„Man braucht ein Gesamt­system, um erfolgreich zu sein“

25 Jahre SimonsVoss: Ein Rück- und Ausblick von Firmengründer Ludger Voss und Geschäftsführer Bernhard Sommer

Herr Voss, welcher Impuls führte zur Firmengründung vor 25 Jahren?

Ludger Voss: Ich kannte Oliver Simons durch das gemeinsame Studium in Aachen. Ich hatte Elektrotechnik, Oliver BWL studiert. Ich arbeitete als Systemingenieur bei Siemens, Oliver als Berater bei McKinsey. Nach einem Besuch der Security Messe in Essen 1994 wollte er (zusammen mit dem späteren SimonsVoss Hauptgeschäftsführer Bernd Dietel) in elektronische Zutrittskontrolle investieren. Oliver zeigte mir die verschiedenen Systeme, die damals noch Schaltschrankgröße hatten, und ich dachte mir „Das geht auch viel einfacher... Warum nicht alles in ein Kompaktsystem mit Standardformaten integrieren? Energiearm, kabelfrei, in Minuten zu installieren. “

Die Grundidee stand also – wie ging es weiter?

Ludger Voss: Wir bekamen einen hohen Bankkredit, mieteten in Schwabing ein kleines Büro auf einem Dachboden an, holten uns mit Herbert Meyerle einen hervorragenden Systemarchitekten und Strategen, den ich sehr gut aus meiner Siemenszeit kannte, mit ins Boot und legten im November 1995 los. Zuerst hatten wir keinen Erfolg. Das digitale Einsteckschloss war zu teuer und aufgrund der Türkomplexitäten gab es zu viele Varianten. Im Herbst 1997 hatten wir dann die rettende Idee, das System weiter zu minimieren und in die Knäufe von Schließzylindern zu integrieren. 1998 gab es die ersten erfolgreichen Installationen. Die Händler sahen in dieser Digitalisierung mechanischer Schließzylinder sofort ein enormes Potenzial und so nahm die Erfolgsstory ihren Lauf.

Welche Bilanz würden Sie im Jubiläumsjahr für das Unternehmen ziehen?

Ludger Voss: Never give up ... der Weg zum Erfolg ist hart. Für unsere Idee reichte es nicht, ein einzelnes Produkt zu entwickeln, vielmehr musste ein Gesamtsystem entwickelt werden. In unserer Branche benötigen Sie Lösungen für jede Art von Tür, sie benötigen Transponder, Programmiergeräte, Vernetzungskomponenten, Management-Software. Zusätzlich mussten wir einen komplett neuen Markt erschließen, bevor wir die ersten Umsätze machen konnten. Wesentlich zum langfristigen Erfolg beigetragen hat auch ein Stamm von langjährigen Mitarbeitern, durch die das Know-how im Unternehmen geblieben ist und viele Innovationen erst möglich wurden.

Ein Blick in die Zukunft: Wo entwickelt sich die Technik hin?

Ludger Voss: Die Entwicklung geht unserer Einschätzung nach in Richtung universelle Konnektivität. Komponenten müssen untereinander, mit Cloud basierten Services, mit Verwaltungszentralen, und zunehmend auch mit Smartphones kommunizieren können. Aus Anwendersicht wird dadurch vieles einfacher. Gleichzeitig steigen aber die Anforderungen bezüglich Sicherheit gegen Hackerangriffe rasant. SimonsVoss Produktentwicklungen tragen dem Rechnung. Seit mehreren Jahren integrieren wir sogenannte Secure Elements, wie sie auch im Banking-Bereich eingesetzt werden, in alle Neuentwicklungen. Für universelle Konnektivität sorgen zusätzliche NFC, BLE-, sowie Wireless Networking Schnittstellen. Das „Internet der Dinge (IoT)“ ist übrigens für uns keine Neuigkeit. Wir vernetzen Schließkomponenten schon seit 2003 „wireless“ und erreichen sie über IP-Netzwerke.

Herr Sommer, wie hat sich der damals junge Markt für digitale Schließzylinder entwickelt?

Bernhard Sommer: Was anfangs tatsächlich eine technologisch geprägte Idee war – nämlich Schließzylinder zu digitalisieren – hat sich in den vergangenen 25 Jahren zu einem industriell geprägten Markt entwickelt. SimonsVoss war an dieser Entwicklung nicht nur beteiligt, sondern hat sie wesentlich mit vorangetrieben. Heute setzen wir diesen Kurs als Teil von Allegion nahtlos fort und sind damit erfolgreich.

Welche Perspektiven bietet digitale Schließtechnik in den nächsten fünf bis zehn Jahren?

Bernhard Sommer: Wir gehen von einer höheren Vernetzung digitaler Schließsysteme innerhalb von Sicherheits- oder Gebäudeleitsystemen aus. Und wir erwarten, dass Internet-, Web- und Cloud Applikationen zunehmen werden und damit eine deutliche Vereinfachung und Bedienung für die Benutzer einhergeht.

Wie sieht es mit brisanten Themen wie IT-Sicherheit und Datenschutz aus?

Bernhard Sommer: Die Anforderungen an die Technologie der Schließsysteme bezüglich Sicherheit der Datenprotokolle, Datenzugriff und Schutz vor Hacking wachsen. Digitale Schließsysteme sind eine ideale Lösung, wenn es um den Datenschutz in Unternehmen geht. Mit ihrer Hilfe kann man sicherstellen, dass die Anforderungen gemäß DSGVO wie beispielsweise Zutrittsberechtigungen in Personalabteilungen und IT-Abteilungen eingehalten werden können.

Vor welchen Herausforderungen steht die Branche heute aus Ihrer Sicht?

Bernhard Sommer: Zunehmend rückt das Thema Live-Cycle Cost – Betriebskosten über den Lebenszyklus – in den Vordergrund. Das bedeutet für uns, dass an die Produkte sowohl in Hinblick auf die Lebensdauer, als auch auf die Wartungsintervalle noch deutlich höhere Anforderungen gestellt werden. Für uns ist ein zentrales Thema innerhalb der Produktentwicklung eine lange Lebensdauer bei extrem niedrigen Betriebskosten zu erreichen. Damit wollen wir für unsere Kunden Zusatznutzen generieren.

Auf welche weiteren Veränderungen stellen Sie in naher Zukunft ein?

Bernhard Sommer: Wir erwarten, dass sich in den nächsten fünf bis zehn Jahren Standards in der Gebäudetechnologie durchsetzen werden. Man wird sehen, inwieweit diese Standards auf digitale Schließtechnik angewendet werden können. Ansonsten setzen wir weiter auf Top-Service und die Beratung unserer Vertriebspartner vor Ort mit sehr kurzen Reaktions- und Lösungszeiten.

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