08.10.2026 • Topstory

Brandschutz digitalisieren: Wie vernetzte Prüftechnik Transparenz, Effizienz und Rechtssicherheit schafft

DT Connect von Detectortesters und Smartryx von Datolution zeigen, wie digitale Prüfprozesse den Brandschutz verändern. Global Marcomms Manager Stephen Beadle und Head of Customer Experience Oliver Dörle (beide von Detectortesters) und Aljona Ijoschina, Geschäftsführerin bei Datolution, erläutern im Gespräch mit GIT SICHERHEIT, wie vernetzte Prüftechnik, Cloud-Plattformen und intelligente Datenintegration Prüfungen beschleunigen, Transparenz schaffen und rechtssichere Nachweise ermöglichen.

Person prüft mit einem Teleskopmast einen Sensor oder Melder an einer...
XTR2 testet sowohl Rauch- als auch Wärmemelder, erfasst das Ergebnis jedes Tests und überträgt es an die DT Connect-App
© Detectortesters
Mann mit schwarzen Haaren und weißem Shirt
Stephen Beadle, Global Marcomms Manager, Detectortesters
© Detectortesters

GIT SICHERHEIT: Herr Beadle, als wir uns das letzte Mal unterhielten, hatte Detectortesters gerade seine erste digitale Lösung, DT Connect, auf den Markt gebracht. Wie hat sich das weiterentwickelt?

Stephen Beadle:
DT Connect markierte den Beginn unseres Portfolios vernetzter Prüfgeräte und ermöglichte es Brandschutztechnikern, von einer Lösung zu profitieren, die funktionale Rauch- und Wärmeprüfungen mit einem automatischen digitalen Prüfnachweis kombinierte. Seit der Markteinführung hat die Lösung ihren Wert für den globalen Brandschutzmarkt unter Beweis gestellt: Bislang haben Anwender mehr als 500.000 Brandmelder geprüft und dabei Prüfberichte für über 15.000 Standorte in 50 Ländern erstellt.

Können Sie uns noch einmal erläutern, welchen Zweck DT Connect erfüllt und wie es sich in die traditionellen Prüfgeräte einfügt, für die Sie bekannt sind?  
Stephen Beadle: Wir haben DT Connect eingeführt, um dem wachsenden Bedarf gerecht zu werden, nachweisen zu können, dass Funktionsprüfungen von Brandmeldern tatsächlich stattgefunden haben. Die zentrale technische Herausforderung bestand darin, eine zuverlässige Methode zu entwickeln, um die Auslösung des Melders am Ort der Prüfung unabhängig zu bestätigen – also live und direkt vor Ort zu bestätigen, dass der Melder ordnungsgemäß funktioniert und bei Einleitung von Rauch oder Wärme ausgelöst hat.
Um dies zu bewältigen, wurde DT Connect mit dem XTR2 kombiniert. XTR2 ist unser fortschrittlichstes Funktionstest-Prüfgerät, das die schnelle Prüfung auf Rauch und Wärme mit einem einzigen Gerät ermöglicht. Im Testbecher befinden sich 21 optische Sensoren, die die vom Melder erzeugten optischen Alarmanzeigen erkennen, sobald dieser in den Alarmzustand wechselt, und das Ergebnis über Bluetooth an die DT Connect-App übermitteln. Die Software zeichnet dieses Prüfergebnis automatisch zusammen mit Datum, Uhrzeit und Standort auf, um den endgültigen Prüfnachweis für jeden Melder vor Ort zu liefern.
Aufgrund der Nachfrage von Anwendern unserer herkömmlichen Prüfgeräte konnten wir DT Connect inzwischen auch für Nutzer von Produkten aus unserer Solo-Reihe einführen.

Man mit braunen Haaren und weißem Hemd
Oliver Doerle, Head of Customer Experience & Industry Affairs, Detectortesters
© Detectortesters

Herr Dörle, Daten und Compliance sind große Themen in der Branche. Wie unterstützen Sie Brandschutzfachleute dabei, Herausforderungen in diesen Bereichen zu meistern?

