24.08.2026 • Topstory

Praxisnahe Weiterbildung für Schutz, Rettung und Sicherheit

Die VFDB-Akademie soll als zentrale Plattform für den Wissenstransfer dienen – mit praxisnahen, wissenschaftlich fundierten Schulungen sowie Fachveranstaltungen. Die Leitung übernimmt die Erwachsenenbildnerin Annick Gauthier. GIT SICHERHEIT hat mit ihr gesprochen.

Referent vor Präsentation vor Tischreihe
Die vfdb-Akademie soll als zentrale Bildungsplattform für Schutz, Rettung und Sicherheit etabliert werden
© vfdb
Porträt einer Person mit kurzen grauen Haaren in dunklem Hemd vor schwarzem Hintergrund
Annick Gauthier hat die Leitung der vfdb-Akademie übernommen
© vfdb

GIT SICHERHEIT, Frau Gauthier, können Sie zunächst einmal etwas über das generelle Programm der vfdb-Akademie sagen? Was möchten sie bieten, was es auf dem Weiterbildungsmarkt noch nicht gibt? 

Annick Gauthier: Die vfdb-Akademie besitzt ein wirkliches Alleinstellungsmerkmal: Sie versteht sich als unabhängige und neutrale Transferplattform, die Forschung, Regelwerksarbeit und praktische Anwendung miteinander verbindet. Unser Anspruch ist es, das aktuelle Wissen aus den Fachreferaten der vfdb, aus Forschungsprojekten sowie aus dem breiten Expertennetzwerk von Schutz, Rettung und Sicherheit in hochwertige, unmittelbar praxisrelevante Weiterbildungsangebote zu überführen.
Der Weiterbildungsmarkt ist bereits sehr vielfältig und es gibt qualitativ hochwertige Angebote – und vielfach bilden die Richtlinien und Merkblätter der vfdb die Grundlage für diese Weiterbildungsangebote. Neu ist nun, dass wir mit der vfdb-Akademie die direkte Vermittlung anbieten: Die Expertinnen und Experten, die unsere Richtlinien erarbeitet haben, vermitteln sie auch.  

Welche Themen sind derzeit aktuell in der Akademie? 

Annick Gauthier: In den letzten Monaten haben wir Merkblätter zu den Themenkomplexen „Löschwasserzusätze bei Vegetationsbränden“, „Einsatz von Bodycams bei der nichtpolizeilichen BOS“, „Wiederkehrende Prüfung von Vollkomposite-Atemluftflaschen (Typ 4)“ und „Empfehlungen zur Vorgehensweise bei der Implementierung eines Human-Biomonitoring-Systems für Einsatzkräfte“ herausgegeben. Hinzu kommen der Technische Bericht 07-01 „Leitfaden zur Erstellung von georeferenzierten Feuerwehrplänen“ und die Richtlinie 08-30 „Schulung zum Umgang mit PSA (Leitfaden für die Aus- und Fortbildung)“. Diese Auswahl zeigt, dass es ein großes Potenzial an verfügbaren Seminarinhalten gibt.
Darüber hinaus fließen bei uns auch die Erkenntnisse aus Forschungsergebnissen in die Seminare ein. Damit entsteht ein unmittelbarer Transfer von der fachlichen Erarbeitung in die Anwendungspraxis – schnell, unabhängig und qualitätsgesichert. Gleichzeitig schaffen wir einen Raum, in dem sich Fachleute aus Feuerwehren, Hilfsorganisationen, Behörden, Wissenschaft, Wirtschaft und weiteren sicherheitsrelevanten Bereichen begegnen. Die Akademie ist damit weit mehr als ein Bildungsanbieter: Sie ist eine neutrale Plattform, die alle relevanten Stakeholder zusammenführt und einen übergreifenden Austausch ermöglicht.

Sie haben die Leitung der Akademie übernommen. Welche strategischen Ziele verfolgen Sie in dieser Funktion?

Annick Gauthier: Mein Ziel ist es, die vfdb-Akademie als eine zentrale und anerkannte Bildungsplattform für die Themen Schutz, Rettung und Sicherheit zu etablieren. Dabei stehen für mich drei Aspekte im Vordergrund: Qualität, Aktualität und Praxisnutzen.
Wir wollen ein Angebot schaffen, das wissenschaftlich fundiert ist, gleichzeitig aber auch auf die konkreten Herausforderungen in den Feuerwehren, Hilfsorganisationen, Firmen und Behörden eingeht. Dazu gehört auch, neue Lernformate zu entwickeln, die Präsenzveranstaltungen, digitale Angebote und interaktive Trainings sinnvoll miteinander verbinden.
Ein weiteres strategisches Ziel ist der Ausbau eines starken Partnernetzwerks. Nehmen wir ein Beispiel. Die Herausforderungen im Bevölkerungsschutz werden immer komplexer und auch dynamischer; diverse Aspekte und Akteure sind involviert. Da macht es aus meiner Sicht absolut Sinn, nach Kooperationspartnern zu schauen, mit denen wir möglichst passgenaue Angebote entwickeln können.
Wir sind im vergangenen Jahr gestartet und konnten bereits erste Veranstaltungen erfolgreich umsetzen. Ich bin überzeugt, dass wir in den kommenden Jahren noch viele Potenziale nutzen können.

