16.05.2024 • TopstoryVIP

VIP-Interview: Notfall- und Krisenmanagerin Dr. Sandra Kreitner

GIT SICHERHEIT im Interview mit Dr. Sandra Kreitner, Vizepräsidentin der Gesellschaft für Krisenvorsorge (GfKV) sowie Organisatorin und Leiterin der länder- und fachbereichsüber­greifenden Task Force „Blackout“.

In jeder Ausgabe Ihrer GIT SICHERHEIT bitten wir wichtige Personen, Entscheider, Menschen aus der Sicherheitsbranche, zum VIP-Interview.

Im Interview unserer Mai-Ausgabe: Dr. Sandra Kreitner

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  • Vizepräsidentin der Gesellschaft für Krisenvorsorge (GfKV)
  • Organisatorin und Leiterin der länder- und fachbereichsüber­greifenden Task Force „Blackout“
  • Leitdozentin für die Zertifizierungs-Lehrgänge „Resilienzmanager KRITIS (IHK)“, „Administrativer Risikomanager (BVSW)“, „Administrativer Krisenmanager (BVSW)“
  • Gastdozentin an der Bundesakademie für Bevölkerungsschutz und ­Zivile Verteidigung (BABZ)
  • Geschäftsführerin Biocelltec GmbH
  • Notfall- und Krisenmanagerin (BdSI und IHK)
  • Promotion in Biophysik
  • Diplom-Chemikerin

Ihr Berufswunsch mit 20 war:

Zu dem Zeitpunkt war ich bereits mitten im Chemiestudium und habe anschließend im Fachbereich Biophysik promoviert. 

Was hat Sie dazu bewogen, eine Aufgabe im Bereich Sicherheit zu übernehmen?

Tatsächlich haben mich der Roman „Blackout“ von Marc Elsberg und die „Petermann-Studie“ nicht mehr losgelassen. Damit war der Einstieg ins Notfall- und Krisenmanagement vorgezeichnet. Durch den Klimawandel und die Zeitenwende ist das Risiko für einen Ausfall Kritischer Infrastrukturen massiv angestiegen. Deshalb möchte ich einen wirksamen Beitrag dazu leisten, die gesamtstaatliche und gesamtgesellschaftliche Resilienz in unserem Land zu stärken.

Welche sicherheitspolitische Entscheidung oder welches Projekt sollte Ihrer Meinung nach schon längst umgesetzt sein?

Wir neigen in Deutschland dazu, viele Risiken dem Bereich des Restrisikos zuzuordnen. Wenn man diesen Ansatz fährt, benötigt man allerdings auch funktionierende Strukturen, die in der Lage sind, schnell und professionell zu reagieren, wenn Restrisiken schlagend werden. Die Ahrflut hat in schmerzlicher Weise offengelegt, dass wir über derartige Strukturen nicht verfügen. Wir benötigen ein Sofortprogramm für den Aufbau resilienter Basisstrukturen. Hier sind besonders kommunale Krisenstäbe, Notfallmeldepunkte und Anlaufstellen für die Bevölkerung zu nennen. Diese Strukturen werden auch im Rahmen einer funktionierenden zivilen Verteidigung dringend benötigt. Besonders wichtig in diesem Zusammenhang ist gut geschultes Personal. 

Auch Unternehmen, welche die ESG-Kriterien ernst nehmen, werden sich in Zukunft resilienter aufstellen müssen. Im Zuge von Klimawandel und Zeitenwende sind dazu Maßnahmen erforderlich, die weit über das klassische Business-Continuity-Management hinausgehen. Viele Konzerne, mit denen ich zusammenarbeite, haben das erkannt und die Umsetzung zentraler Forderungen der CER-Richtlinie, die bis Oktober 2024 mit dem KRITIS-Dachgesetz in nationales Recht umgesetzt werden muss, bereits heute in Angriff genommen.

Ein Erfolg, den Sie kürzlich errungen haben, war:

Zusammen mit dem Bayerischen Verband für die Sicherheit in der Wirtschaft (BVSW) – neben der Kampagne „Schritt für Schritt krisenfit“, welche die Stärkung der persönlichen und damit der gesamtgesellschaftlichen Resilienz adressiert – mit der Ausbildung zum „Resilienzmanager KRITIS (IHK)“ die „Ausbildungsoffensive Resilienz“ zu starten.

Wer hat Ihrer Meinung nach eine ­Auszeichnung verdient?