Oliver Dörle:
Die Herausforderung besteht darin, dass Compliance oft mit mehr Papierkram verbunden ist. Techniker würden ihre Zeit lieber damit verbringen, sicherzustellen, dass Brandschutzsysteme ordnungsgemäß funktionieren, als Berichte auszufüllen. Mit XTR2 und DT Connect haben wir Prüfung und Berichterstellung in einem einzigen Arbeitsablauf vereint. Die erfassten Prüfdaten werden zur Erstellung professioneller Compliance-Berichte verwendet, die Fachfirmen an ihre Kunden weitergeben können und die einen sofortigen Nachweis über die durchgeführten Arbeiten liefern – ganz ohne manuelle Dateneingabe.
Das Ergebnis ist einfach: Brandschutztechniker verbringen weniger Zeit mit Verwaltungsaufgaben und mehr Zeit mit dem Brandschutz, während Gebäudeeigentümer klare, überprüfbare Nachweise darüber erhalten, dass die Melder-Prüfungen stattgefunden haben. Der Techniker führt die Prüfung wie gewohnt durch; die Berichterstellung erfolgt automatisch im Hintergrund.

Warum sind diese Themen Ihrer Meinung nach so wichtig geworden? Was treibt den Fokus auf die Einhaltung von Vorschriften an?  

Oliver Dörle:
Ein Grund dafür ist das gestiegene öffentliche Bewusstsein nach schweren Brandkatastrophen, darunter auch die Grenfell-Katastrophe in Großbritannien. Wenn solche Ereignisse eintreten, richtet sich die Aufmerksamkeit darauf, ob Brandschutzsysteme ordnungsgemäß gewartet wurden und ob es Belege dafür gibt. Gleichzeitig sind sich Gebäudeeigentümer und Verantwortliche ihrer Pflichten zunehmend bewusst geworden. Auch wenn Prüfungen und Wartungsarbeiten oft an spezialisierte Auftragnehmer delegiert werden, liegt die Verantwortung letztendlich beim Gebäudeeigentümer.
Auch die Technologie hat die Diskussion verändert. Fortschritte bei Cloud-Plattformen, vernetzten Geräten und der digitalen Datenerfassung bedeuten, dass es nun weitaus einfacher ist, Compliance-Daten zu erfassen und zu verwalten. Nimmt man all diese Faktoren zusammen, wird schnell klar, warum Compliance zu einem so wichtigen Branchenthema geworden ist.

Sie erwähnen, dass es viele Unternehmen gibt, die Tools zur Unterstützung der Compliance anbieten. Was hat zur Zusammenarbeit mit Datolution geführt?

Stephen Beadle:
Viele größere Fachfirmen nutzen bereits eigene oder fremde Compliance-Plattformen. Das bedeutet, dass zwar viele Nutzer direkt mit DT Connect arbeiten, andere jedoch eine Integration der Prüfdaten in umfassendere Compliance- und Anlagenmanagementsysteme benötigen.
Wir haben diesem Bedarf durch die Entwicklung eines Software Development Kits (SDK) Rechnung getragen, das es anderen Anbietern von Softwarelösungen ermöglicht, eine Anbindung an die XTR2-Prüfdaten herzustellen und die erfassten Daten anschließend in ihren eigenen Plattformen zu nutzen. Dadurch können die während der Funktionsprüfung erstellten Ergebnisse mit anderen Daten kombiniert werden, die während des Vor-Ort-Besuchs erfasst wurden. Dies hilft Fachfirmen dabei, umfassendere Berichte zu erstellen, auf die von einer einzigen Plattform aus zugegriffen werden kann. Datolution ist eines der Unternehmen, mit denen wir in diesem Bereich zusammenarbeiten, neben weiteren Partnern in Großbritannien.

Hand hält Smartphone mit geöffneter Prüf-App neben einem schwarzen...
Die Smartryx-App unterstützt Techniker während des Vor-Ort-Besuchs und ermöglicht eine echte Ein-Personen-Wartung
© Detectortesters
Junge Frau mit blonden Haaren und schwarzem Shirt
Aljona Ijoschina, Geschäftsführerin, Datolution GmbH
© Detectortesters

Frau Ijoschina, „Datolution“ scheint eine Kombination aus den Begriffen „Daten“ und „Revolution“ zu sein. Könnten Sie uns das dahinterstehende Konzept bitte einmal vorstellen?

Aljona  Ijoschina
: Datolution ist in der Tat eine bewusste Verschmelzung aus Daten, Revolution und dem englischen Wort Solution. Als Teil der Schraner-Group sind wir in der Brandmeldebranche zuhause. Hier entstehen tagtäglich wichtige Systemdaten. Überraschenderweise werden diese Daten bis heute nur zu einem Bruchteil ausgewertet und genutzt.
Unsere „Revolution“ besteht also darin, komplexe Daten sicherheitstechnischer Anlagen intelligent nutzbar zu machen. Kurz gesagt, wir machen aus reinen Anlagendaten echte Lösungen und sparen unseren Kunden dadurch Zeit, Nerven sowie Aufwand. Da der Schutz dieser sensiblen Daten für uns absolute Priorität hat, betreiben wir seit April 2022 ein Informationssicherheits-Managementsystem (ISMS), welches Anfang 2023 nach ISO/IEC 27001 erstmalig zertifiziert und Anfang 2026 rezertifiziert wurde.

