Galileo-Dreh: Stressiger als jeder Einbruch

Als wir GIT-Redakteure am 20. Oktober 2021 den Fernseher anschalteten, staunten wir nicht schlecht – denn die Sendung Galileo auf Pro Sieben hatte ein echtes GIT-Thema aufgegriffen.

In der aktuellen Folge lief der Beitrag „Einbruch in eine Solaranlage – Sicherheitsexperten im Einsatz“. Einbrüche in abgesicherte Perimeter, Pyrotechnik, Drohnen – und mit Markus Piendl und Hannes Dopler kamen zwei Fachleute zu Wort, die Lesern der GIT SICHERHEIT und Besuchern der Wiley Industry Days, WIN>DAYS schon lange vertraut sind. Zusammen mit Galileo-Redakteur Timm Jaspert und den ­außerdem an der Sendung beteiligten Angela Bschorr, René Steinkellner und Torsten Ulmer gewähren sie GIT SICHERHEIT einen Blick hinter die Kulissen der Produktion der Sendung.

Herr Jaspert, Sie sind freiberuflicher Galileo-Redakteur. Herzlichen Glückwunsch zu diesem sehr gelungenen Bericht. Wie kamen Sie auf die Idee, eine Reportage über Sachverständige zu drehen?

Timm Jaspert: Ich hatte in verschiedenen Publikationen von Piendl und Dopler gelesen. Dass in Solarparks eingebrochen wird, war mir bis dato nicht bewusst. Da dieses Problem im Zuge der Energiewende noch größer wird, haben wir uns entschieden, darüber zu berichten. Aufhänger der Geschichte sollte die Tätigkeit der Sachverständigen sein. Wer bricht schon beruflich legal ein?!

Wie muss ein Bericht für Galileo gestaltet sein, um die Zuschauer in den Bann zu ziehen?

Timm Jaspert: Es muss ein Thema sein, das den Alltag der Zuschauer berührt. Jeder kennt Solarparks und ist schon mal an ihnen vorbeigefahren. Jeder kennt Zäune und Sicherheitskameras. Die wenigsten dürften aber wissen, dass es Menschen gibt, die diese Systeme unter Realbedingungen testen. Unsere Zielgruppe hat nicht zwangsläufig einen technischen Hintergrund. Deshalb müssen wir alles leicht verständlich und in Alltagssprache erklären. Fernsehen ist anders als Zeitung. Man hat nur eine Chance, es direkt zu verstehen. Und der Beitrag muss fesseln.

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Welchen Fokus sollte Ihr Bericht haben?

Timm Jaspert: Dreh- und Angelpunkt waren die beiden Sachverständigen. Das ist ein ungewöhnlicher Beruf. Was machen solche Experten, was können Sie, wer beauftragt sie und wie gehen sie vor? Wie wird man Sachverständiger? Diese Fragen wollten wir beantworten.

Welche Herausforderungen beim Dreh gab es?

Timm Jaspert: Redaktionell war der Dreh nicht schwierig. Bei solchen Reportagen sind wir nur stille Begleiter. Die Protagonisten sollen das tun, was sie immer machen. Wir stellen zwischendurch nur Fragen. Schwierig war die technische Seite. Normalerweise drehen wir bei Tageslicht. Falls es mal dunkel ist, werfen wir die Scheinwerfer an. Das ging diesmal nicht und wir mussten mit Nachtsichtkameras drehen. Normalerweise wird der Ton direkt in der Kamera aufgezeichnet; das können Nachtsichtkameras nicht vernünftig. Deshalb haben wir extra Audio-Rekorder für die beiden Sachverständigen benutzt.

Sie haben sich für zwei Drehorte entschieden. Beim ersten Drehort gelang Piendl und Dopler mit Ihnen im Schlepptau der Einbruch. Beim zweiten Drehort funktionierte die Sicherheitskette inklusive ­einer Verifikation durch eine alarmgesteuerte Drohne.

