23.12.2020 • TopstoryIT-InfrastrukturWachstumskursCorona

Kentix: Enormes Potenzial

Für smarte Absicherung geschäftskritischer IT-Infrastrukturen ist Kentix ­bekannt

Für smarte Absicherung geschäftskritischer IT-Infrastrukturen ist Kentix ­bekannt – und seit Einbruch der Pandemie integriert das Unternehmen auch People-Counting-, Temperatur- und Aerosolsensorik. Trotz Corona setzt Kentix seinen Wachstumskurs fort. Reichlich Potential sieht das Unternehmen bei IoT- und KI-Anwendungen. Gerade im Bereich der schnell wachsenden, digitalen Infrastrukturen brauche der Markt smarte Sicherheits­lösungen, die den Betrieb sicherer und einfacher gestalten, sagt Kentix-CEO Thomas Fritz im Interview mit GIT SICHERHEIT.  

GIT SICHERHEIT: Herr Fritz, die Pandemie beherrscht uns alle – lassen Sie uns damit also beginnen: Auch bei Kentix haben Sie Antworten gesucht und gefunden, Stichwort Temperaturmessung, People Counting und Aerosole messen per „Multisensor-TI“ (wir berichteten in GIT SICHERHEIT 10/2020). Offenbar passt das ja ganz gut in Ihr Portfolio?

Thomas Fritz: Unser Kernthema ist ja die Absicherung geschäftskritischer Infrastrukturen, genau dort passt natürlich auch das Thema Covid-19 Prävention exakt rein. Für die Unternehmen geht es darum, ihre Mitarbeiter optimal zu schützen und damit auch den Betrieb des Unternehmens. Die Kunden bevorzugen auch immer stärker die Vernetzung der sicherheitstechnischen Systeme. Unsere Covid-19 Prävention integriert sich nahtlos in die Zutritts- und Videokontrolle oder in Gefahrenmeldesysteme. Hier sind wir in den letzten Jahren zum Systemanbieter geworden und liefern alles aus quasi einer Hand.

Welche Kunden bzw. Unternehmen setzen diese Lösungen vor allem ein – und wie werden sie in Kentix-Lösungen integriert?

Thomas Fritz: Das geht über alle Branchen, wir haben unseren Temperatur-Scanner SmartXcan­ in über 40 Länder exportiert. Das ist das „Who is who“ der Dax- und Fortune Global 500 Unternehmen dabei. Die Integration kann in bestehende Zugangslösungen oder einfach als Stand-alone-Lösung erfolgen. Zur sinnvollen Hotspot-Prävention am Arbeitsplatz empfehlen wir den SmartXcan­ zur freiwilligen Selbstkontrolle überall dort aufzustellen, wo viele Personen vorbeikommen, z. B. im Flur, vor der Toilette, im Pausen- oder Besprechungsraum. So können Beschäftige mehrfach täglich ihre Temperatur messen, so wie es auch die Gesundheitsämter empfehlen. Unsere Produkte sind 100 % IoT-basiert und haben mittlerweile alle ein REST-API, das macht die Integration sehr einfach. Im Prinzip wird nur ein Ethernetanschluss mit PoE benötigt. Die klassische Integration über potentialfreie Kontakte ist dann eine weitere Variante.

Könnten Sie uns die eine oder andere wichtige Referenz beschreiben?  

Thomas Fritz: Eine schöne Referenz ist Anheuser-Busch, die weltgrößte Brauereigruppe, die unseren SmartXcan in über 200 Brauereien einsetzt. So wird auch in der Corona-Bier Brauerei in Mexiko die Corona Prävention damit ergänzt. Ein großer Teil ist generell die Lebensmittelindustrie und Produktionsbetriebe.

Manche Beobachter vermuten, dass die Sensibilität für Hygienethemen und entsprechende Maßnahmen noch lange erhalten bleiben. Wie sehen Sie die Entwicklung? Glauben Sie, dass der Geschäftsbereich Prävention auch langfristig einen wichtigen Stellenwert bei Kentix einnehmen wird?  