Das zentrale Tool ist Ihre Smartryx-App, die einerseits für Feuerwehren verfügbar ist – und andererseits auch in Form der hier relevanten Wartungs-App. Wie funktioniert sie und welche Funktionen bietet sie?

Aljona  Ijoschina:
Richtig, mit unserem Smartryx-System digitalisieren wir Brandmeldeanlagen – und das konsequent herstellerneutral. Die Funktionsweise ist schnell erklärt: Zuerst wird die Anlagenprogrammierung in unsere SmartSecure-Cloud hochgeladen, wodurch ein virtuelles, statisches Abbild der Anlage entsteht. Um sie kommunikationsfähig zu machen, ist ein Gateway dazwischengeschaltet. Wer die Anlage 24/7 überwachen möchte, installiert ein festes Gateway. Für reine Wartungszwecke reicht meist ein mobiles Gerät. Das Gateway überträgt dann alle Live-Meldungen wie Alarme oder Störungen sicher auf unseren Server. Über anwendungsspezifische Apps können diese Informationen dann ortsunabhängig für das Meldungs-, Störungs- oder das Wartungsmanagement genutzt werden.
Besonders bei der Wartung spielt das System seine Stärken aus: Bevor es zum Kunden geht, wird in der Cloud mit wenigen Klicks ein normkonformer Prüfplan generiert. Der Techniker öffnet diesen in seiner Smartryx-Maintenance App und sieht auf einen Blick, was zu tun ist. Da die App über das mobile Gateway live mit der Anlage verbunden ist, ermöglichen wir eine echte 1-Mann-Wartung. Der Techniker sieht sofort, ob er einen Melder mit Prüfgas ausgelöst hat. Das lästige Nachfragen per Funk bei einem Kollegen an der Zentrale entfällt, denn Smartryx hakt den Melder automatisch als erfolgreich geprüft ab. Ist der Einsatz beendet, reicht ein Klick auf ‚Abschließen‘. In genau diesem Moment generiert das System ein lückenloses und normgerechtes PDF-Protokoll – inklusive aller Bemerkungen, Fotos und digitaler Unterschriften. Der Techniker kann diesen Bericht sofort an den Betreiber mailen.
Kurz  gesagt: Wir reduzieren den Personalaufwand, setzen der fehleranfälligen Zettelwirtschaft ein Ende und machen den gesamten Prozess schnell, transparent und vor allem rechtssicher.

Smartphone mit Login-Bildschirm der Wartungssoftware SMARTryx vor einem...
Die Smartryx-App hilft Ingenieuren, Serviceeinsätze vor Ort effizient zu organisieren, und ermöglicht die Wartung durch nur eine Person.
© Detectortesters

Heutige Brandmelder und Brandmeldezentralen sind datengesteuert, vernetzt und können per Fernzugriff gewartet werden. Welche besonderen Merkmale und neuen Möglichkeiten bieten Ihre Lösung und Ihre Zusammenarbeit?

Oliver Dörle:
Bei der Markteinführung war es unser Ziel, die Prüfung von Brandmeldern zu digitalisieren und zuverlässige Prüfberichte zu erstellen. Unsere Zusammenarbeit mit Datolution stellt die nächste Etappe auf diesem Weg dar, indem sie die Prüfdaten der Brandmelder mit Informationen aus anderen Bereichen des Brandschutzsystems verknüpft.
Ein gutes Beispiel ist der Fall, wenn ein Techniker einen Brandmelder testet. Wenn der Melder korrekt anspricht, ist dieses Ereignis an der Brandmeldezentrale zu erkennen. Wenn jedoch ein Melder getestet wird und aufgrund eines Defekts nicht anspricht, zeigt die Zentrale nicht unbedingt an, dass der Melder getestet wurde und defekt ist. Durch die Kombination von Daten aus XTR2 mit Informationen aus der Brandmeldezentrale erhalten Techniker ein viel klareres Bild. Sie können nicht nur sehen, welche Melder erfolgreich ausgelöst haben, sondern auch, welche Melder getestet wurden und einer weiteren Prüfung bedürfen. Dies liefert einen besseren Nachweis für die Systemleistung und die durchgeführten Wartungsmaßnahmen.