Die Praxisnähe wird bei Ihnen besonders betont. Wie soll diese erreicht werden?

Annick Gauthier: Praxisnähe beginnt bereits bei der Themenauswahl. Unsere Inhalte orientieren sich an realen Fragestellungen aus Einsatzpraxis, Planung, Ausbildung. Unserer Referentinnen und Referenten verfügen selbst über umfangreiche Erfahrungen in den Feuerwehren und Hilfsorganisationen, der Verwaltung, Forschung oder auch der Industrie.
Darüber hinaus setzen wir auf anwendungsbezogene Formate. Neben Fachvorträgen sollen Fallstudien, Workshops, Übungen und Erfahrungsaustausche eine wichtige Rolle spielen. Ein Beispiel dafür sind Veranstaltungen, die auf vfdb-Merkblättern oder Forschungsergebnissen aufbauen und deren Inhalte direkt in praktischen Szenarien erprobt werden können. Ein gutes Beispiel ist unser unlängst durchgeführtes Seminar zu Straßenbahnunfällen. Es basiert auf dem Merkblatt 06-14 „Technische Hilfeleistung bei Unfällen mit Straßen- und U-Bahnen“.
Unser Anspruch ist, dass die Teilnehmenden nicht nur Informationen erhalten, sondern konkrete Lösungsansätze und Handlungsempfehlungen für ihren Arbeitsalltag mitnehmen.

Es gibt bereits eine Partnerschaft mit Evac Train. Worin besteht sie? Wird es weitere derartige Kooperationen geben?

Annick Gauthier: Die Kooperation mit Evac Train ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie wir wissenschaftliche Expertise und praktische Ausbildung miteinander verbinden möchten. Gemeinsam entwickeln wir digitale und präsenzbasierte Weiterbildungsformate. Darüber hinaus unterstützt Evac Train die Akademie insbesondere bei Themen mit Forschungsbezug und bei der Entwicklung innovativer Trainingskonzepte. Am 9. September führen wir ein Angebot zur Evakuierung von Menschen mit Beeinträchtigungen in Münster durch – ein großes Thema, das bisher noch viel zu wenig thematisiert wird. Dabei werden wir Tools und Methoden einsetzen, mit denen die Teilnehmenden Beeinträchtigungen am eigenen Körper erleben können und die Herausforderungen von der anderen Seite wahrnehmen lassen. Auf diese Weise wird die Vermittlung deutlich intensiver und nachhaltiger. Für die Zukunft wollen wir weitere Partnerschaften aufbauen. Die vfdb verfügt über ein umfangreiches Netzwerk aus Wissenschaft, Behörden, Organisationen und Unternehmen. Dieses Potenzial möchten wir nutzen, um zusätzliche Kompetenzen einzubinden und das Angebot der Akademie kontinuierlich zu erweitern.

Welche aktuellen Projekte stehen gerade bzw. in der nächsten Zeit an?

Annick Gauthier: Derzeit arbeiten wir am weiteren Ausbau des Akademieprogramms und an der Entwicklung neuer Veranstaltungsformate. Ein Schwerpunkt liegt darauf, aktuelle Erkenntnisse aus Forschung und Regelwerksarbeit in konkrete Bildungsangebote zu überführen. Zu den nächsten Veranstaltungen gehören unter anderem Formate zum Explosionsschutz oder zum „Bau von Feuerwehrhäusern der Zukunft“. Dabei greifen wir gezielt aktuelle Herausforderungen auf und verbinden fachlichen Austausch mit praxisnahen Fragestellungen und Lernmethoden.
Darüber hinaus beschäftigen wir uns intensiv mit der Frage, wie Weiterbildung im Bereich Schutz, Rettung und Sicherheit künftig aussehen muss. Digitalisierung, neue Technologien und sich verändernde Gefahrenlagen werden dabei eine wichtige Rolle spielen. Die vfdb-Akademie soll ein Ort sein, an dem diese Zukunftsthemen frühzeitig aufgegriffen und gemeinsam gestaltet werden.

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