20.11.2020 • TopstoryGesichtserkennungIP-Kamera

Gesichts- und ­Temperaturerkennung

Seit 70 Jahren gibt es die Marke Grundig – heute ist sie wieder weltweit vertreten

Seit 70 Jahren gibt es die Marke Grundig – heute ist sie wieder weltweit vertreten. Eine der Neuheiten im Corona-Jahr 2020 ist eine neue IP-Kamera. Sie erkennt, wenn sich Gesichter vor ihr befinden und misst dann zum Beispiel die Stirntemperatur des Betreffenden. Matthias Erler von GIT SICHERHEIT befragte dazu Ludwig Bergschneider von Abetechs (Grundig-Security).

GIT SICHERHEIT: Herr Bergschneider, es ist sozusagen eines der Produkte der Stunde: Die IP-Kamera zur Messung der Körpertemperatur. Sie haben gerade eine solche eingeführt. Wie kommt sie auf dem Markt an – und aus welchen Bereichen kommt die meiste Nachfrage?  

Ludwig Bergschneider: Die Kameras zur Messung der Körpertemperatur werden vor allem aus dem Ausland bestellt. Zu den meisten Anwendungsbereichen, die bei uns nachgefragt werden, gehören Behörden, Schulen, Sportstätten und Industrie. Die Kameras werden häufig dort eingesetzt, wo die Menschenströme relativ hoch sind und andere Methoden der Erfassung der Körpertemperatur sich nicht eignen. Verantwortungsvolle Anwender wollen so ausschließen, dass Menschen mit erhöhter Körpertemperatur unbemerkt in ihre Einrichtung gelangen. Erhöhte Körpertemperatur ist ein wichtiger Indikator für eine akute Infektion.

Was sind die wichtigsten Features?

Ludwig Bergschneider: Die Kameras ermitteln Gesichter mit Hilfe künstlicher Intelligenz und messen dann die Stirntemperatur. Hierdurch werden Fehlmessungen durch andere Gegenstände weitgehend verhindert. Diese Messung kann je nach Kameramodell auf bis zu 9m erfolgen. Die mitgelieferte Software gibt dann die Information entsprechend weiter. Das kann unmittelbar über Ansagen, Licht und Tonsignal erfolgen, durch Blockieren des Zutritts aber auch diskreter über Email oder Push-Nachrichten auf ein Handy. Je nach Kundenwunsch und der rechtlichen Bestimmungen am Einsatzort werden die Vorgänge aufgezeichnet und dokumentiert.

Welche anderen sicherheitstechnischen Lösungen aus Ihrem Portfolio gibt es, die während der Pandemie an Bedeutung gewinnen?

Ludwig Bergschneider: Mit unserer einzigartigen Verhaltensanalyse können viele andere Dinge über Videobilder erkannt werden. Beispielsweise das Tragen der Schutzmaske oder die Wahrung der Distanz von Personen kann detektiert werden und wenn definierte Grenzen überschritten werden führt das zu automatisierten Abläufen.

Der Einzelhandel ist ja ganz besonders betroffen von Shutdowns, Maskenpflicht und anderen Einschränkungen. Welche Rolle kann Sicherheits- bzw. Videotechnik hier spielen?

Ludwig Bergschneider: Für den Einzelhandel stehen individuelle Lösungen zur Verfügung. Bei Einkaufszentren ist beispielsweise eine Überwachung der Körpertemperatur der Besucher sinnvoll. Mit Videotechnik kann aber auch die Anzahl zulässiger Besucher im Shop gezählt und angezeigt werden. Die Einhaltung der Maskenpflicht ist hier auch ein wichtiger Punkt. Mit moderner Videotechnik kann außerdem die Besuchsfrequenz ermittelt und auf sogenannten Heat Maps dargestellt werden.

Wie erleben Sie insgesamt die Pandemie? Welche Einflüsse hat sie nach Ihrer Wahrnehmung auf die Sicherheitsmärkte – und welche mittelfristige Entwicklung sehen Sie dabei?  

Ludwig Bergschneider: Anfangs gab es große Unsicherheiten für Investitionen auch in Sicherheitstechnik und auch Sorgen wegen der Unterbrechung der Lieferketten. Mittlerweile hat sich die Nachfrage wieder erholt. Die Gründe für Investitionen in die Sicherheit haben schließlich nicht abgenommen. Auch sind bereits begonnene Bauvorhaben nicht eingestellt worden. Die Videotechnik ist heutzutage innovativer als je zuvor. Ich denke, dass wird die Erneuerung bestehender Anlagen vorantreiben. Mittelfristig sind wir daher positiv gestimmt.

Sie haben derzeit ein spezielles Garantieangebot von 70 Monaten für bestimmte Kameras?

Ludwig Bergschneider: Ja, Grundig ist 70 geworden und wir geben daher 70 Monate Garantie auf unsere Technik. Unsere Ausfallquoten sind äußerst gering, so dass wir auch Vertrauen schaffen und ein Zeichen für unsere Branche setzen wollten.

Was wird es in nächster Zeit Neues geben aus Ihrem Hause?  

Ludwig Bergschneider: Wir planen weiter, Hard- und Softwareprodukte miteinander zu verbinden, die für bestimmte Anwendungen besonders geeignet sind. Beispielsweise bieten wir schon Kameras mit Kennzeichenerkennung on board. Künftig wird es mehr Kameras geben, die einem bestimmten Einsatz zuzuordnen sind. Damit lassen sich Branchenlösungen einfacher realisieren.

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