… der BVSW. Er unterstützt im Zuge seiner „Ausbildungsoffensive Resilienz“ durch die Qualifizierung von Fachpersonal in entscheidender Weise den Aufbau resilienter Strukturen in Behörden, Kommunen, Organisationen und Unternehmen. Zu nennen ist hier die Zertifizierung zum „Resilienzmanager KRITIS (IHK)“, die weit über den klassischen BCM-Ansatz hinausgeht und einen besonderen Fokus auf die Bewältigung komplexer und multipler Krisen sowie den Ausfall Kritischer Infrastrukturen legt. Eine spezielle Qualifizierung im Risiko- und Krisenmanagement wird durch die Zertifizierungen „Administrativer Risikomanager (BVSW)“ und „Administrativer Krisenmanager (BVSW)“ ermöglicht.

Durch die Öffnung dieser Ausbildungen für das Personal von Behörden, Kommunen, Organisationen und Unternehmen entsteht von Anfang an „vernetzte Sicherheit“. Dem liegt die Erkenntnis zu Grunde, dass komplexe Krisen nur von vernetzten Teams, die aus sämtlichen Partnern in der Gefahrenabwehr gebildet werden, gelöst werden können. 

… und Oberstleutnant Christian Haas. Er hat mich durch seinen unermüdlichen Einsatz in 2022 dabei unterstützt, in 25 Kreisen Oberbayerns und Schwabens den Stein zum Aufbau resilienter Grundstrukturen ins Rollen zu bringen. Zudem unterstützt er mich bei der ehrenamtlichen Betreuung der ausgebildeten Resilienzmanager KRITIS, die in Form einer Community of Practice nachhaltig bei der Lösung von Herausforderungen, die sich aus deren alltäglicher Arbeit ergeben, begleitet werden. 


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Worüber können Sie sich freuen?

Über gesunde Kinder, gute Freunde, gutes Essen, ein warmes Feuer im Kamin an einem kalten Tag und ein schönes Glas Wein.

Wobei entspannen Sie?

Am liebsten mit meinen drei Kindern draußen im Wald, bei einem Wellnesswochenende mit meiner besten Freundin oder beim Karate­training, sofern mein Terminkalender es zulässt. Das tut mir gut und hilft den Kopf frei zu kriegen.

Welchen Urlaubsort können Sie empfehlen?

Das wunderschöne Oberbayern, meine Heimat.

Wie würde ein guter Freund Sie charakterisieren?

Treffsicher in der Analyse, engagiert und ­zielgerichtet. Empathisch, mitfühlend und immer ein offenes Ohr.

Welche Zeitschriften lesen Sie regelmäßig?

Ich lese Artikel zu unterschiedlichsten Themen, in die GIT SICHERHEIT schaue ich regelmäßig rein.

Die GIT SICHERHEIT ist für mich wichtig, weil…

.. sie sich mit aktuellen Sicherheitsthemen befasst und sehr abwechslungsreich ist. 

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?

„Flutkatastrophe Ahrtal“ von Gisela Kirschstein. Es hat mich motiviert selbst tätig zu werden und viele Interviews mit Betroffenen der Flutwelle, aber auch mit den im Zuge des Krisenmanagements eingesetzten Kräften, zu führen. 

Was motiviert Sie?

Anderen Menschen zu helfen, die Sicherheit für uns alle zu verbessern, übt auf mich eine große Motivation aus. Deshalb freue ich mich schon darauf, die bayerischen Kommunen in kostenlosen Online-Workshops beim Aufbau resilienter Grundstrukturen zu unterstützen. Wir benötigen flächendeckend kommunale Krisenstäbe, Anlaufstellen für die Bevölkerung und gut geschultes Personal, um diese Strukturen zu betreiben. Diese motivierende Herausforderung werde ich ab Mai 2024 mit unserem „Botschafter für Bayern“ der Gesellschaft für Krisenvorsorge, Herrn Christian Haas, gemeinsam anpacken.

Worüber machen Sie sich Sorgen?

Ich denke, dass alles, was passiert, einen Grund, aber auch einen tieferen Sinn hat. Von daher mache ich mir selten Sorgen, da auch schwierige Situationen die Möglichkeit eröffnen, an ihnen zu wachsen und zudem Veränderungspotentiale aufzeigen. Ich versuche stets, aus jeder Lage das Beste zu machen und die Dinge positiv zu sehen.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung ist:

Unendlich glücklich und dankbar für meine Kinder, meine Arbeit und all die lieben Menschen, die dadurch in mein Leben treten. Zudem freue ich mich immer über neue Herausforderungen.
 

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