Sicherheit im Labor
Druckgasflaschen bergen immenses Gefahrenpotential für Mensch und Umwelt. Sichere Lagerung und sorgsamer Umgang bei Berücksichtung aller Schutzmaßnahmen und Vorschriften ist unabdi...


Druckgasflaschen bergen immenses Gefahrenpotential für Mensch und Umwelt. Sichere Lagerung und sorgsamer Umgang bei Berücksichtung aller Schutzmaßnahmen und Vorschriften ist unabdingbar. Welche Richtlinien und Bestimmungen es gibt, was der Mensch beachten sollte und wie man Druckgasflaschen sicher lagert, darüber sprechen wir mit Karl-Heinz Möhn und Sven Sievers, Experten für Fragen zum Umgang mit Gefahrstoffen aus dem Hause Asecos.
GIT-SICHERHEIT.de: Welche Gefahr geht von Druckgasflaschen bzw. deren Inhalt aus?
K.-H. Möhn: Die Flaschen mit dem Druckgas können unter unglücklichen Umständen bersten, explodieren oder auch entflammen. Strömt Gas aus der Flasche, so kann dies bei unsachgemäßer Lagerung zu Vergiftungen oder auch Verätzungen führen.
Wo werden Druckgasflaschen hauptsächlich eingesetzt?
S. Sievers: Vor allem in Laboren, z. B. in Instituten und Universitäten, werden die Druckgase benötigt. Auch in der Industrie gibt es Einsatzbereiche, bspw. bei der Halbleiterfertigung.
Wie können die Mitarbeiter und alle anderen Menschen im Umfeld geschützt werden?
S. Sievers: Spezielle Sicherheitsschränke bieten Schutz. Die Anforderungen variieren dabei. Beispielsweise ist das Lagern der Druckgasflaschen nah am Arbeitsplatz und damit eben direkt beim Arbeitsprozess im Labor häufig besser als eine Außenlagerung. Dann müssen die Schränke feuerwiderstandsfähig sein. Die Schränke müssen also gewährleisten, dass die innen gelagerten Flaschen mit Druckgasen für eine festgelegte Mindestzeit vor Hitze im Brandfall geschützt sind. Es gibt G15; G30; G60 oder G90 klassifizierte Schränke, die Zahl sagt dabei aus, wie viele Minuten sich das Schrankinnere der Flammenhitze von außen widersetzen kann. Und unabdingbar ist selbstverständlich der sorgsame Umgang mit den Gefahrstoffen bei Einhaltung aller Schutzvorschriften für jeden Beteiligten.
Was ist das Besondere an diesen Druckgas-Sicherheitsschränken?
K.-H. Möhn: Aufgrund der besonderen Eigenschaften von Gasen, die unter starkem Druck in den Behältern gelagert sind, werden bei der Brandprüfung dieser Schrankkategorie viel höhere Anforderungen gestellt als an Schränke für bspw. brennbare Flüssigkeiten: Statt einer Temperaturerhöhung von 180 Kelvin werden bei Druckgaslagerung nur 50 Kelvin zugelassen. Es muss immer den tatsächlichen Anforderungen der einzelnen Gefahrstoffe Rechnung getragen werden, die gelagert werden sollen.
S. Sievers: 90 Minuten Feuerwiderstandsfähigkeit, die ein Schrank unter diesen Bedingungen garantiert, sind die Zeit, die die Menschen haben, um sich in Sicherheit zu bringen, alle zu alarmieren, die Sicherheitsmaßnahmen einzuleiten - sprich, die Gefahr in den Griff zu bekommen und sich und alle anderen außer Gefahr zu bringen.
K.-H. Möhn: Hinzu kommt, dass bei der Lagerung toxischer Gase erhöhte Anforderungen an die technische Entlüftung des Schrankes gestellt werden. Neben der Ab- und Zuluft sorgen Luftkanäle für eine gleichmäßige Absaugung der Luft aus dem Schrankraum.
Welche Vertriebswege für die Druckgasflaschenschränke gibt es?
S. Sievers: Wir arbeiten eng mit Fachhändlern zusammen. Unsere umfassende Palette an Standardausführungen rund um Sicherheitsprodukte ist detailliert im Katalog ersichtlich. Aber natürlich gibt es oft auch Speziallösungen. An der Universität Linz sollte Asecos bspw. das Labor auf den neuesten Stand der Sicherheitstechnik bringen. Dabei sollten unterschiedliche Chemikalien und Gebindegrößen gesetzeskonform und gleichzeitig möglichst arbeitsplatznah gelagert werden. Die Druckgasflaschenschränke waren also ein Teil von insgesamt ca. 70 Sicherheitsschränken, die das Chemikalienlager bildeten. Jeder Schrank ist dabei für sich ein geschlossenes System, bildet aber im Lager mit den anderen Sicherheitsschränken ein Gesamtsystem.
Welche Gesetze und Richtlinien sind für Betriebe wichtig, wenn es um die Lagerung von Druckgasen geht?
K.-H. Möhn: In der Gefahrstoffverordnung wird auf bestimmte technische Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) verwiesen. Zu berücksichtigen sind auch die sog. TRG, technische Regeln für Gase (Druckgase), und auf europäischer Ebene die DIN EN 14 470-2. Oft sind sich die Kunden nicht ganz sicher, welche Lösungen sich gesetzeskonform in die bestehenden Gegebenheiten einbinden lassen. Denn in der Praxis geht es meist nicht nur um die Lagerung von Druckgasen, sondern von vielen verschiedenen Gefahrstoffen. Selbstverständlich unterstützen wir hier; dann kommt zunächst ein Experte vorbei und klärt den Bedarf.
Danke für das Gespräch.
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