensoren, die insbesondere bei Verkehrsanwendungen Vorteile bieten, sowie an Bispektralkameras, die optische und thermische Bilddaten in einem Gerät kombinieren.
Welche Vorteile ergeben sich, wenn man Videosicherheit und Zutrittsmanagement gemeinsam plant?
Maximilian Galland: Wer Videoüberwachung und Zutrittsmanagement gemeinsam plant, erhält ein deutlich umfassenderes Lagebild. Zwei bislang getrennte Systeme werden zu einer integrierten Lösung. Dadurch lassen sich Prozesse und Workflows automatisieren, die Komplexität im Betrieb reduzieren und neue Business-Intelligence-Anwendungen erschließen: Besucherströme analysieren, Flächennutzung optimieren, Prozesse verbessern. Das steigert die Effizienz, verbessert die Transparenz und kann gleichzeitig Investitions- und Betriebskosten reduzieren.
Blicken wir fünf Jahre nach vorn: Wie wird sich Axis positionieren, und wie wird sich der Markt entwickeln?
Maximilian Galland: KI wird zum Standard werden – nicht nur zur Entlastung von Sicherheitsverantwortlichen, sondern auch zur Automatisierung und Optimierung von Prozessen. Echtzeitanalytik wird dabei eine immer größere Rolle spielen. Gleichzeitig wird sich die Sensorik weiterentwickeln, etwa durch Radar, Perimeterdetektion über große Distanzen oder die Detektion von Drohnen. Kameras werden sich zunehmend zu intelligenten Sensoren entwickeln, , die weit über klassische Sicherheitsanwendungen hinausgehen. Sie unterstützen dabei, operative Prozesse in Echtzeit zu optimieren und liefern die Grundlage für fundierte, datenbasierte Business-Intelligence-Entscheidungen. Parallel dazu wird die Bedeutung von Cybersecurity und entsprechender Regulierung weiter zunehmen. Auch Themen wie Nachhaltigkeit und Total Cost of Ownership werden bei Investitionsentscheidungen noch stärker in den Fokus rücken. Insgesamt wird Sicherheit vernetzter, intelligenter und stärker automatisiert.
Herr Galland, vielen Dank für das Gespräch.
Maximilian Galland: Vielen Dank auch von meiner Seite. Ich freue mich auf zukünftige Aufgaben und und kommende Ausgaben der GIT SICHERHEIT – stehe Ihnen jederzeit gerne wieder für ein Gespräch zur Verfügung.
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