Timm Jaspert: Beim ersten Drehort war der Abtransport von Modulen und Kabeln problemlos möglich. Als Laie denkt man, dass am anderen Ende der Sicherheitskamera irgendjemand sitzt und einen sieht. Am zweiten Drehort konnte man sehen, dass dort eine andere Klasse von Sicherheitstechnik verbaut wurde. Nach wenigen Metern ging der Alarm auf Basis passiver Infrarotmelder und Videoanalyse trotz vorsichtigen Vorgehens von Piendl und Dopler los. Interessant für mich war zu sehen, mit welcher Freude die beiden sich mit der Drohne, die alarmgesteuert aufgestiegen war, auseinandergesetzt haben: Pyrotechnik zur Verschleierung der eigenen Position, Blendungen mit Laser, Positionswechsel, die Aufteilung der Gruppe und so weiter. Der Arbeitsalltag scheint sehr abwechslungsreich zu sein. Selbst, wenn man zum hundertsten Mal einbricht, ist es immer ein Stück weit anders und spannend. Dass Piendl/Dopler nicht alle Tricks verraten wollten und konnten war klar – einiges ist Experten vorbehalten ist und das ist auch gut so.

Was nehmen Sie für sich aus den beiden Drehs mit?

Timm Jaspert: Beim nächsten Dreh in absoluter Dunkelheit profitieren wir von den gesammelten Erfahrungen. Zukünftig schaue ich genauer auf den Bereich Sicherheitstechnik. Selbst Solarparks auszuräumen kommt, trotz jetzt vorhandenem kleinem Täterwissen, nicht in Frage...

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Das beruhigt uns. In der Medienwelt ist ja die Frage nach der Quote und die Rückmeldung der Redaktion von großer Wichtigkeit. Wie zufrieden waren Sie?

Timm Jaspert: Der Bericht hat den Zuschauern gefallen. Das sehen wir an der Kurve. Nach zehn Minuten waren es mehr als vorher – das ist immer gut. Auch die Redaktion war sehr zufrieden. Bei Youtube stehen wir aktuell bei über 66.000 Zusehern. Insgesamt also ein Erfolg.

Herr Ulmer und Herr Steinkellner, wie war es für Sie als Hersteller und Errichter von Sicherheitstechnik, wenn auch indirekt, im Rampenlicht zu stehen?

Torsten Ulmer: Ich wusste, dass unsere Videoanalyse und die passiv Infrarotdetektoren präzise detektieren würden. Besonders beeindruckend für mich war die Zweit-Verifikation durch die von Condor Schutz- und Sicherheit eingesetzte Nightingale Security Drohne. Das ist für mich die Zukunft der Perimeter-­Sicherheit. Zuverlässige Sensoren vor Ort und eine Drohne für den Fall der Fälle die Täter bindet.

René Steinkellner: Wir haben als Errichter mit der von uns verbauten Lösung den harten, aber fairen Testversuchen von Piendl und Dopler Stand gehalten. Unser Leitstellenpartner Sicherheit Nord hat exzellent reagiert. Ich war ebenfalls sehr positiv überrascht von der Drohnenverifikation. Wie schnell und sicher die Drohne in der Luft war, dass sich der Pilot nicht blenden oder abschütteln ließ – das hat mir sehr imponiert.

Herr Piendl, Herr Dopler, wie war der Tag der Ausstrahlung für Sie beide?

Markus Piendl: Wir haben uns lange überlegt, ob wir für dieses Projekt zusagen. Wir wollten einerseits keine potenziellen Täter aufschlauen. Andererseits wollten wir darauf aufmerksam machen, wie unterschiedlich Perimetersicherheit-Lösungen funktionieren.

Hannes Dopler: Am Tag der Ausstrahlung vor dem Fernseher zu sitzen und nicht zu wissen, was in den kommenden elf Minuten gezeigt wird, war stressiger als jeder Einbruch.

 

GIT-Video: 
Interviews mit Solarpark-Eigentümerin Angela Bschorr, René Steinkellner von Styx Sicherheitstechnik, Torsten Ulmer von Honeywell - und der Video-Mitschnitt aus der Video-Drohne, die den Sachverständigen Piendl/Dopler auf den Spuren war und sie verfolgt hat.

Lese-Tipp:
Über Perimeterschutz­ für abgelegene ­Solarparks haben wir mit den hier am Dreh Beteiligten ausführlich auch in GIT SICHERHEIT 5/21 gesprochen – siehe Beitrag „Draußen bei den Wildschweinen“ auf Seite 28. Der Bericht ist digital kostenfrei hier erhältlich.

Quellen:
Sachverständigenbüro Markus Piendl: www.markuspiendl.com
Novar Honeywell: www.honeywell.com/us/en/company/about-us
Styx Sicherheitstechnik: www.styx-systems.at
Timm Jaspert: www.mediaallstars.de
Video-Link Galileo auf Youtube: https://bit.ly/30guyGy
Condor: www.condor-drones.de
Nightingale: www.nightingalesecurity.com

 

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