Thomas Fritz: Davon gehen wir aus. Generell steigt bei den Verantwortlichen das Bewusstsein, was kritisch für ihre Unternehmensmission sein könnte. Dazu gehören auf jeden Fall auch die Hygienemaßnahmen. Welche Folgen es haben kann, diese nicht ernst genug zu nehmen, haben einige Beispiele gezeigt, die durch die Presse gingen, wie z. B. der Covid-19-Hotspot bei Tönnies. Generell müssen sich Unternehmen aber die Frage stellen, was ist „mission critical“ für mein Geschäft und dazu zählen natürlich auch Hygienemaßnahmen. Durch intelligente technische Lösungen auf IoT-Basis lassen sich diese dann auch gut in die Prozesse integrieren, ohne zusätzliche Ressourcen zu schaffen.

Ihr Kerngeschäft ist ja die physische Sicherheit von IT-Systemen und Zutrittskontrollsysteme. Etwa die Hälfte der IT-Ausfälle gehen auf das Konto von Feuer, Wetter, physischen Defekten, menschlichem Versagen. Das scheint im Grunde besser handhabbar zu sein, als Hackerangriffe von Cyberverbrechern – wird aber offenbar stark unterschätzt?

Thomas Fritz: Ja, unser Kerngeschäft ist die physische IT-Sicherheit in allen Facetten. Zunehmend sichern wir aber auch andere schutzbedürftige Räume in der Energieversorgung, Logistik, Entsorgung oder im Bereich Gesundheitswesen ab. Physische Sicherheit in der IT wird nach wie vor unterschätzt, hier gibt es einen enormen Nachholbedarf. Zumal aktuell der Bedarf an verteilten Rechenzentren, dem sogenannten „Edge Data Center“ stark steigt. Normen und Anforderungen an IT-Systeme wie die ISO27001 oder EN50600 helfen hier aber in der Umsetzung – und schaffen die nötige Sensibilität bei den Betreibern, es umzusetzen.

Ist das eine branchenübergreifende Analyse? Immerhin haben Sie Kunden aus den unterschiedlichsten Bereichen von Industrie bis Health Care?

Thomas Fritz: Wir sagen nach wie vor, dass 60 bis 70 % der kleinen und mittleren Rechenzentren physisch nicht adäquat abgesichert sind.  Das ist eine Analyse über alle Branchen, die sich in unserm Tagesgeschäft bestätigt. Selbst große Betreiber von IT-Infrastruktur wie Telekommunikationsanbieter, Industrie, Handel oder Bundesbehörden haben hier Nachholbedarf, um die Richtlinien zu erfüllen.

Auch die physische Sicherheitstechnik wird smarter und vernetzter. Könnten Sie uns einmal die aus Ihrer Sicht wesentlichen Entwicklungstrends skizzieren?

Thomas Fritz: Ein wesentlicher Trend ist, dass wir als Hardwarehersteller von IoT-Produkten immer mehr zum Softwarehaus werden. Die eigentliche Hardware tritt etwas in den Hintergrund und wird immer mehr Mittel zum Zweck. Die Life-Cycle-Kosten über einen Zeitraum von zehn Jahren stecken in Software und deren Integration. Hier schauen die Kunden immer genauer hin, zumal unser Kunde meist der IT-Verantwortliche ist, der in IT-Prozessen denkt und diese optimieren möchte. Ein weiteres Thema ergibt sich automatisch:  Wir erzeugen heute in einem kleinen bzw. mittleren Rechenzentrum einige Hundert Informationspunkte für eine vorausschauende, präventive Überwachung. Um hier den Anwender zu entlasten, wird das Thema Künstliche Intelligenz bzw. Deep-Learning enorm wichtig. In dieses Feld investieren wir gerade stark und die ersten Produkte sind in der Umsetzung.

Smarte Systeme mit Apps und Smart Watches sind ein genereller Trend – so haben Sie etwa Ihr IoT-Schließsystem kürzlich um einen smarten Griff zur Sicherung von Serverschränken erweitert...?

