31.08.2026 • Topstory

Smart Building: Wie intelligente Türsysteme zu wertvollen Datenquellen werden

Mit 163 Jahren Unternehmensgeschichte zählt Geze zu den traditionsreichsten Herstellern von Tür-, Fenster- und Sicherheitstechnik. Im Gespräch mit GIT SICHERHEIT erläutert Christoph Keller, Consultant Connectivity, wie sich Türsysteme zu intelligenten Datenquellen entwickeln, welche Rolle offene Schnittstellen spielen und warum Mechanik und Digitalisierung künftig untrennbar zusammengehören.

Zwei Personen im Gespräch bei einer „SicherMacher“-Podcastaufzeichnung an...
Christoph Keller, Consultant Connectivity bei Geze (rechts), Dr. Timo Gimbel vom Team GIT SICHERHEIT
© GIT SICHERHEIT/Wiley

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GIT SICHERHEIT: Herr Keller, Sie sind seit vielen Jahren bei Geze tätig. Wie sah Ihr Weg im Unternehmen aus?

Christoph Keller: Ich bin seit 25 Jahren bei Geze. Begonnen habe ich im Vertrieb in Süddeutschland mit dem gesamten Produktportfolio – von klassischen mechanischen Systemen über Türautomation bis hin zu sicherheitstechnischen Lösungen und Rettungswegsystemen. Anschließend war ich viele Jahre als Key Account Manager für Sicherheitstechnik tätig. Seit rund vier Jahren beschäftige ich mich als Consultant Connectivity mit der Digitalisierung unserer Produkte und ihrer Einbindung in vernetzte Gebäude.

Geze kommt ja ursprünglich aus der Mechanik. Gleichzeitig werden Gebäude heute immer stärker digitalisiert. Wie positioniert sich das Unternehmen in diesem Spannungsfeld?

Christoph Keller: Geze besteht seit 163 Jahren. Unsere Wurzeln liegen eindeutig in der Mechanik, und ich denke, man kann sagen, dass wir diese über Jahrzehnte hinweg kontinuierlich perfektioniert haben. Heute reicht eine rein mechanische Funktion jedoch nicht mehr aus. Türen und Fenster müssen zunehmend auch digital im Gebäude abgebildet werden.

Ich bin überzeugt, dass künftig sämtliche gebäuderelevanten Informationen digital verfügbar sein müssen. Erst dadurch entstehen Möglichkeiten, Daten intelligent auszuwerten und beispielsweise mit KI-Anwendungen weiterzuverarbeiten. Genau an dieser Schnittstelle zwischen perfekter Mechanik und digitaler Vernetzung bewegen wir uns heute. 

Welche Herausforderungen sehen Ihre Kunden derzeit besonders im Bereich vorbeugender Brandschutz sowie Flucht- und Rettungswege?

Christoph Keller: Die größte Herausforderung besteht darin, die umfangreichen Normen und Vorschriften sicher einzuhalten. Planer, Errichter und Betreiber müssen Gebäude normgerecht und gleichzeitig wirtschaftlich realisieren. Als Hersteller sehen wir unsere Aufgabe darin, Produkte bereitzustellen, die diese Anforderungen zuverlässig erfüllen. Gerade deutsche Hersteller verfügen hier über jahrzehntelange Erfahrung im Umgang mit anspruchsvollen Normen.

Auf der Feuertrutz präsentieren Sie unter anderem den neuen Türschließer TS 7000. Was zeichnet ihn aus?

Christoph Keller: Der TS 7000 bündelt praktisch das gesamte Know-how, das wir im Unternehmen über viele Jahre aufgebaut haben. Er steht für den aktuellen Stand der mechanischen Türschließtechnik. Ein wichtiger Aspekt ist das optimierte Öffnungsverhalten. Türen sollen sich leicht öffnen lassen – etwa für Kinder oder ältere Menschen –, gleichzeitig aber zuverlässig und kontrolliert schließen, ohne zuzuschlagen. Genau dieses ausgewogene Zusammenspiel war das Entwicklungsziel.

Mechanik bleibt also wichtig. Gleichzeitig investieren Sie stark in digitale Lösungen.

Christoph Keller: Genau. Neben der Mechanik beschäftigen wir uns intensiv mit Connectivity. Es geht darum, Türsysteme intelligent in Gebäude einzubinden und ihre Daten nutzbar zu machen. Ich glaube, Daten werden künftig eine noch wesentlich größere Rolle spielen – nicht zuletzt, weil qualifiziertes Personal immer knapper wird. Wenn Türen ihren Zustand selbst melden oder sich intelligent steuern lassen, können Betreiber Prozesse deutlich effizienter gestalten. So lassen sich Türen beispielsweise zeitgesteuert öffnen oder schließen, ihr Verriegelungszustand überwachen oder Störungen unmittelbar erkennen. Dabei geht es nicht primär um klassische Einbruchmeldetechnik, sondern um intelligentes Gebäudemanagement.

Welche Rolle spielen dabei offene Schnittstellen?

Christoph Keller: Eine sehr wichtige. Wir stellen die Informationen unserer Systeme über etablierte Protokolle wie BACnet oder OPC UA bereit. Dadurch können die Daten problemlos in Gebäudeleittechnik oder Leitstellen integriert werden. Der eigentliche Mehrwert entsteht durch die Weiterverarbeitung dieser Informationen. Ein einfaches Beispiel ist das Gebäudemanagement: Wenn ein Raum an einem Tag gar nicht genutzt wurde, muss er möglicherweise auch nicht gereinigt werden. Solche Informationen können unsere Systeme liefern und damit Prozesse effizienter gestalten.

In welche Richtung wird sich Geze nach Ihrer Einschätzung in den kommenden Jahren bewegen?

Christoph Keller: Im mechanischen Bereich werden wir unsere Produkte natürlich weiter optimieren. Gleichzeitig wird die digitale Vernetzung immer wichtiger. Ich bin überzeugt, dass die Verbindung aus hochwertiger Mechanik und intelligenter Digitalisierung das zentrale Zukunftsthema unserer Branche ist. Künstliche Intelligenz wird dabei ebenfalls eine zunehmende Rolle spielen. Sie ersetzt die Mechanik nicht – Türen und Fenster müssen weiterhin zuverlässig funktionieren. Aber sie hilft dabei, Systeme intelligenter zu steuern, zu überwachen und Wartungsbedarfe frühzeitig zu erkennen.

Das Ziel ist also die vollständige Integration in Smart Buildings?

Christoph Keller: Genau. Gebäude werden künftig immer stärker digital vernetzt sein. Unsere Aufgabe besteht darin, hochwertige mechanische Produkte zu entwickeln und gleichzeitig die notwendigen Daten so bereitzustellen, dass sie in moderne Gebäudeleittechnik integriert und sinnvoll genutzt werden können.

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