Aljona  Ijoschina: Der große Mehrwert liegt in der nahtlosen Integration der Technologien beider Unternehmen in einer einzigen Anwendung. So wird die Bestätigung einer erfolgreichen Melderprüfung nun intelligent synchronisiert. Die Smartryx-Maintenance App verarbeitet sowohl das Signal aus der Brandmeldeanlage als auch die Bestätigung des Prüfgeräts XTR2. Indem wir diese zwei zuvor getrennten Prozesse zu einem smarten Arbeitsschritt vereinen, erzielen wir eine enorme Zeitersparnis für den Techniker.
Ein weiterer entscheidender Vorteil ist die direkte Bedienbarkeit des XTR2. So hat man über unsere App nicht nur die Betriebszustände im Blick, sondern kann zudem während der Wartung intuitiv den Betriebsmodus umschalten.

Schauen wir uns das einmal etwas genauer an: Wie sieht die Integration von Detectortesters in die Lösungen von Datolution konkret aus und welche wesentlichen Vorteile ergeben sich daraus für Techniker und Betreiber?

Aljona  Ijoschina:
Im Kern sorgt die Digitalisierung des gesamten Wartungsprozesses für maximale Transparenz und einen beschleunigten Informationsfluss zwischen allen Beteiligten. Daraus ergeben sich entscheidende Mehrwerte. Für den Betreiber bedeutet es in erster Linie volle Transparenz, da die Wartungsergebnisse sofort nachvollziehbar sind, was das Vertrauen in die Arbeit des Errichters enorm stärkt. Dem Techniker bringt das Ganze eine hohe Prozesssicherheit für den Techniker, denn wenn die Rückmeldung des XTR2 nahtlos mit den Smartryx-Meldungen übereinstimmt, hat er schon direkt vor Ort sofortige Gewissheit über seine Arbeit. Und am Ende profitieren alle von rechtssicheren Nachweisen, weil der gesamte Wartungsverlauf durch die digitale Dokumentation lückenlos belegt werden kann – ganz gleich, ob gegenüber Auditoren oder Sachverständigen.

Der Brandschutz wird zunehmend Teil integrierter Gebäudekonzepte, bei denen der Fokus nicht ausschließlich auf Sicherheitsfunktionen liegt. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Oliver Dörle:
Ich halte dies für eine der wichtigsten Entwicklungen, die unsere Branche prägen. Gebäude werden zu immer stärker vernetzten Umgebungen, und Kunden erwarten, dass verschiedene Technologien und Systeme nahtlos zusammenarbeiten.
Kein einzelnes Unternehmen kann in jedem Aspekt des Gebäudemanagements Experte sein. Bei Detectortesters liegt unsere Expertise in der Prüfung von Brandmeldern, aber das ist nur ein Teil eines viel umfassenderen Ökosystems.

Aljona  Ijoschina: Wir sehen diese Entwicklung als absolut notwendig an. Brandmeldeanlagen waren lange autarke Systeme, deren wertvolle Daten im Gebäude verborgen blieben. Die Integration in ganzheitliche Gebäudeplattformen ändert das grundlegend.
Für uns bestätigt dieser Trend unseren eigenen Ansatz: Wir müssen Brandmeldedaten aus der Isolation befreien. Eine moderne Brandmeldeanlage ist im Grunde ein hochverfügbares, normiertes Sensornetzwerk, das das gesamte Gebäude durchzieht. Wenn wir diese Daten über Cloud-Technologien und offene Schnittstellen in übergeordnete Plattformen integrieren, stiften sie einen enormen Mehrwert – weit über die reine Gefahrenmeldung hinaus. Die Kernfunktion der Lebensrettung bleibt dabei unangetastet, aber die Systemdaten helfen plötzlich dabei, das Facility Management zu optimieren oder prädiktive Instandhaltung zu ermöglichen.
In diesem Ökosystem sehen wir uns als die Spinne im Netz, die die Brücke zwischen streng normierter Sicherheitstechnik und modernen Plattformen schlägt. Dafür setzten wir gezielt auf intelligente Cloud-to-Cloud Verbindungen und starke Partnerschaften, wie etwa unsere Kooperation mit Detectortesters.

Vier Personen präsentieren auf einem Messestand einen Prüfkopf für...
Die Partnerschaft zwischen Detectortesters (DT) und Datolution wurde auf der FeuerTrutz in Nürnberg bekannt gegeben. V.l.n.r.: Gareth Dibden, Senior Customer Success Manager (DT), Markus Koschade, Business Development Manager (DT), Aljona Ijoschina, Mitgeschäfts­führerin (Datolution), Stephen Beadle, Global Marcomms Manager (DT)
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