Thomas Fritz: Ja, die Welt wird smart und das Internet der Dinge (IoT) ist ein Teil davon. Unsere IoT-Lösungen müssen Prozesse bei unseren Kunden verbessern. Der neue Rack-Griff ist ein erstes Produkt, bei dem wir erstmals auch die Mechanik bzw. Mechatronik selbst entwickelt haben. Damit bieten wir nahtlose digitale Schließtechnik über alle Ebenen an – vor allem auf einer IoT-basierten Softwareplattform. Wir wollen Systemanbieter für unseren Kunden sein. Ein schönes Beispiel ist, dass der neue Rack-Griff direkt an unsere Smart PDU- Linie (Stromverteilereinheit im Rack) anschließbar ist. Ein Riesenvorteil für den Betreiber. Dort wo er für seine Racks eine intelligente Schließlösung benötigt, kann er einfach unseren Griff anschließen, ohne Extra-Verkabelung oder -Aufwand. Durch die konsequente IoT-Ausrichtung kann der Kunde seine eigenen Anwendungen integrieren. So haben wir heute RZ-Betreiber, die über die LEDs in den Griffen Leitsysteme für Techniker im RZ aufbauen, um Servicearbeiten effektiver durchführen zu können. Natürlich geht es auch um die Dokumentation der physischen Zugriffe.

Welche weiteren Neuheiten von Kentix können wir in der nächsten Zukunft erwarten?  

Thomas Fritz: Wir haben in den letzten zwei Jahren unsere Produkte alle auf unser hauseigenes Betriebssystem Kentix OS umgestellt. Das war ein wesentlicher Schritt. Alle Produktbereiche laufen nun auf einer Plattform und Codebasis und sind nahtlos vernetzbar. Hier stellen wir bald die Version Kentix OS 7 vor, welches die Basis für viele zukünftigen Innovationen sein wird. Unsere Produkt-Roadmap ist ordentlich gefüllt. Das Thema Künstliche Intelligenz hat einen großen Stellenwert und ein enormes Potenzial in den nächsten Jahren. In Zukunft wird man Kentix auch in weiteren vertikalen Märkten finden.

Herr Fritz, Kentix ist bereits seit Jahren auf Wachstumskurs. Wie stellt sich das momentan dar?

Thomas Fritz: Wir sind mit der aktuellen Geschäftsentwicklung sehr zufrieden und wachsen trotz Corona sehr gut. Wir haben uns der Veränderung gestellt und schnell mit innovativen Produkten reagiert, das hat sich bezahlt gemacht. Wir sehen auch in den nächsten Jahren enormes Wachstumspotenzial und stehen, insbesondere durch neue IoT- und KI-Anwendungen, meiner Meinung nach erst am Anfang. Der Markt benötigt gerade im Bereich der schnell wachsenden, digitalen Infrastrukturen smarte Sicherheitslösungen, die den Betrieb sicherer und einfacher gestalten.

Auch eine neue Produktionsanlage ist in Planung. Was wird dort produziert werden und wie ist hier der Stand?

Thomas Fritz: Wir schreiben uns ja auf die Fahne, fast alles in Deutschland, bzw. sogar in Rheinland-Pfalz zu produzieren. Um hier dem Wachstum gerecht zu werden, bauen wir eine neue Produktionshalle mit Inselfertigung und größerem Lager. In dieser Produktionsanlage werden dann die meisten Elektronik- und Sensorprodukte gefertigt. Produkte wie unsere Smart PDU-Linie fertigen wir zusammen mit Behindertenwerkstätten in der nahen Umgebung.

Macht die Pandemie Striche durch die Rechnungen und Planungen? Wie zuversichtlich blicken Sie diesbezüglich in die Zukunft?

Thomas Fritz: Kentix wurde in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 gegründet. Von daher ist es unser Naturell, Chancen zu sehen und zu nutzen. Aktuell sehen wir sehr viele neue Chancen durch die Corona-Zäsur und freuen uns auf die nächsten Jahre und Herausforderungen.

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